Hochwasserschutz

Viehbachsammler: Millionenprojekt liegt im Zeitplan

Demnächst wird an einer anderen Stelle weitergebohrt. Das dient auch dem Schutz vor Hochwasser.

Von Björn Boch

An einem weiteren Bauabschnitt des Viehbachsammlers sind am Freitag die Arbeiten abgeschlossen worden. Nahe der Straße Schwarze Pfähle wurde die Vortriebsmaschine aus einer knapp 15 Meter tiefen Baugrube geborgen und auf einen Schwertransporter verladen. Sie hatte sich zuvor unterirdisch monatelang über 1,4 Kilometer vom Kyllmannsweg (nahe Industriemuseum) ferngesteuert zu den Schwarzen Pfählen gearbeitet.

Eine weitere Etappe zum neuen Viehbachsammler ist abgeschlossen: Am Freitagmittag wird nahe Schwarze Pfähle eine Vortriebsmaschine geborgen und verladen.

Der Viehbachsammler ist eines der größten Bauprojekte in der Stadt und kostet rund 18 Millionen Euro. Er wird 4,5 Kilometer lang sein und aus dem Einzugsgebiet Ohligs sowie Teilen von Höhscheid und Wald Regen- und Schmutzwasser aufnehmen. Das wird zum zentralen „Regenwasserentlastungsbauwerk“ am Ende des Kanals und dann zur Kläranlage Ohligs geleitet.

Wir arbeiten in Rekordzeit und ohne Komplikationen.

Wulf Riedel, Technische Betriebe
Stefan Grotzki (v. l.), Martin Wegner und Wulf Riedel von den TBS (Technische Betriebe Solingen) erläuterten das Projekt vor Ort.

Die Vortriebsmaschine mit einem Durchmesser von 2,5 Metern und einem Gewicht von rund 55 Tonnen wird nun instandgesetzt und zur Grube in der Nähe des Kyllmannwegs zurückgebracht. Von dort wird dann in Richtung Untengönrath gearbeitet, Start soll in etwa sechs Wochen sein. Die Arbeiten sind bis Ende des Jahres geplant, dann werden die Vortriebsarbeiten abgeschlossen sein und weitere Kanäle angeschlossen.

Verantwortlich für das Projekt sind die Technischen Betriebe Solingen (TBS), die Pläne entstanden mit dem Bergisch-Rheinischen-Wasserverband (BRW). Erste Planungen begannen bereits 2002. Das Projekt liegt sowohl im Zeitplan als auch im Kostenrahmen, berichten Wulf Riedel (Teilbetriebsleiter Tiefbau und Verkehr) und Stefan Grotzki (Spezialtiefbau) von den TBS. Riedel: „Wir arbeiten in Rekordzeit und ohne Komplikationen.“

In direkter Nähe zur Baugrube liegt eines von neun Rückhaltebecken, die künftig nicht mehr gebraucht und daher renaturiert werden.

Der Technische Betriebsleiter Martin Wegner betonte, dass es nicht nur eines der größten Bauprojekte sei – „sondern auch ein großes ökologisches Projekt“. Zum einen gelange belastetes Abwasser nicht mehr in Gewässer, zum anderen würden Pflanzen und Tiere in Gewässernähe geschont. Weil Abwasser im neuen Staukanal zwischengespeichert werden kann, bis es nach dem Regen der Kläranlage Ohligs zugeführt wird, gebe es keine Einleitungen aus der Kanalisation in den Viehbach oberhalb des Hochwasserrückhaltebeckens mehr. Neben Regen- und Schmutzwasser wird Oberflächenwasser von der Viehbachtalstraße gesammelt.

Wegner: „Außerdem können wir neun große Rückhaltebecken stilllegen.“ Diese hätten sonst saniert oder neu gebaut werden müssen, was zusätzliche Flächenversiegelung bedeutet hätte, ergänzt Riedel. Der Sammler leiste auch einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz, so die Stadt.

Die Vortriebsmaschine wird nun gewartet und arbeitet sich danach in Richtung Untengönrath. Start soll in etwa sechs Wochen sein.

Kompliziert waren bereits die Vorbereitungen, erklärt Stefan Grotzki. So hätten mit jedem Grundstückseigentümer Verträge geschlossen werden müssen. Bewusst verlaufe die Trasse entlang der Straße, was die Natur schone, aber zu „komplizierten Situationen “ führe, etwa rund um die Pfeiler von Brücken.

Kompliziert sind auch die Arbeiten selbst, berichtet Stefan Fechte von der Firma Epping Rohrvortrieb aus Bocholt – sie führt neben der Kramer Gruppe aus Dortmund und der Solinger Firma G + O Müller die Arbeiten aus. Die Vortriebsmaschine koste rund 1,2 Millionen Euro und sei „vollgestopft mit Technik“.

Die rund 15 Meter tiefe Baugrube mit zwei gut sichtbaren Kanälen. In die Grube werden nun unter anderem Wartungsschächte gebaut.

Ein Schneidrad frisst sich durch den Fels, während das Kanalrohr nachgeschoben wird. Es wird ein Gemisch aus Boden, Wasser und Betonit herausgespült, das wieder in seine Bestandteile zerlegt werden muss. Die großen – dafür notwendigen – siloartigen Konstruktionen sind zum Beispiel auf der Viehbachtalstraße zu sehen, auf der deshalb der Verkehr aktuell über jeweils nur eine Spur fließt.

Etwa zehn Meter am Tag schafft die Vortriebsmaschine – und arbeitet sich von Grube zu Grube vor. Etwa zehn offene Gruben gibt es derzeit in der Stadt, sieben davon allein für den Viehbachsammler. Klaus Lenfort von der Kramer Gruppe spricht zwar von Lieferengpässen bei Stahlbeton und wenig Planbarkeit angesichts von „tagesaktuellen Bestellungen und Preisen“.

Das habe aber bislang weder zu Verzögerungen noch zu großen Kostensteigerungen geführt – auch wenn diese „natürlich an uns weitergereicht werden“, erklärt Wulf Riedel. Die Gruben werden nicht zugeschüttet, sondern mit Abstützbauwerken und Abwassertechnik ausgerüstet. Außerdem entstehen dort Wartungsschächte.

Großprojekte

Ittertal: Neben dem Viehbachsammler investieren die Technischen Betriebe Solingen (TBS) und der Bergisch-Rheinische Wasserverband (BRW) rund 31,5 Millionen Euro in den Stauraumkanal Ittertal und den Sammler Bavert. Hier kam es voriges Jahr zu einem Zwischenfall. Bei Abschlussarbeiten nach dem Rohrvortrieb floss ein Teil einer Zementsuspension in den Baverter Bach.

Weitere Arbeiten: Millionen werden auch in den Stauraumkanal Tunnelstraße sowie den Sammler Untenitter investiert.

Dazu auch: Vieh-Radweg wird heftig diskutiert

Rubriklistenbild: © Christian Beier

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