Corona-Notplan

Volle Busse – doch das große Chaos bleibt aus

Die Stadtwerke verlängern den „Corona-Notplan“.
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Die Stadtwerke verlängern den „Corona-Notplan“.

Die Stadtwerke versuchen, den Schülerverkehr trotz Corona-Notplans zu entzerren.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Der Start in das neue Schuljahr stand unter besonderen Vorzeichen. Wegen der angespannten Personalsituation musste der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke (SWS) seinen „Corona-Notplan“ über das Ferienende hinaus verlängern. Erwartungsgemäß voll war es am Morgen und frühen Nachmittag in den Solinger Bussen. „Wir behalten die Situation im Auge und prüfen, wie wir gegensteuern können“, kündigte SWS-Sprecherin Silke Rampe an.

Seit dem 25. Juli gilt der Notplan. Unter anderem sieht er montags bis freitags einen 15-Minuten-Takt auf den O-Buslinien 681 bis 683 vor. Zudem kommen die 21 Doppelwagen, die Entlastung im Schulverkehr versprechen, lediglich morgens zum Einsatz. Mittags sei es aktuell nicht möglich, diese zuverlässig zu planen. Dafür werden auf den Linien 681 und 682 zwischen 11.30 und 18 Uhr Verstärkerfahrten angeboten.

Hinzu kommt, dass die zusätzlichen Fahrzeuge, die das Fahrgastaufkommen während der Pandemie entzerren sollten, wegen unklarer Finanzierung im neuen Schuljahr nicht mehr unterwegs sind. „Das haben wir deutlich gespürt“, erklärte Silke Rampe. Gestern Morgen und Nachmittag sei das Gedränge in einigen Bussen groß gewesen. Für die SWS durchaus überraschend: „Wegen des guten Wetters hätten wir damit gerechnet, dass mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind.“

Stadtschulpflegschaft zeigt Verständnis für Stadtwerke

Als Reaktion wollen die Stadtwerke heute bei den Doppelwagen, die morgens parallel zu den normalen Fahrten verkehren, ausschließlich auf Gelenkbusse setzen. An den Nachmittagen könnte helfen, Fahrzeuge bedarfsgerecht umzudisponieren, um besonders betroffene Bereiche zu entlasten.

In den Schulen hat die angespannte Situation nicht zu größeren Problemen geführt. Alexander Erkelenz, Vorsitzender des Jugendstadtrates, erreichten zwar Berichte über volle Busse. „Aber das ist nichts Neues.“ Antonia Depner, Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft, zeigte Verständnis für die Stadtwerke. Der hohe Krankenstand verursache vielerorts Probleme. „Es ist zu begrüßen, dass versucht wird, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.“

Lob für die SWS gibt es auch von Jörg Bröscher, stellvertretender Leiter der Alexander-Coppel-Gesamtschule. Die zusätzlichen Busse, die die Wupperstraße ansteuern, seien pünktlich gewesen. Petra Ehrenfeld, Leiterin der Grundschule Meigen, und Alexander Lübeck, Leiter des Humboldtgymnasiums, kamen keine größeren Beschwerden über den Schülerverkehr zu Ohren. Die beiden Sprecher ihrer Schulformen im Schulleitersprecherrat vermuten, dass sich die Engpässe stärker bemerkbar machen könnten, wenn sich das neue Schuljahr eingependelt hat.

Das behalten die SWS im Blick, kündigte Silke Rampe an. Der Verkehrsbetrieb hofft, im September wieder auf den gewohnten Fahrplan umstellen zu können.

Standpunkt von Manuel Böhnke: Viele Flaschenhälse

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Es ist nur eine Momentaufnahme, doch sie lässt nichts Gutes erahnen. Lange konnte der Verkehrsbetrieb sein Angebot der Corona-Krise zum Trotz aufrechterhalten. Seit Ende Juli gilt auf vielen Linien ein Notplan. Krankheitsbedingte Ausfälle mischen sich mit der Urlaubszeit – es fehlt schlicht Personal. Zu Beginn des neuen Schuljahres sind die Auswirkungen deutlich zu spüren. Die Situation wird sich aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit entspannen.

Doch wie geht es langfristig mit dem Öffentlichen Personennahverkehr weiter? Bis 2030 soll der Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehr in Solingen auf 30 Prozent steigen. So will es die Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt. Deshalb, hat die Verwaltung im Frühjahr vorgerechnet, sind unter anderem 90 weitere Fahrzeuge notwendig. Dafür braucht es Geld. Kritischer ist, dass zudem 180 neue Fahrer eingestellt werden müssen. Dabei ist es bereits heute für die Stadtwerke kein Kinderspiel, freie Stellen zu besetzen. Die Finanzierungsfrage ist beileibe nicht der einzige Flaschenhals für die Verkehrswende. 

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