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Hospiztag: Verein begleitete 180 Sterbende in den Tod

Harald Bannies (v. l.), Kathrine Gottwald, Cordula Scheffels und Schirmherr Stefan M. Kob sprachen beim Hospiztag.
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Harald Bannies (v. l.), Kathrine Gottwald, Cordula Scheffels und Schirmherr Stefan M. Kob sprachen beim Hospiztag.

In der voll besetzten Kirche an der Wittenbergstraße fand der 28. PhoS-Hospiztag statt.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Das Wesentliche, was man bei der Hospizarbeit in der langen Zeit der zurückliegenden Krisen gelernt habe: „Im Miteinander, im Austausch und Zusammenhalt aller Mitarbeiter ist Erstaunliches zu schaffen – so gelang es uns in den letzten beiden Jahren, fast 180 Menschen in Sterbeprozessen zu begleiten. Bei jedem Einzelnen stand ein Schicksal dahinter.“ So fasste Cordula Scheffels, Vorsitzende des Palliativen Hospizes Solingen (PHoS), die Leistung des Vereins auf dem 28. Hospiztag zusammen.

Zu diesem hatte PHoS am Samstag in die Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde Ohligs an der Wittenbergstraße eingeladen. Zahlreiche Besucher waren gekommen. Darunter Mitglieder, Förderer und Freunde, aber auch Vertreter sozialer Vereine und Verbände, politischer Parteien und Kirchen. Moderiert wurde der Hospiztag von Dr. Harald Bannies.

„In den zwei Jahren, die hinter uns liegen, kam eine erfreuliche Spendensumme von rund 600 000 Euro zusammen“, berichtete Cordula Scheffels. Geld, auf das der Hospizverein dringend angewiesen ist. Denn er muss von den Gesamtkosten jährlich einen Eigenanteil von fünf Prozent selbst aufbringen. 95 Prozent der Kosten tragen die Krankenkassen. „In Zukunft wollen wir noch enger mit anderen Institutionen wie dem Botanischen Garten zusammenarbeiten. Mit ihm planen wir für 2023 einen gemeinsamen Weihnachtsmarkt.“

Gäste dankten den Ehrenamtlichen für ihr Schaffen im Hospiz

Einige Gäste des Hospiztages sprachen Grußworte. So berichtete Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) dankbar von einem Fall, in dem ein nahestehender Freund, der schwer erkrankt war, von PHoS eine Sterbebegleitung erhielt. Stefan M. Kob, Verlagsleiter und Chefredakteur des Solinger Tageblatts, übernahm die diesjährige Schirmherrschaft über die Veranstaltung. „Sterben betrifft uns alle. Erst in der Familie und im Umfeld, dann uns selbst“, betonte er und dankte den zumeist ehrenamtlichen Mitarbeitern für ihre wertvolle Arbeit. „Sie – nicht ich – sind die eigentlichen Schirmherren. Sie spannen Ihren schützenden Schirm des Trostes und der mitfühlenden Begleitung auf.“

Die Hospiz-Idee: Damit das Sterben leichter wird

Der evangelische Gemeindepfarrer Klaus Hammes berichtete von Trauergesprächen mit Angehörigen, die ihm nach Sterbefällen immer wieder vermitteln: „Wie gut das tut, dass solch ein unterstützender Verein wie PHoS da ist. Dies bald seit 30 Jahren.“

Impulse für die Hospizarbeit gab Kathrine Gottwald, Lehrkraft an der Akademie für Palliativmedizin in Bonn, in ihren Vortrag „Resilienz – gestärkt durch die Krise“. Der Begriff der Resilienz bedeute so viel wie „Abprallen“ und spiele auf die psychische Widerstandsfähigkeit des Menschen an. Förderlich für die Gesundheit ehrenamtlicher Hospizmitarbeiter sei zum Beispiel das Setzen persönlicher Grenzen. „So können Trauergespräche mit Hinterbliebenen sehr kraftzehrend sein. Mir hilft es, wenn ich mir dafür ein Zeitfenster setze, etwa eine Stunde. Es zählt ja die Qualität eines Gesprächs, nicht die Quantität.“ In der Frage nach einem gesünderen Leben könnten Mitarbeiter von Sterbenden lernen. Frage man Schwerstkranke, was sie in ihrem Leben anders machen würden, wenn sie könnten, dann laute die Antwort oft: „Mir Zeit geben, mich mehr um mich kümmern sowie um Freunde, um mehr Kontakte. Mehr arbeiten – das habe ich noch von keinem gehört.“

Für den musikalischen Rahmen sorgte die Solinger Sängerin Petra Berghaus. Sie blickte auch persönlich auf die Sterbebegleitung für ihre Mutter zurück. „Einen schöneren Abschied, wie sie ihn erlebte, gibt es wohl nicht.“

Hospizverein

Der Verein PHoS wurde 1993 von 43 Mitgliedern gegründet. Heute sind es 1050 Mitglieder. Das Hospiz am Botanischen Garten eröffnete 2018. 28 Menschen arbeiten dort.

www.hospiz-solingen.de

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