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Verschiebung der Baupläne trifft Schulen hart

Michael Becker ist neuer Sprecher des Schulleitersprecherrates.
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Michael Becker ist neuer Sprecher des Schulleitersprecherrates.

Einige Einrichtungen platzen schon aus allen Nähten.

Von Anja Kriskofski und Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die Stadt Solingen muss bei den Investitionen in ihre Schulen abspecken. Zwar sollen rund 80 Millionen Euro mehr ausgegeben werden, davon profitieren jedoch weniger Schulen als ursprünglich geplant – das ST berichtete. Die Solinger Schulleiterinnen und Schulleiter waren am Dienstagmorgen die ersten, die über die geänderte Schulentwicklungsplanung informiert wurden. Die Frage, nach welchen Kriterien die Entscheidungen getroffen wurde, Maßnahmen an Schulen zurückzustellen, möchte Michael Becker, Leiter des Technischen Berufskollegs und neuer Sprecher des Schulleitersprecherrates, noch im Gespräch klären.

Dass nicht mehr alles finanzierbar sei, sei aber transparent dargestellt. Das größte Problem sei, dass 2026 Raum für fünf Klassen fehlt, wenn der jetzt starke erste Jahrgang in die Sekundarstufe I wechselt. „Dort ist die Zügigkeit ausgeschöpft. Wir haben keine Stühle mehr.“

Der Schulleitersprecherrat erwarte zudem, dass man in Solingen auf Projekte schaue, die keine Pflichtaufgabe der Stadt sind und die für die Versorgung mit Schulplätzen hinten anstehen könnten. „Ein weiteres Problem ist, dass das Land die Kommune für die Schulaufgaben nicht ausreichend unterstützt“, so Stadtdirektorin Dagmar Becker (Grüne).

Betroffen ist unter anderem die Albert-Schweitzer-Realschule. Eine neue Turnhalle sollte bis 2024 gebaut werden, bis 2026 dann der Pavillon aus den 50er Jahren abgerissen und dafür ein Teilneubau errichtet werden. Das alles ist ebenso wie die notwendige energetische Sanierung erstmal verschoben. „Wir wissen nicht, wann die Pläne wieder aufgenommen werden. Aber die Erweiterung etwa ist dringend nötig, wir platzen aus allen Nähten“, so Schulleiter Hans-Martin Rahe.

Das gilt auch für die Grundschule Aufderhöhe, deren Pläne für einen Umbau ebenfalls auf Eis gelegt wurden. „Natürlich ist die Enttäuschung groß, jetzt müssen wir erstmal Plan B entwickeln“, so Schulleiterin Claudia Tüttö-Heinrichs.

Die Entscheidung der Stadt sei hart für die betroffenen Schulen, so Jens Merten, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung Solingen. „Die Politik steht nun in der Verantwortung, sinnvolle und zukunftsfähige Lösungen für Solingen zu finden.“

„Wir haben einfach keine Stühle mehr.“

Michael Becker, Schulleitersprecherrat, zur Raumnot an Schulen

Am Dienstagnachmittag hatte Stadtdirektorin Becker zusammen mit den zuständigen Abteilungsleitern die Pläne im Schulausschuss vorgestellt. Es sei ein Tag der bitteren Nachrichten, kommentierte der schulpolitische Sprecher der CDU, Torsten Küster. „Ich bin jedoch froh, dass wenigstens die Erika-Rothstein-Schule berücksichtigt wurde.“ Die Förderschulen tauchten im Maßnahmenkatalog von 2019 gar nicht auf. Die Erika-Rothstein-Schule ist auf drei Stadtteile verteilt, soll an einem oder zwei Standorten konzentriert werden.

Nicht schlüssig sei, warum die Stadtverwaltung Dependancen von Schulen abschaffen wolle, sagte Hartmut Ober (SPD): „Eltern sind in der Regel glücklich, wenn ihre Kinder auf eine geringzügige Schule gehen können.“ Das Pendeln zwischen zwei Schulgebäuden bedeute eine hohen Zeitaufwand für die Lehrkräfte, antwortete Oliver Vogt, Leiter der Schulverwaltung. Für die Ganztagsbetreuung müssten zudem die Kinder von einem zum anderen Gebäude gefahren werden.

„Immerhin werden 379 Millionen Euro in die Schulen investiert“, sagte Iris Preuß-Buchholz, schulpolitische Sprecherin der SPD. „Aber natürlich ist klar, dass wir alle Maßnahmen brauchen und zwar möglichst bald.“ Unter anderem zwei zusätzliche Züge an der Gesamtschule Höhscheid, die vorerst nicht kommen. Das dafür vorgesehene Gebäude Fritz-Reuter-Straße werde noch von der Erika-Rothstein-Schule belegt, erläuterte Vogt. Da manche weiterführende Schulen nicht mit der vollen Zügigkeit fahren, müsse nun versucht werden, diese besser auszulasten.

Deutliche Kritik kam von Dr. Heike Krämer (Linke). „Ist es unter diesen Aspekten realistisch, eine BHC-Arena zu planen? Dieses Geld würde dringend für Bildung gebraucht.“ Die Diskussion müsse geführt werden. Transparenz mahnte auch Daniel Schirm (FDP) an. „Warum wurden Schulen vorgezogen, andere zurückgestellt?“

Das zu erklären, sei wichtig, sagte Sabine Riffi, Mitglied im Sprecherrat der Schulen und eine der Grundschul-Sprecherinnen. Einige Maßnahmen seien bereits so weit in der Planung fortgeschritten, dass man sie nicht mehr habe herausnehmen können, so Vogt.

Standpunkt von Simone Theyßen-Speich: Die Decke ist zu kurz

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Wenn die Decke insgesamt zu kurz ist, dann kann man an allen Enden und Ecken ziehen – irgendjemand hat immer kalte Füße. Dass der gute Plan der Stadt, zig Millionen in die Solinger Schulen zu investieren, von der Kostenexplosion jetzt so eiskalt erwischt wird, ist fatal. Auf die geplanten 300 Millionen werden noch mal 79 Millionen draufgelegt – und es reicht trotzdem nicht für alle.

Bei allem Erschrecken über die Situation muss jetzt mit kühlem Kopf überlegt werden, um wenigstens das Nötigste zu finanzieren. Und vielleicht auch, wie man bei der einen oder anderen Ausführung noch Abstriche machen kann. Hilfreich ist da der gute Verbund der Solinger Schulen, der in der Vergangenheit (fast) immer an einem Strang gezogen hat. Legitim ist die Forderung des Schulleitersprecherrates, nicht nur den Schuletat im Blick zu haben, sondern auch andere städtische Projekte und deren Kosten kritisch zu hinterfragen. Plätze für Kinder in Schulen sind kein diskutierbarer Luxus. 

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