Nach dem Hochwasser

Unterburg erhält internationale Hilfe

In Unterburg schaute sich Marin Tomas (l.) von International Medical Corps (IMC) zusammen mit Filip Skrabic (r.) und Joachim Junker Bauschäden an. Foto: Andreas Horn
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In Unterburg schaute sich Marin Tomas (l.) von International Medical Corps (IMC) zusammen mit Filip Skrabic (r.) und Joachim Junker Bauschäden an.

Organisation IMC stellt 40 Bautrockner für den Gebäudeerhalt zur Verfügung

Von Philipp Müller

Solingen. Noch viele Keller in Unterburg sind nicht abgetrocknet. Bei Familie Tretschok läuft im Keller an der Müngstener Straße nur ein Gebläse und das kostet 12 Euro am Tag. Das hörte sich gestern Marin Tomas von der Organisation International Medical Corps (IMC) an. Er versprach Hilfe, will dazu Kontakt mit der Hochwasserhilfe der Stadt aufnehmen. Denn IMC hat bereits 20 Bautrockner an die Stadt geliefert. Weitere 20 sollen folgen. Das ist eine Sachspende, die die Stadt behalten darf, an den Orten einsetzen soll, wo sie gebraucht werden, und für spätere Einsätze anschließend einlagern.

Organisiert wird das alles über den Verein Luftfahrt ohne Grenzen/Wings of Help, der zusammen mit dem International Medical Corps bautechnische Geräte nicht nur nach Solingen, sondern auch an die Ahr nach Sinzig bringt. „Das IMC will in diesem Zusammenhang an die umfassende Hilfe aus Deutschland erinnern, die 2005 nach dem Hurrikan Katrina der teilweise zerstörten Stadt New Orleans in Louisiana und der stark gebeutelten Region am Golf von Mexiko zugutekam“, erklärt der Leiter für Katastrophenhilfe des IMC in Westeuropa, Marin Tomas. Der gebürtige Kroate pendelt deshalb zwischen den Hochwassergebieten in Deutschland, den Niederlanden und Belgien.

Ohligser Jongens vermittelten Kontakt zur Hilfsorganisation

Den Kontakt zu ihm hatte Filip Skrabic von den Ohligser Jongens hergestellt. Joachim Junker vom Verein sagte: „Da zeigt sich, wie gut wir vernetzt sind und auch schnell Hilfe organisieren können und wollen.“ Tomas ging etwa in die Burgresidenz zu Frank Schindler. Ihm gehören das Seniorenheim und das Haus mit der Tagespflege im früheren Burger Hof, die beide von der Diakonie Wermelskirchen als Mieter betreiben werden. In den zwei Gebäuden beklagt er fast eine halbe Millionen Euro Schaden. Bautrockner braucht der Wermelskirchener Dachdeckermeister nicht. Aber er erzählt, was alles gemacht werden muss. Wände, Decken und Böden in den Büros, dem Speiseraum, der Küche und dem Aufenthaltsraum sollen bis Ende September saniert sein, dann soll der Betrieb wieder starten. Versichert ist Schindler auch nicht und beklagt, dass er als Eigentümer und Vermieter bisher durch alle Roste der Hilfsprogramme außer der Soforthilfe gefallen sei. Er fürchtet, allein auf der Schadenssumme sitzen zu bleiben.

Tomas machte viele Fotos und Notizen. Er wird vor allem in die USA berichten. „Mit meinen Fotos, Videos und Texten sehen dann die Spender, dass wir das Geld da ausgeben, wo es wirklich aktuell gebraucht wird.“ Deshalb führte er gestern auch die Gespräche mit den Betroffenen direkt. Im Anschluss fuhr er mit Skrabic nach Sinzig ins Ahrtal, dorthin hatte die Hilfsorganisation bereits 250 Tonnen technisches Material geliefert.

„Das ist hier eine große Gemeinschaft geworden.“

Elfriede Tretschok wohnt in Unterburg

Der IMC-Beauftragte hat dem Rathaus auch angeboten, weitere Technik zu überlassen, wenn sie gebraucht und angefordert wird.

Für die Tretschoks ist das bereits eine Erfolgsgeschichte. Gestern konnten sie sich zwei der Bautrockner für ihren Keller bei der Hochwasserhilfe der Stadt abholen. Sie waren sehr dankbar, denn sie seien nicht so stark darin, fremde Hilfe selbst zu organisieren. Das sagte Elfriede Tretschock mitten in einer Baustelle.

60 Zentimeter hoch stand die Wupper im Wohnzimmer. Die Wände sind mit Hilfe der zwei Söhne schon mit Gipsplatten verkleidet. Im Boden, das Parkettholz ist entfernt, klaffen Luftschlitze im Holzboden, damit Feuchtigkeit entweichen kann. Die Rentnerin berichtet: „Das ist jetzt hier alles zu einer großen Gemeinschaft geworden.“ Am Vorabend hätten sie sich die Nachbarn vor ihrem Haus getroffen und einfach erzählt und sich beigestanden.

Entsorgung von Hochwassermüll

An 13 Orten haben die Technischen Betriebe (TBS) gestern Container aufgestellt, in denen Hochwassermüll entsorgt werden kann. Diese dienen jedoch ausschließlich der Beseitigung des angeschwemmten Unrats, so dass kein Müll aus dem privaten Haushalt darin landen dürfe, wie die TBS mitteilen. Bei dem Hochwassermüll handele es sich meist um jenen, der nicht abbaubar sei und deshalb die Umwelt belaste. Sonstiger Sperrmüll, der durch das Hochwasser verursacht wurde, kann derweil von den TBS weiter kostenfrei abgeholt werden. Die Container für den Hochwassermüll finden sich an folgenden Orten: Auer Weg/Kohlfurter Brücke, Soter Weg/Papiermühle, Müngstener Brückenweg/Napoleonsbrücke, Müngstener Straße/Brücke Wiesenkotten, Parkplatz Wupperinsel, Hasenklever Straße/Wendehammer, Wipperauer Straße/ Brücke, sowie den Wanderparkplätzen am Balkhauser Weg, Odentaler Weg, Obenrüden, Untenrüden, Friedrichsaue und Wipper Kotten. mbe

Die Stadt Solingen will die Flutkatastrophe aufarbeiten.

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