Höhrather befürchten hohe Kosten

Unternehmer sehen keinen Sinn in Eingemeindung 

In Höhrath schlagen die Wellen derzeit hoch. Grund ist die Diskussion um die Wieder-Eingemeindung nach Wermelskirchen. Archivfoto: Christian Beier
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In Höhrath schlagen die Wellen derzeit hoch. Grund ist die Diskussion um die Wieder-Eingemeindung nach Wermelskirchen.

Marc Schmidt lebt und arbeitet noch nicht allzu lange in Höhrath.

Von Anja Carolina Siebel

Solingen. Marc Schmidt lebt und arbeitet noch nicht allzu lange in Höhrath. Der selbstständige Unternehmer (Schmidt Elektronik) ist dennoch ein entschiedener Gegner der Wieder-Eingemeindung des Solinger Stadtteils nach Wermelskirchen. „Es gibt für mich keine plausiblen Gründe für diesen riesigen Aufwand“, sagt er.

Im Gegenteil befürchtet er, dass gerade Unternehmer wie er Nachteile dadurch zu erwarten hätten. „Wir müssten ja alles ummelden. Die ganze Immobilie, die Firma. Was soll das denn alles kosten?“, fragt sich Schmidt. Zudem gehöre Wermelskirchen einer anderen Industrie- und Handelskammer an als Solingen. Das betreffe vor allem Firmen, die Auszubildende beschäftigen. „Solingen ist der IHK Wuppertal angeschlossen und Wermelskirchen der IHK Köln“, merkt er an.

Auch Gastronom Klaus-Dieter Land, der seit 1982 in Höhrath lebt und arbeitet, ist wie berichtet gegen eine Wiedereingemeindung des Dörfchens nach Wermelskirchen. Auf seiner Ladentheke liegen noch die Fragebögen aus, die die Solinger SPD-Fraktion vor zwei Wochen in Höhrath verteilt hatte. „Das mit den Umfragen ist auch so eine Sache“, sagt er.

Denn auch die Bürgerinitiative Höhrath hatte jüngst eine Umfrage gestartet. Laut deren Aussage war es demnach eine große Mehrheit der Höhrather, die sich positiv zur Wiedereingemeindung nach Wermelskirchen geäußert hätten.

Kinderbetreuung könne auch ohne Neugliederung geregelt werden

Für Klaus-Dieter Land ist so eine Umfrage allerdings nicht repräsentativ: „Es ging ja bei der Diskussion darum, dass es zu wenig Kindergartenplätze in der Nähe gibt und die Kinder statt nach Wermelskirchen nach Solingen in die Kita müssen. Wenn dann jemand mit einem Kind auf dem Arm vor der Tür steht und fragt, wie man dazu stehe, ist doch klar, wie sich die meisten äußern“, sagt der Gastronom. „Das Betreuungsthema sollen die Städte untereinander klären, nicht aber wieder diese Eingemeindungsdebatte aufrollen“, finden er und Marc Schmidt.

Ähnlich sieht das die Höhrather Anwohnerin Vera Fuhrmann: „Kinder brauchen kurze und sichere Wege zu Kita und Schule, das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Dies muss sichergestellt werden, aber nicht durch Umgemeindung, sondern durch Diskussion und Aktion auf anderen Ebenen“, macht sie einen konstruktiven Vorschlag.

Die Städte äußern sich noch sehr zurückhaltend zu dem Thema. „Die Stadtverwaltung Wermelskirchen wird sich nicht an weiteren Spekulationen zur Zukunft Höhraths beteiligen“, sagt Wermelskirchens Bürgermeister Rainer Bleek auf Nachfrage. „Wir pflegen mit der Stadtverwaltung Solingen eine gute und vertrauensvolle interkommunale Zusammenarbeit, im Interesse des gesamten Bergischen Landes. Wir haben zu akzeptieren, dass es bei der kommunalen Zuordnung von Höhrath zunächst um interne Entscheidungen der Stadt Solingen geht.“

Zudem sei die Stadt „selbstverständlich für Gespräche über die Zusammenarbeit hinsichtlich der sozialen und schulischen Versorgung dieser Ortschaft jederzeit bereit“ so Bürgermeister Rainer Bleek abschließend.

Auch Sabine Rische, Sprecherin der Stadt Solingen, winkt bei dem Thema noch ab. „Bevor wir dazu irgendetwas sagen können, müsste ja erst einmal eine Entscheidung gefallen sein“, sagt sie. Zurzeit seien alle Beteiligten ohnehin mit der Vorbereitung der Kommunalwahl am kommenden Sonntag beschäftigt. Rische: „Sollte das einmal konkreter werden, haben wir es mit einem jahrelangen Verfahren zu tun. Allein schon, weil beide Städte verschiedenen Bezirksregierungen angehören.“

1985, rund zehn Jahre nach der Eingemeindung von Höhrath nach Solingen, hatte es schon mal eine Debatte über eine Rückkehr der Ortschaft nach Wermelskirchen gegeben. Klaus-Dieter Land erinnert sich ungern an diese Zeit. „Dass die Anwohner sich hier nicht mit Mistgabeln bekämpft haben, war alles. Das müssen wir nicht noch mal haben.“

Hintergrund

Zwei Bürgerbefragungen bezüglich der Neugliederung hat es in Höhrath bisher gegeben. Eine von der Bürgerinitiative, eine andere von der Solinger SPD-Fraktion. Laut Bürgerinitiative waren 80 Prozent der Anwohner für eine Rückkehr nach Wermelskirchen. Das Ergebnis der SPD-Fragebögen steht noch aus.

Nur wenn Städte, Kreis und eventuell auch der Landtag zustimmen, wäre eine Rückgliederung von Solingen nach Wermelskirchen möglich.

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