Integration

Verein hilft gehörlosen Ukraine-Flüchtlingen

Viele gehörlose Flüchtlinge aus der Ukraine kamen zum Tag der Integration ins Gemeindehaus St. Joseph.
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Viele gehörlose Flüchtlinge aus der Ukraine kamen zum Tag der Integration ins Gemeindehaus St. Joseph.

Wo kann ich Deutsch lernen? Welche Formulare benötigen die Behörden? Antworten gab es beim Tag der Integration.

Von Moritz Berger

Solingen. Vor dem Gemeindehaus von St. Joseph ist an diesem Samstagnachmittag nichts zu hören. Nur ein paar Sonnenstrahlen fallen durch die geöffneten Fenster in den großen Saal. Dabei herrscht drinnen ein geschäftiges Treiben, etwa 100 Menschen haben an den langen Tafeln Platz genommen. Bei Kaffee und Kuchen kommunizieren sie miteinander, sehr viel sogar. Nur was, das kann man nicht hören. Denn die meisten von ihnen sind gehörlos, manche schwerhörig – und alle sind vor dem Krieg aus der Ukraine geflohen.

Nun sitzen sie im Gemeindesaal an der Hackhauser Straße – zum Tag der Integration. Diesen hatten der Caritasverband Wuppertal-Solingen zusammen mit der Aktion Mensch und dem Verein Kraft der Stille, für gehörlose Menschen mit Migrationshintergrund, einberufen und organisiert. „Uns ging es darum zu zeigen und zu erklären, wie gehörloses Leben in Deutschland aussieht“, erläutert Julija Mangione vom Caritasverband.

Es gibt keine international einheitliche Gebärdensprache.

Julija Mangione, Caritasverband

Schließlich stellen sich die Geflüchteten unzählige Fragen. Wo kann ich Deutsch lernen? Welche Formulare benötigen die Behörden von mir? Aber auch Fragen, die gesellschaftliche Teilhabe betreffen: Wie fahre ich mit dem ÖPNV? Wo kann ich Sport machen? Dabei handelt es sich um Fragen, wie sie für viele relevant sein könnten, die nach Deutschland kommen. Für gehörlose Menschen ist die Sache aber noch komplizierter, vor allem was die Sprache betrifft. „Es gibt keine international einheitliche Gebärdensprache“, erklärt Mangione, „denn in jedem Land werden andere Gesten benutzt, um etwas Bestimmtes auszudrücken“.

Dementsprechend müssen die Geflüchteten nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch noch deutsche Gebärden lernen. Dennoch engagieren sich die Menschen, viele „bemühen sich sehr, die Sprache zu lernen und hier ein neues Leben anzufangen“, berichtet Galina Rubenstein vom Verein Kraft der Stille.

In verschiedenen Vorträgen werden an diesem Nachmittag Informationen vermittelt, zu allgemeinen Besonderheiten im Leben von Gehörlosen hierzulande, aber auch zu Intergrations- und Deutschkursen sowie kulturellen und sportlichen Angeboten. Mit der Darbietung eins Gehörlosen-Tanzes zu einem ukrainischen Liebeslied wurde die Veranstaltung eröffnet, auch um zu verdeutlichen, wie vielfältig das Leben dieser Menschen sein kann. Meist sei nur ein Familienmitglied an diesem Tag vor Ort gewesen, sonst hätte dies den Rahmen gesprengt, so Julija Mangione. Stattdessen sollen die Informationen der ersten Veranstaltung dieser Art in der Familie weitererzählt werden.

So wurde der Verein zur Anlaufstelle für Flüchtlinge ohne Gehör

Möglicherweise sogar in ganz Nordrhein-Westfalen, denn viele der Geflüchteten sind aus Wuppertal, aber auch aus Köln, Düsseldorf oder Münster angereist, berichtet Galina Rubenstein. Zu Beginn des russischen Angriffskrieges habe die Vorsitzende von Kraft der Stille, Iryna Brodkina, einen Facebook-Post mit der Botschaft abgesetzt, dass sie ukrainische Gebärden beherrsche. „Damit wurde unser Verein in Wuppertal zur Anlaufstelle für die Flüchtlinge ohne Gehör“, so Rubenstein weiter.

Dafür hat der Verein allerdings kaum die Kapazitäten, wie sich an diesem Nachmittag nachvollziehen lässt. Für eine Übersetzung von deutscher in ukrainische Gebärdensprache benötigt man bis zu zwei weitere Personen. Zudem sei es schwierig, die entsprechenden Dozenten zu finden. Ein erster Deutschkurs in Gebärdensprache wurde inzwischen in Wuppertal eingerichtet.

Für geflüchtete Ukrainer wie Dmytro Bulakh ist es sehr wichtig, die deutsche Sprache zu beherrschen. „Ich bin sehr dankbar für die Hilfe hier. Gerade die vielen Informationen sind sehr nützlich“.

Lesen Sie auch: Vier Häuser für Geflüchtete: Initiative sorgt für Wohnraum

Hintergrund

Tag der Integration: Er wurde gemeinsam vom Caritasverband Wuppertal-Solingen, der Aktion Mensch und dem Verein Kraft der Stille organisiert.

Kraft der Stille: Der Verein mit etwa 500 Mitgliedern setzt sich hierzulande für gehörlose Menschen mit Migrationshintergrund ein. Ursprünglich wurden Theaterstücke mit Gehörlosen für Gehörlose inszeniert, daraus entwickelte sich der Verein. Bei dieser Arbeit sei schnell deutlich geworden, dass sich Texte nicht Wort für Wort in Gebärdensprache übersetzen lassen, erklärt Galina Rubenstein. Dafür entwickelten Gehörlose ein besonders sensibles Textverständnis.

Weitere Infos gibt es unter: www.kraft-der-stille.com

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