Gedenken zum Volkstrauertag

„Wir alle müssen uns für den Frieden einsetzen“

Die Kapelle des Gräfrather Parkfriedhofes war voll. Gräfraths Bezirksbürgermeisterin Ruth Fischer-Bieniek hielt eine emotionale Rede über die Vergangenheit, aber auch den Frieden im täglichen Leben.
+
Die Kapelle des Gräfrather Parkfriedhofes war voll. Gräfraths Bezirksbürgermeisterin Ruth Fischer-Bieniek hielt eine emotionale Rede über die Vergangenheit, aber auch den Frieden im täglichen Leben.

200 Solingerinnen und Solinger besuchten die zentrale Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag.

Von Andreas Römer

Solingen. Anlässlich des Volkstrauertages hatte die Stadt Solingen für Sonntag zur zentralen Gedenkfeier in die Kapelle des Kommunalfriedhofes in Gräfrath eingeladen. Rund 200 Solingerinnen und Solinger gedenken gemeinsam der Opfer von Gewalt und Krieg aller Nationen.

Neben den Organisatoren der Stadt und des Heimatvereins Solingen-Gräfrath waren Vertreter vieler Vereine und Organisationen dabei, etwa die Freiwillige Feuerwehr, die St. Sebastianus Schützenbruderschaft, der Gräfrather Turn- und Sportverein, der Hahneköpp-Verein „Haut Ihn“ sowie das Deutsche Rote Kreuz. Vertreter von Polizei und Bundeswehr waren ebenso vor Ort wie die Solinger Landtagsabgeordneten und Vertreter des Stadtrates. Der Sängerbund Solingen-Gräfrath untermalte die Veranstaltung stimmgewaltig, begleitet von Organistin Andrea Wingen.

Die Rede hielt Bezirksbürgermeisterin Ruth Fischer-Bieniek (Grüne). Sie dankte allen Anwesenden für ihre Teilnahme an der zentralen Gedenkfeier der Stadt, die somit einen würdigen Rahmen erhalte. „Wir sind hier um zu gedenken, uns zu erinnern und zu trauern“, sagte Fischer-Bieniek. Es sei ein starkes Zeichen gegen Gewalt, Hass, Extremismus und Rassismus.

Sie schilderte, dass sie selbst ein Kind des Friedens sei. „Unsere Eltern und Großeltern haben noch Kriegsgräuel erlebt, bald kann hier kaum noch jemand davon erzählen“, so Fischer-Bieniek. Ihre Generation sei aufgewachsen mit dem Bild, Frieden sei selbstverständlich, man sei mit früheren Feinden heute freundschaftlich verbunden.

„Niemand hat es für möglich gehalten, dass Putin einen verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Ukraine beginnt.“ Der gehe uns allen so nah, weil das Geschehen so nah sei. Die Bezirksbürgermeisterin rief dazu auf, auch die anderen Konflikte in der Welt wie in Syrien, dem Jemen oder an anderen Orten nicht zu vergessen. Noch immer würden jeden Tag Menschen zu Opfern, mahnte sie.

Sorgen macht sich Fischer-Bieniek über politische Entwicklungen und das Erstarken von immer mehr Autokraten, die den „imperialistischen Fieberträumen von Herrn Putin“ nacheifern wollen und so das Gift des Krieges in der Welt spürbar machen würden. Die wirtschaftlichen Folgen, die wir alle aktuell spürten, dürften nicht zur Spaltung der Gesellschaft führen.

Eine funktionierende Demokratie sei ein wesentlicher Grundsatz für den Frieden. Sie mache sich Sorgen, wenn in Ländern wie Italien Menschen gewählt werden, die vor allem mit Parolen gegen Menschen, die nicht in ihr enges Weltbild passten, Stimmung machten – und damit Erfolg haben. Da müsse man sich fragen, ob wir alle nichts aus den Kriegen gelernt haben.

Trauermarsch mit anschließender Kranzniederlegung

„Wir alle müssen uns für das zerbrechliche Gut Frieden einsetzen – jeden Tag, auch in unserem täglichen Leben“, forderte Ruth Fischer-Bieniek. „Hören wir auf die Stimmen unserer Eltern und Großeltern sowie der Geflüchteten. Sie alle berichten von schrecklichen Dingen, die ein Krieg hervorbringt. Dagegen müssen wir einstehen.“

Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe, in der Krise nachzudenken und besonnen zu handeln – und jederzeit aktiv für den Frieden zu arbeiten. „Den Weg zum Frieden kann man nicht besser beginnen als heute hier“, schloss Ruth Fischer-Bieniek.

Von der Kapelle folgte dann ein Trauermarsch mit anschließender Kranzniederlegung am Mahnkreuz und Luftopferfeld. Untermalt wurde das unter Beteiligung des Colonia Blasorchesters Hermann Knoop.

Der Weg bot Gelegenheit, der Solingerinnen und Solinger zu gedenken. Zahlreiche Gräber rechts und links des Weges tragen Namen und Daten aus den Weltkriegen. Mehr als 5000 Solinger verloren allein im Zweiten Weltkrieg ihr Leben. Die Überlebenden litten in den Jahren danach.

Hintergrund

Der Volkstrauertag wurde 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs vorgeschlagen. Der Volkstrauertag wurde erstmals am 1. März 1925 begangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg einigte man sich auf den vorletzten Sonntag vor dem Advent als Volkstrauertag.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare