40 Jahre

Verein hilft Menschen mit Autismus seit 1981

Dorothee Daun ist eine der Gründerinnen des Vereins Autismus Rhein-Wupper – mit Sitz in Solingen – und Vorsitzende seit der ersten Stunde. Foto: Michael Schütz
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Dorothee Daun ist eine der Gründerinnen des Vereins Autismus Rhein-Wupper – mit Sitz in Solingen – und Vorsitzende seit der ersten Stunde.

Angebot reicht von Therapien bis zum Wohnheim.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Mit neun Gründungsmitgliedern haben sie 1981 angefangen. Heute betreibt der Verein Autismus Rhein-Wupper mit Sitz in Solingen Therapiezentren in mehreren Städten, ein Wohnheim und Wohnungen für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen. Für die Betroffenen habe sich vieles verbessert, sagt Dorothee Daun, eine der Vereinsgründerinnen und Vorsitzende von der ersten Stunde an. „Aber es ist noch Luft nach oben.“ Am Freitag feiert der Verein sein 40-jähriges Bestehen.

Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die in unterschiedlicher Ausprägung auftritt. „Wahrnehmung und Denkstrukturen sind anders gestaltet“, erklärt Dorothee Daun. Das auffällige Verhalten entwickele sich sukzessive. Bei ihrem Sohn Nik habe sich im Alter von fünf Jahren der Eindruck verfestigt, dass etwas nicht stimmte. Das mittlere von drei Kindern sei extrem unruhig gewesen, habe Schlafstörungen gehabt und immer wieder ausgeprägte Wutanfälle. „Er hat seine ältere Schwester gebissen, hatte Ordnungszwänge. Wenn etwas nicht nach der Ordnung lief, die er sich vorstellte, hat er Dinge aus dem Fenster geworfen.“ Ihr Sohn habe Kleidung zerrissen, weil er Knöpfe oder Reißverschlüsse nicht ertrug. „Anderen betroffenen Eltern erging es ähnlich.“

Autismus sei Anfang der 80er Jahre wenig bekannt gewesen. „Wir selbst sind auch lange von Arzt zu Arzt gelaufen.“ Um ambulante Therapien zu organisieren, taten sich die Dauns mit sieben anderen Familien zusammen. Über den neuen Verein erhielten die Familien Hilfe von Therapeutinnen, die mit den Kindern im vertrauten Umfeld arbeiteten. „Das ist auch heute noch überwiegend so. Denn es ist vor allem wichtig, das Leben zuhause zu gestalten.“ Für die Eltern sei zudem der Austausch untereinander wichtig gewesen. „Bei unseren wöchentlichen Treffen konnten wir uns auch mal ausheulen, aber ebenso über skurrile Situationen lachen, die man mit einem autistischen Kind erlebt.“

Nachholbedarf sieht die Vorsitzende in den Schulen

Schritt für Schritt wurden die Angebote erweitert. Heute gibt es Therapiezentren – Autismus-Treffpunkte genannt – in sechs Städten. Im Wohnheim in Velbert leben erwachsene Autisten, die betreut werden. Im Wohnverbund wiederum werden Betroffene dabei unterstützt, allein zu leben. Eine weitere Gesellschaft hilft bei der Eingliederung ins Berufsleben. In Solingen ist das Autismus-Therapiezentrum an der Weyerstraße 245 untergebracht. Dort finden neben Therapiesitzungen auch Sozialtrainings und Elterngesprächsgruppen statt.

Ihre Aufgabe sehe sie heute vor allem darin, die Interessen von Menschen mit Autismus zu vertreten, sagt Dorothee Daun. Die 74-Jährige engagiert sich auch im Autismus Landesverband NRW, den sie mitgegründet hat.

Eine bessere Diagnostik, ein Netz von Therapiezentren und mehr Entlastung für Familien: Für Menschen mit Autismus habe sich viel getan, sagt Daun. Nachholbedarf sieht sie vor allem im schulischen Bereich. „Viele autistische Kinder sind auf einer Förderschule: da, wo es am ehesten passt.“ Für Autisten, die nicht kognitiv beeinträchtigt seien, sei es wiederum Glückssache, ob eine Regelschule bereit sei, sie aufzunehmen, kritisiert sie. Schulen, die dabei Probleme hätten, biete der Verein seine Hilfe an. Schwierig sei oft auch das Arbeitsleben. „Es gibt hochintelligente Menschen mit Autismus, die nicht den passenden Beruf finden. Ihnen müssen wir ebenso gerecht werden.“

Die Verein

Struktur: Autismus Rhein-Wupper betreibt vier gemeinnützige GmbHs: das Therapiezentrum, den Wohnverbund, das Wohnheim Haus Burberg sowie die Gesellschaft autark für die Unterstützung im Arbeitsleben.

Feier: Zum 40. Geburtstag gibt es am Freitag, 22. Oktober, einen Vortrag von Prof. Dr. Georg Theunissen über das Leben mit Autismus. Zudem wird der Jubiläumsfilm vorgestellt.

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