Arbeitsgericht

Vergleich: St. Lukas Klinik und Direktor trennen sich

Johannes Wecker begann 2015 bei der St. Lukas Klinik. Archivfoto: up
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Johannes Wecker begann 2015 bei der St. Lukas Klinik.

Thema vor Gericht waren fehlerhafte Abrechnungen – fristlose Kündigungen sind unwirksam.

Von Björn Boch

Solingen. Der Direktor der St. Lukas Klinik, Johannes Wecker, und das Ohligser Krankenhaus gehen getrennte Wege. Vor dem Solinger Arbeitsgericht endete der Prozess am Mittwoch mit einem Vergleich. Wecker hatte sich gegen mehrere fristlose Kündigungen gewehrt und auf Weiterbeschäftigung geklagt. Die St. Lukas Klinik (Kplus Gruppe) hatte die Kündigungen mit einem Verlust des Vertrauens begründet. Diese Kündigungen sah die Vorsitzende am Arbeitsgericht nicht als gerechtfertigt an. „Es gibt kein Fehlverhalten des Klägers“, stellte sie fest.

Solingen: Kein Fehlverhalten des Klägers

Was war geschehen? Wecker hatte in seiner Funktion als Direktor Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen eines Professors entdeckt und wollte dem nachgehen. Demnach seien Leistungen abgerechnet worden, obwohl der Professor nicht im Haus gewesen sei.

Wie diese Abrechnungen zustande kamen, war nicht Thema vor Gericht. „Es geht nicht darum, ob es sich um einen Irrtum oder ein System handelt. Es geht darum, dass der Kläger etwas prüfen wollte, was er prüfen musste, seine Vorgesetzten aber nicht mitgearbeitet haben“, erklärte die Richterin.

Wecker hatte sich seinerzeit an seine direkten Vorgesetzten gewandt, die die Vorwürfe aber als unbegründet ansahen. Da Weckers Zweifel nicht ausgeräumt waren, wandte er sich in einem nächsten Schritt an den Aufsichtsrat. Dies werteten seine Chefs als Vertrauensverlust und sprachen die fristlose Kündigung aus, auf die noch eine weitere fristlose folgte.

Dass es falsche Abrechnungen gegeben hat, ist aus Sicht des Gerichts für mindestens zwei Tage im Mai 2019 bewiesen. „Der Kläger hat Argumente vorgebracht, warum er nicht glauben konnte, dass alles in Ordnung gewesen ist“, erklärte die Richterin, die den Gang zum Aufsichtsrat daher nicht als Kündigungsgrund anerkannte. Wecker sagte vor Gericht: „Ich habe mich strafrechtlich beraten lassen. Für Betrug wäre ich 10 Jahre, für Schäden am Patienten 30 Jahre haftbar gewesen.“ Das habe er nicht so stehenlassen können.

Solingen: Betriebsbedingten Kündigung gilt

Dass Johannes Wecker trotzdem gehen muss, liegt vor allem an einer weiteren, diesmal betriebsbedingten Kündigung. Darin teilte die St. Lukas Klinik Wecker mit, dass durch Neustrukturierung sein Job wegfalle. Die Führungsstruktur innerhalb der Kplus Gruppe und ihrer Einrichtungen werde verändert, die Standorte Solingen, Haan und Hilden enger zusammengeführt.

Ob diese Kündigung rechtens ist, musste das Gericht nicht mehr entscheiden. Wecker und die Lukas Klinik einigten sich auf einen Vergleich. Wecker bleibt bis Ende des Jahres, wird aber mit Gehalt und Boni freigestellt und akzeptiert die betriebsbedingte Kündigung. Die Lukas Klinik nimmt die fristlosen Kündigungen zurück, erhält alle damit verbundenen Vorwürfe nicht länger aufrecht und hebt auch ein Hausverbot auf, das damals mit der Kündigung ausgesprochen worden war.

Das war Kläger Johannes Wecker wichtig, er fürchtete um seine Reputation, die Richterin zeigte dafür Verständnis: „Er hat vier Jahre unbeanstandet gearbeitet und wird dann vom Hof gejagt.“ Das werde nun aus der Welt geschaffen.

Beide Parteien können gegen den Vergleich binnen 14 Tagen Widerruf einlegen.

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