Internationaler Tag der Pflege

Pflege: Verdi fordert bessere Arbeitsbedingungen

Beschäftigte in der Kranken- und Altenpflege zeigten der Gesundheitspolitik am Mittwoch vor dem Städtischen Klinikum die Rote Karte. Foto: Christian Beier
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Beschäftigte in der Kranken- und Altenpflege zeigten der Gesundheitspolitik am Mittwoch vor dem Städtischen Klinikum die Rote Karte.

Am internationalen Tag der Pflege setzte die Gewerkschaft ein Zeichen für mehr Personal und bessere Bezahlung.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Vor dem Städtischen Klinikum Solingen machten Beschäftigte in der Pflege am Mittwoch deutlich, dass sie schnelle und wirksame Schritte in Richtung besserer Arbeitsbedingungen erwarten. Im Wechsel hielten stets rund 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am internationalen „Tag der Pflege“ Fahnen, Banner und vor allem Rote Karten hoch, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Gewerkschaft Verdi hatte bundesweit zu Protesten aufgerufen (| Seite 3).

Dabei ging es zum einen um eine faire Vergütung: „Die ist überfällig, wurde vielfach versprochen, ist aber bis jetzt nicht in Sicht“, wie Ursula Weigert, Verdi-Aktive im Klinikum, betonte. Gefordert wurde aber auch die Aufstockung der immer dünneren Personaldecke im Pflegereich. Die Corona-Pandemie habe diesen Dauerzustand noch einmal verschlimmert, sagte Ali Dogan, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im Städtischen Klinikum.

Klinikpersonal arbeitet seit Monaten am Limit

Er betonte, dass sich die Aktion gegen die Politik insgesamt richte, nicht gegen das Klinikum im Besonderen. Das sei „Teil des falsch laufenden Systems“, wie er formulierte. Bei privaten Trägern sei die Situation häufig noch enger. „Viele Kollegen arbeiten seit Monaten am Limit. So kann das auf Dauer nicht weitergehen. Schon jetzt spüren wir an mangelndem Nachwuchs, wie unattraktiv der Pflege-Beruf für junge Leute geworden ist.“

Wir fürchten, dass es bei vollmundigen Versprechungen bleiben wird.

Ursula Weigert, Verdi

Seit die Aufmerksamkeit der Politik bei Kliniken in erster Linie betriebswirtschaftlichen Aspekten gelte, fahre der Zug in die falsche Richtung, sagte Ursula Weigert nachdrücklich: Überstunden in Mengen, die nicht abgebaut werden können, seien normal. „Man kann nicht guten Gewissens nach seiner Schicht nach Hause gehen, wenn man weiß, dass die Kollegin allein ist.“ Schritt für Schritt sei derart Personal gekürzt worden, dass man Urlaubs- oder gar Krankheitsfälle im Pflegeteam kaum kompensieren könne. „Corona mit seinen plötzlichen Erkrankungswellen hat dieses System in seiner Unzuverlässigkeit und Fragilität aufgedeckt. Seither werden wir mit unserem Problem in der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommen. Geändert hat sich bisher nichts. Wir fürchten, dass es bei vollmundigen Versprechungen bleiben wird.“

Es müssten dringend die richtigen Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen in der Pandemie gezogen werden, hieß es dazu in einer Presseerklärung von Verdi. Die bisherigen Beschlüsse seien unzureichend, von Entlastung sei im Betrieb nichts zu spüren – im Gegenteil.

Auch in der Altenpflege bleiben Gesetzesinitiativen hinter dem Notwendigen zurück

Das gelte im Übrigen ebenso für die Altenpflege. Auch hier blieben die Gesetzesinitiativen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an den entscheidenden Stellen weit hinter dem Notwendigen zurück. „Damit der von Spahn vorgelegte Entwurf zur tariflichen Bezahlung in der Altenpflege nicht nur gut klingt, sondern tatsächlich das Problem löst, muss erheblich nachgebessert werden“, so Martina Albers, Verdi-Vertrauensperson bei den Altenzentren der Stadt Solingen. Der Minister erwecke zwar den Eindruck, er wolle eine tarifliche Bezahlung in der Altenpflege sichern. Das sei aber nicht der Fall.

Denn nicht die Einhaltung relevanter Branchentarifverträge wie des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst werde zur Bedingung für den Abschluss von Versorgungsverträgen gemacht: „Tariflich nicht gebundene Arbeitgeber sollen sich vielmehr den für sie günstigsten Haustarifvertrag in ihrer Region aussuchen können, nach dem sie ihre Beschäftigten bezahlen“, so Jennifer Soff, Verdi-Sekretärin für die Altenpflege. „Niedriglöhne würden so zementiert statt überwunden.“

Am Klinikum hatten sich übrigens nicht nur Mitarbeiter aus der Pflege an der Protestaktion beteiligt. Auch Vertreter der Ärzteschaft, aus der Logistik oder aus der Küche hielten Rote Karten hoch. „Wir im Krankenhaus sind alle gemeinsam dafür da, dem Patienten optimal zu helfen, jeder auf seinem Posten“, sagte Ursula Weigert. „Da greift alles ineinander und zu wenig Personal in der Pflege hat sofort Auswirkungen auf das Ganze.“

Personal

Zusammen mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Deutschen Pflegerat wurde 2020 ein Instrument zur Personalbemessung entwickelt – PPR 2.0. Verdi fordert, dass dieses Instrument zügig in Kraft gesetzt wird. Es richtet sich ausdrücklich gegen die „Pflegepersonalquotienten“.

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