Reportage

Solingen vor der Ausgangssperre

Die Düssseldorfer Straße, Freitagabend, 22.10 Uhr.
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Die Düsseldorfer Straße, Freitagabend, 22.10 Uhr.

Ab Sonntag, 25. April, gilt die neuerliche Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr in Solingen. Aber was ist los am Freitag, 22 Uhr, in Solingen? Eine Reportage.

Von Timo Lemmer

Solingen. Um kurz nach halb zehn wirkt es am Freitagabend auf dem Neumarkt so, als gelte in wenigen Minuten schon die Ausgangsbeschränkung: Die Handvoll Menschen, darunter insbesondere spielende Kinder, die kurz zuvor noch auf dem Platz in der City saßen oder umherliefen, sind urplötzlich allesamt verschwunden, als sei in wenigen Augenblicken Zapfenstreich und sie müssten noch eilig nach Hause huschen.

Im Imbiss, der vor kurzem neu eröffnet wurde, wischt eine Frau allein den Thekenbereich, vor dem Restaurant daneben ist gar niemand zu sehen und am Ende des Platzes steht ein einsames Taxi: Am Freitagabend herrscht in Solingen zwar noch nicht die neuerliche Ausgangssperre – viel verändern würde die an diesem Abend aber auch nicht. Wann genau die Ausgangssperre vor Ort in Solingen in Kraft tritt, war am Freitag noch unklar. Laut Rechtsdezernent Jan Welzel fehlte die nötige Landesverfügung. Und er kündigte an, dass die Stadt Solingen zunächst moderat kontrollieren werde. Jetzt ist klar: Ab Sonntag, 25. April, werden die bundesweit einheitlichen Regeln angewendet und kontrolliert.

Die meisten tun nichts, was sie ab Montag nicht auch tun dürfen

Sicherlich: Es ist nicht Nichts los. Aber die meisten Menschen, die zu sehen sind, tun nichts, was sie ab Montag nicht auch tun dürfen. Eine junge Frau joggt gegen zehn Uhr in gelber Warnweste die Kölner Straße hinauf – das ist auch mit Ausgangsbeschränkung bis 24 Uhr erlaubt.

Ein einzelner Passant wird von zwei Polizisten kontrolliert. Das dauert länger, scheint aber nichts mit einem Verstoß gegen städtische Regeln zu tun zu haben. Ohnehin tragen die meisten der wenigen Menschen ihre Maske ordnungsgemäß – und die, die das nicht tun, sind auch nur vereinzelt und einzeln unterwegs. Die genauen Corona-Regeln für Solingen finden Sie immer aktualisiert hier.

Innenstadt: Pavillons und Kneipen verlassen, Busse fahren teils komplett leer

In der Innenstadt ist um kurz nach zehn Uhr abends quasi nichts mehr los. Auf der Kirchstraße wartet der Pavillon eines Obst- und Gemüsehändlers darauf, am nächsten Morgen wieder im Einsatz zu sein – hell erleuchtet steht er ebenso verlassen da wie die paar Kneipen in der Umgebung, in denen an normalen Freitagabenden zumindest Betrieb herrschen würde.

Der einzige Betrieb in der Innenstadt ist aktuell aber den Verkehrsbetrieben vorbehalten – nicht, dass rund um den Grafen eben besonders viele Fahrgäste warten würden. Aber die Busse fahren, wenn auch teils komplett leer.

Ohligs: Pause mit Pizza und Auto-Kurver

Klar, das Wetter am Freitagabend ist in Ordnung, aber auch nicht so gut, dass Menschenmengen die Plätze mit Aufenthaltsqualität fluten – mit ein paar Grad mehr wäre das womöglich anders, immerhin ist es lange genug hell. In Ohligs sitzen zumindest zwei Männer etwas gemütlicher am Marktplatz, sie haben sich Pizza mitgebracht. Und ein kaltes Getränk gleich dazu.

Zwei Jungs in einem kleinen, weißen Auto italienischem Fabrikats scheinen Langeweile zu haben, mehrmals kurven sie rund um den Marktplatz die Straßen entlang, einmal geben sie viel Gas. Das beeindruckt sonst schon niemanden; jetzt aber nicht mal jemand da, der den Kopf schütteln kann.

Während die zwei Männer mit ihrer Pizza fertig sind, fährt der Wachdienst am Eingang des neuen Supermarktes und der neuen Sparkassen-Filiale vor: Jetzt sind auch hier die Türen dicht. Gekommen oder auch gegangen war die letzten Minuten ohnehin schon niemand mehr.

Größter Menschenauflauf des Abends

Am Verkehrsknotenpunkt am Ende der Fußgängerstraße muss wenig später ein Zug angekommen sein – fast zehn Leute verlassen plötzlich zeitgleich den Hauptbahnhof. Der größte Menschenauflauf des Abends, der zu beobachten ist, nachdem der Regionalexpress um 22.15 Uhr Halt gemacht hat, verflüchtigt sich indes so schnell, wie er gekommen war.

Kurz darauf kommt die Polizei, fährt einmal die Düsseldorfer Straße hinab: Zu sehen gibt es auch für die Beamten nichts. Auch der Stadtteil Wald wirkt gegen Viertel vor elf wie ausgestorben, lediglich vor einem Imbiss ist jemand zu sehen: Feierabend für den Hähnchen-Bräter, nur noch abschließen und dann ab nach Hause. Abends ist auf öffentlichen Plätzen in Solingen nichts mehr los, was nicht los sein darf – die Ausgangsbeschränkung hat sich die Stadt bereits selbst auferlegt.

Alle Entwicklungen in Solingen verfolgen Sie auch in unserem Live-Blog zur Corona-Pandemie: Inzidenz, Regeln, Schnelltestanbieter.

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