Gottesdienst

Hoffnung schenkende Zeichen in der Flutkirche in Unterburg

An Heiligabend war Dr. Thorsten Latzel in Unterburg zu Gast. Der Präses spannte den Bogen von Weihnachten zur Situation der von der Flutkatastrophe Betroffenen. Foto:
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An Heiligabend war Dr. Thorsten Latzel in Unterburg zu Gast. Der Präses spannte den Bogen von Weihnachten zur Situation der von der Flutkatastrophe Betroffenen.

Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, begleitete den Weihnachtsgottesdienst in Unterburg.

Von Holger Hoeck

Solingen. Prächtig strahlte der herrlich geschmückte Weihnachtsbaum an Heiligabend in der reizvollen Kirche in Unterburg. Er verbreitete stimmungsvolle Atmosphäre im Gotteshaus, dem ansonsten die Folgeschäden nach der verheerenden Hochwasser-Katastrophe von Mitte Juli, etwa durch den abgeschlagenen Wandputz, noch anzumerken sind. Für viele Besucher des Weihnachtsgottesdienstes stand der Lichterbaum zugleich als Symbol von Stärke und Mut, das auch Pfarrerin Anke Schäfer in ihrer Begrüßung betonte. „Was nach der Flutkatastrophe niemand für möglich gehalten hat, wird heute wahr. Wir feiern Weihnachten in unserer Burger Kirche, die jetzt auf eine andere, ganz besondere Weise wieder schön ist.“

„Wir kümmern uns umeinander und schenken uns neue Hoffnung.“

Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland

Besonders freute sie sich über die Teilnahme von Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, der neben Pfarrerin Antje Menn, Superintendentin des Kirchenkreises Lennep, Platz genommen hatte. „Es tut gut, dass Sie nach Ihrem ersten Besuch im September wieder hier sind und somit noch einmal ins Bewusstsein rufen, dass die Flut für die betroffenen Menschen immer noch in den Köpfen und Herzen ist, Sie aber auch ein Zeichen der Hoffnung setzen möchten.“

Da die Orgel bereits vor längerer Zeit ausgelagert werden musste, stand Kirchenmusiker Johannes Geßner, der bei den weihnachtlichen Liedern von seiner Frau und Sopranistin Hae Min Geßner unterstützt wurde, vor der Aufgabe, dem Gottesdienst eine besondere musikalische Note zu verleihen, was ihm durch die Nutzung einer Tuba und von Spielzeug-Pianos auf beeindruckende künstlerische Weise gelang.

In seiner Ansprache spann Latzel am Beispiel der Hirten den Bogen von Weihnachten zum aktuellen Status der von der Flutkatastrophe Betroffenen. „Hirten waren die ersten, die die Botschaft von Weihnachten und dem neugeborenen Heiland gehört hatten. Obwohl sie als unstete Leute und Außenseiter der Gesellschaft galten, waren und sind Hirten jedoch die, die sich um andere kümmerten und sie schützten. Dieses Verhalten zeigte sich auch nach der sommerlichen Katastrophe. Viele Betroffene haben auf einmal die Kraft der Mitmenschlichkeit gespürt, die wir so in unserer Gesellschaft vielleicht nicht vermutet hatten.“

Es sei Gottes Werk, die Menschen so frei zu machen, dass sie füreinander Hirten sein können. „Und das sind wir als Gemeinde: Ein Hirtenvolk, dem es nicht egal ist, wie es anderen Menschen geht. Wir kümmern uns umeinander und schenken uns gegenseitig neue Hoffnung.“

Kurz führte der Präses drei Beispiele aus, in denen er selbst in jüngerer Vergangenheit Personen begegnet sei, die sich für andere einsetzen und ihnen somit Zuversicht schenken würden. „Dabei hat mir besonders die Hilfsbereitschaft von Mitgliedern einer Schwestergemeinde imponiert, die in dieser Kirche einen neuen Boden einzogen und instand setzten. Sie ist somit durch die Schlammfluten zu einem neuen Hoffnungsort geworden.“ Zwar werde das Gotteshaus immer Spuren von der Flut an sich behalten und habe eine andere Gestalt angenommen. „Aber es hat auch eine andere geistliche Kraft gewonnen, und ich bin überzeugt, dass die Kirche dadurch auf ihre eigene Weise zur Herberge für viele Menschen auf ihrem Lebensweg sein wird.“

Dr. Thorsten Latzel zeigte sich zuversichtlich, dass rückblickende Geschichten auf dieses besondere Jahr trotz allem positiv ausfallen werden. „Ich gehe davon aus, dass sie weniger von Angst und Alleinsein, aber viel davon erzählen werden, wie wir wider allen Chaosmächten einander Mut gemacht haben.“

Flutkatastrophe

Durch die Flutkatastrophe wurde die evangelische Kirche in Unterburg überschwemmt. Boden und Kirchenbänke wurden durchnässt, die Wände durchfeuchtet. Das Inventar wies erhebliche Schäden bis hin zur Zerstörung auf. Mit seinem Besuch und der Leitung des Gottesdienstes wollte Präses Dr. Thorsten Latzel ein Zeichen der Wertschätzung für den großen Zusammenhalt in der Gemeinde setzen.

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