Arbeit und Wohnen

Wohin pendeln die meisten Solinger?

Pendler von und nach Solingen.
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Pendler von und nach Solingen.

35.141 Solinger arbeiten außerhalb Solingens. Vielen von ihnen setzen Staus und Baustellen zu. A3, A46 und Öffentlicher Nahverkehr machen Ärger. Was die Zahlen für Solingen bedeuten.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Solingen zu verlassen, um zur Arbeit zu fahren – für 35.141 Menschen in der Stadt ist das Alltag. Im Gegenzug zieht es 24.954 Personen aus dem Umland zu ihrem Job auf Solinger Stadtgebiet. Zu diesem Ergebnis kommt der Landesbetrieb Information und Technik in seiner Pendlerrechnung. Die Statistik zeigt, wie wichtig eine gute Anbindung für die Stadt ist. Doch da hapert es.

„Die Verkehrsinfrastruktur ist längst an ihren Kapazitätsgrenzen angekommen, teilweise werden diese auch regelmäßig überschritten“, erklärt Thomas Wängler. Er ist der für Standortpolitik, Verkehr und Öffentlichkeitsarbeit zuständige Geschäftsführer der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Situation für Berufspendler sei schwierig, der Weg zum Job zeitraubend.

Ergebnis der Statistik: Wohin pendeln die Solinger?

Mit 6021 zieht es die meisten Solinger zur Arbeit nach Düsseldorf. Dahinter folgt Wuppertal mit 5112 Pendlern. Die A 46 verbindet die Klingenstadt mit beiden Orten – und zählte im vergangenen Jahr laut ADAC zu den Autobahn-Abschnitten mit den meisten Staukilometern. Noch weiter oben in der Statistik steht die A 3 zwischen Oberhausen und Köln. Auch das trifft die Solinger: 2711 machen sich regelmäßig auf den Weg, um in der Domstadt zu arbeiten.

Trotz der hohen Belastung hält die Kammer einen achtstreifige Ausbau der A 3 für verzichtbar, sofern der Standstreifen zwischen Opladen und Hilden ertüchtigt und bei hohem Verkehrsaufkommen freigegeben wird. Dieser Schritt würde vor allem Pendler entlasten.

ÖPNV muss verbessert werden

Auf eine Verbesserung der Situation hoffen ebenfalls viele Schienenpendler. Vor allem die S-Bahn-Linien 1 in Richtung Düsseldorf und 7 nach Remscheid und Wuppertal bereiten immer wieder Probleme. Baustellen und Personalmangel verursachen regelmäßig Verspätungen und Ausfälle.

Thomas Wängler fordert Investitionen in den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Um das Angebot auszubauen, sei Geld nötig. „Finanzieren können das nur Bund und Land“, betont der IHK-Geschäftsführer. Kommunen und Stadtwerke verfügten nicht über die finanziellen Mittel.

Derzeit, attestiert Wängler, geschehe das Gegenteil: Leistungen werden abgebaut. Das hänge einerseits mit fehlender Finanzierung zusammen. Andererseits sei der Fachkräftemangel bei Busfahrern und Lokführern nicht kurzfristig zu kompensieren. „Dieser Negativtrend muss umgekehrt werden“, betont er.

Dem stimmt Frank Balkenhol zu. Es wäre im Sinne der Stadt, würden mehr Pendler den ÖPNV anstelle des eigenen Autos nutzen. „Dafür braucht es aber ein gutes Angebot“, sagt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung.

Auspendler aus SolingenEinpendler nach Solingen
202135.14124.954
202034.48323.985

Pendler: So sieht es in anderen Städten aus

Grundsätzlich sieht es die IHK weder als Vor- noch als Nachteil an, dass Solingen den deutlichsten Auspendler-Überschuss in der Region aufweist. In der Klingenstadt liegt er bei rund 10.500, Wuppertal kommt auf knapp 2000. Remscheid hat dagegen ein positives Saldo: 22.383 Menschen verlassen die Stadt zum Arbeiten, 25.634 pendeln ein. Trotzdem habe sich der Wirtschaftsstandort Solingen positiv entwickelt, betont Thomas Wängler. Die Kommune punkte mit vergleichsweise niedrigen Mieten, liege attraktiv und verfüge über ein gutes Bildungsangebot. Das mache die Stadt als Wohnstandort interessant.

Pendlersaldo
Solingen- 10.187
Wuppertal- 2000
Remscheid+ 3251

Nichtsdestotrotz sei es wichtig, für Unternehmen attraktiv zu bleiben. Das fällt in den Aufgabenbereich der Wirtschaftsförderung. Deren Geschäftsführer Frank Balkenhol bestätigt, dass es seiner Einschätzung nach viele Beschäftigte genießen, mit Solingen einen attraktiven und recht günstigen Lebensmittelpunkt zu haben.

In den größeren Städten im Umfeld gehen sie Jobs nach, die in der Klingenstadt nur begrenzt zur Verfügung stehen. Für die Kommune sei das nicht zwangsläufig schlecht: „Diese Menschen leben und konsumieren hier.“

Dennoch betont der Wirtschaftsförderer: „Wir haben ein Interesse daran, dass sich die Situation verändert.“ Gelingen könne das kurzfristig über Co-Working-Angebote wie Ebbtron an der Dunkelnberger Straße und Orangery an der Prinzenstraße. Wer für Firmen in Köln oder Düsseldorf tätig sei, müsse Solingen in vielen Fällen nicht mehr verlassen, könne zumindest tagweise von hier aus arbeiten.

Langfristig sei der Anspruch, neue Arbeitsplätze zu schaffen, damit weniger Menschen pendeln müssen. In Ohligs-Ost sollen etwa Dienstleistungen aus dem IT-Bereich Platz finden. An dem für diese Entwicklungen notwendigen Ökosystem arbeitet die Wirtschaftsförderung derzeit.

Pendelrechnung

Der Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen legt seine Pendlerrechnung jährlich vor. Im Vergleich zu 2020 haben sich die Solinger Zahlen im vergangenen Jahr kaum verändert: Seinerzeit wiesen die Statistiker 34 483 Aus- und 23 985 Einpendler aus. Das entspricht einem Saldo von 10.498. Zum Vergleich: 2021 lag es bei 10.547.

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