Schnell-Selbsttest

Viele Schüler hatten noch keinen Corona-Test

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Dagmar Joseph (l.) und Mirjana Amtmann wollen die Tests an der Friedrich-Albert-Lange-Schule bereits am Montag nach den Ferien fortsetzen.

Das Test-Material traf vor den Ferien zu spät ein, um alle zu erreichen – nur wenige positive Befunde.

Solingen. Die Corona-Testungen für Schüler sind an den Schulen „holprig“ angelaufen, zieht Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) eine erste Bilanz. Weil das Material erst sehr spät in der letzten Woche vor den Ferien eingetroffen sei, habe man vor allem wegen des Wechselunterrichts nur noch etwa 5.000 der 14.000 Schüler der weiterführenden Schule erreicht. Dabei seien die Quoten von Schule zu Schule sehr unterschiedlich. Für die Zeit nach den Ferien hoffen sie und die Schulleiter auf Besserung.

Wegen der Osterferien sind die Schulen in dieser und der kommenden Woche geschlossen. Deshalb haben die Schulleitungen in den vergangenen anderthalb Wochen noch kurzfristig ihre Testreihen auf den Weg gebracht. Das Ziel war, die Schüler mit dem vom Land zur Verfügung gestellten Testmaterial zumindest einmal zu testen.

Gelungen ist dies allerdings nicht. An etwa zehn Schulen habe man gar nicht testen können. Von den Schülern, denen ein Angebot gemacht wurde, haben sich laut Becker etwa 63 Prozent testen lassen.

Wir wären froh, wenn die Schulen ihre Ergebnisse melden dürften.

Annette Heibges, Leiterin des Gesundheitsamtes
Annette Heibges hofft, auf neue Vorgaben des Landes.

Nach Angaben der Schuldezernentin gab es dabei nur sehr wenige positive Test-Ergebnisse. Die genauen Zahlen sind dem Gesundheitsamt allerdings nicht bekannt. Die Landesvorgabe sieht nicht vor, dass die Schulen mögliche positive Ergebnisse direkt an das Gesundheitsamt weitergeben. „Wir wären froh, wenn die Schulen ihre Ergebnisse melden dürften“, erklärt Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit. Auch Becker appelliert an alle Beteiligten, positive Tests schnell an das Gesundheitsamt zu melden. Mit dessen Hilfe könne dann schneller ein PCR-Test veranlasst werden.

Joachim Blümer hofft auf Impfungen für alle Lehrer.

Ende vergangener Woche wusste Heibges nur von einem infizierten Schüler, der bei den Schnell-Selbsttests herausgefiltert wurde. Eine Verbreitung der Infektionen in den Schulen selbst sieht sie deshalb bislang nicht. Die meisten positiven Schnelltests an verschiedenen Schulen hatten sich bei der Kontrolle durch einen PCR-Test, zu dem die Familien von den Schulen aufgefordert werden, dann doch als „Fehlalarm“ herausgestellt. Das war bei einem positiven Selbsttest am Humboldtgymnasium ebenso der Fall wie bei zwei Positiv-Tests an der Friedrich-Albert-Lange-Schule (Fals) und zwei Tests an der Geschwister-Scholl-Schule. „Wir erhalten nur die Meldungen der in den PCR-Tests bestätigten Infizierten, wissen aber nicht, ob dem ein positiver Selbsttest an einer Schule vorausgegangen ist“, kritisiert Dr. Annette Heibges die Abläufe.

Joachim Blümer, Leiter der Theodor-Heuss-Realschule, sieht darin auch eine unnötige Verzögerung des Verfahrens. „Bei Positiv-Tests würden wir die betroffenen Familien bitten, als Schule direkt mit dem Gesundheitsamt Kontakt aufnehmen zu dürfen“, erklärt er. Grundsätzlich sieht er die Durchführung der Schnelltests eher morgens in den Familien als zu Unterrichtsbeginn im Klassenraum. Auch Becker fordert von der Landesregierung, den Schulen auch ein solches Verfahren zu erlauben.

Dagmar Becker hofft, dass genügend Tests ankommen.

Darüber, wie es nach den Osterferien weitergeht, haben einige Schulen am Freitag die Familien schon in einem Elternbrief informiert. „Nach unseren Informationen soll der Schulbesuch von künftig zwei Selbsttests pro Woche für jeden Schüler abgesichert werden“, erklärt Dagmar Joseph, didaktische Leiterin an der Fals. Dort plant man die ersten Tests bereits am Montagmorgen nach den Ferien. Klar ist: Auch zukünftig sollen diese Schüler-Selbsttests freiwillig sein. Eltern, die das nicht möchten, können Widerspruch einlegen.

Dezernentin Becker fordert vom Land, den Schulen genügend Selbsttests zur Verfügung zu stellen. „Natürlich ist es vernünftig, viel zu testen, wenn man auch nach den Ferien die Schulen wieder auf lassen möchte“, erklärt auch Blümer. Unbedingt notwendig ist aus seiner und Beckers Sicht aber auch ein Impfangebot für die Lehrer der weiterführenden Schulen.

„Lollis“ an Schulen

Auch an den Grund- und Förderschulen will die Stadt nach den Ferien die „Lolli-Tests“ einführen, kündigt Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) an. Die werden bislang nur in Kindergärten angewendet. Becker hofft darauf, dass das Land künftig auch die Kosten der Lolli-Tests übernimmt.

Die wichtigsten Corona-Regeln in Solingen im Überblick.

In unserem Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

Standpunkt: Keine Angst vorm Test

Von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist die Verunsicherung groß. Dazu haben viele Faktoren beigetragen. Das Hin und Her zum Maske tragen ist ein Beispiel, ein anderes – und noch viel bedeutenderes – sind die wechselnden Nachrichten über die Nebenwirkungen bei den Impfstoffen. Zudem sind über die Corona-Schnelltests viele – oft nicht angebrachte – negative Informationen verbreitet. Dabei geraten die Vorteile, die das Impfen und Testen bieten, oft in den Hintergrund. Bei allen – zumeist sehr seltenen – Nebenwirkungen ist das Impfen der einzige Weg aus der Pandemie, der uns derzeit zur Verfügung steht. Bis genügend Menschen geimpft sind, ist das Testen eine wirksame Brückentechnologie, um Infektionen früher zu erkennen und der Pandemie damit ein Stück ihrer Dynamik zu nehmen. Vorbehalte gegenüber den Tests – oder gar Angst – sind nicht angebracht. Im Gegenteil: Sie schaffen Klarheit und geben uns etwas mehr Sicherheit – wenn jeder aus positiven Ergebnissen die richtigen Konsequenzen zieht: sich schnell einem PCR-Test unterzieht und Kontakte zu anderen Menschen meidet.

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