Stolpersteine

Viele Angehörige gedenken der NS-Opfer

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Paulo Feist-Canelas Da Silva und seine Söhne Tomas und David (v. r.) wohnten der Stolpersteinverlegung für ihre Familienangehörigen an der Katternberger Straße bei.

Zur Erinnerung an die jüdische Familie Feist wurden acht Gedenksteine verlegt.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Dass die vier Stolpersteine für Siegfried, Paul, Heide und Emilie Feist nicht auf Anhieb in die vorbereitete Lücke im Pflaster passten, tat der feierlichen Stimmung kaum Abbruch: Am Sonntagmorgen hatte der Unterstützerkreis Stolpersteine nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause eingeladen, insgesamt acht weitere Gedenk-Steine für Opfer des nationalsozialistischen Regimes zu verlegen.

Andreas Kratz vom Verein Aquaris – Wir in der Hasseldelle musste den Untergrund vor dem Haus Katternberger Straße 37 noch ein bisschen tiefer ausgraben, damit die vier goldfarbenen und mit den Namen der Vertriebenen versehenen Steine nicht zur Stolperfalle wurden. Paten, sprich Sponsoren, der neuen Stolpersteine waren Vertreter aus Politik, Organisationen, Initiativen und Gruppen, die sich für eine lebendig bleibende Erinnerungs- und Mahnkultur an ehemalige jüdischer Mitbürger in Solingen einsetzen, waren zum Festakt gekommen.

Ins Pflaster eingelassen wurden sie durch Andreas Kratz vom Verein Aquaris – Wir in der Hasseldelle. Vier weitere Steine wurden an der Kölner Straße verlegt. 

Viele Nachkommen der Brüder Siegfried und Alfred Feist hatten zum Teil weite Reisen auf sich genommen, um ihren Ahnen und Ur-Ahnen mit ihrer Anwesenheit die Ehre zu geben, darunter Renata Canelas da Silva, eine Enkelin von Alfred und Rosa Feist. Sie konnte, gemeinsam mit ihrem Sohn persönliche Geschichten über die Vertriebenen beisteuern, wie etwa die Erzählung, dass ihre Großmutter Maria Matilda Jahre auf den Heiratsantrag ihres deutschen Verehrers Heinz Feist warten musste, bis sie ihm endlich aus Portugal, wo sie ihn durch die Geschäftsbeziehungen der Firma Omega, kennengelernt hatte, nach Solingen folgen konnte. Hier allerdings währte das Glück nicht lange, schnell wurde die offene Diskriminierung von jüdischen Menschen immer unerträglicher.

Vier Steine liegen im Pflaster vor der Brache an der Kölner Straße

Elly Paran, die Enkelin von Siegfried Feist, konnte leider nicht selber aus den USA kommen, war aber per Handy-Videoschalte im Geschehen dabei. Siegfried Feist, zusammen mit seinen Brüdern Inhaber der Stahlwarenfirma Josef Feist (Omega-Werk), war der letzte Vorsitzende der Solinger Synagogengemeinde, bevor diese zwangsweise aufgelöst wurde. Das Familienunternehmen wurde „arisiert“, wie es in der Sprache des Nationalsozialismus hieß, die Brüder weitgehend enteignet, bevor sie aus Deutschland fliehen konnten.

Die Steine für Siegfried Feist und seine Familie wurden vor dem Haus Katternberger Straße 37 in den Gehsteig eingefügt, seinem letzten Wohnsitz vor der Flucht. Die vier Steine für Alfred und seine vertriebene Familie fanden ihren Platz auf dem Bürgersteig vor dem Brachgelände an der Kölner Straße 18, wo die ehemalige Familienfirma, Omega, ihre Bleibe hatte. Während es Alfred Feist und seiner Familie gelang in Portugal, dem Herkunftsland von Schwiegertochter Maria Mathilda, eine neue Heimat zu finden, schafften es Siegfried Feist und seine Frau Emilie nur bis Antwerpen, wo Siegfried Feist 1943 verstarb. Erst nach dem Krieg konnte Emilie Feist zu ihrem Sohn Paul in die USA emigrieren.

Daniela Tobias, Vorsitzende des Vereins Max-Leven-Zentrum und federführend im Unterstützerkreis Stolpersteine aktiv, hatte viele geschichtliche Daten zur Stolpersteinverlegung vorbereitet: Die Brüder Siegfried, Alfred und Julius Feist führten die in den 1870er Jahren gegründete Stahlwarenfirma ihres Vaters Joseph Feist am Dickenbusch fort. Vom Handel mit Klempnerbedarf hatte sich das Geschäftsfeld mit der Zeit auf die Produktion und den Handel von Schneidwaren verlagert. Die Firma exportierte nicht nur in europäische Länder, sondern auch nach Nord- und Südamerika.

Stolpersteine

Anwesend bei der Stolpersteinverlegung war auch Franz Haug, ehemaliger Solinger OB. Er hatte 2004 dafür gesorgt, dass die ersten Gedenksteine in Solingen verlegt wurden: an der Klemens- Horn-Straße für Samuel, Margarethe und Heinz Debusmann.

Informationen zur aktuellen Stolpersteinverlegung zur Erinnerung an die jüdische Familie Feist gibt es hier.

Lesen Sie auch: Fensterrose macht jüdisches Leben wieder sichtbar in Solingen

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