Flutkatastrophe im Juli 2021

Unterburg: Angst vor Hochwasser bleibt

Eschbach und Wupper sind längst zurück in ihren Betten und die Schäden werden beim großen Aufräumen sichtbar. Die Unterburger erzählen jetzt auch, wie dramatisch die Flut in der Nacht zum Donnerstag war. Wasser kam an vielen Stellen von allen Seiten und stiegt sehr schnell. Fotos: Michael Schütz
+
Wasser kam im Juli des vergangenen Jahres an vielen Stellen von allen Seiten und stieg sehr schnell.

Die Caritas-Fluthilfe will nach dem verheerenden Hochwasser des vergangenen Sommers noch bis Ende 2023 im Stadtteil Ansprechpartner bleiben.

Von Philipp Müller

Solingen. Noch bis Ende 2023 wird die Caritas Wuppertal/Solingen ihre Fluthilfe im Stadtteilbüro in Unterburg an der Eschbachstraße 17 besetzt halten. Das erklärt am Dienstag Stephanie Kalter, die seit September 2021 als Fluthilfekoordinatorin im Stadtteil aktiv ist. Die Arbeit werde ihr nicht ausgehen, sagte sie. Neben den wirtschaftlichen Folgen zeige sich immer stärker, wie sehr die Unterburger Bevölkerung auch psychologisch von den Folgen betroffen ist. Und doch soll der Jahrestag des 15. Juli, an dem die ganzen Folgen der Flut sichtbar wurden, nicht vergessen werden. Zusammen mit den vielen freiwilligen Helfern, die zum Aufräumen gekommen waren, soll am 16. Juli ab 14 Uhr das Helferfest „Untergehen gibt’s nicht“ auf der Wupperinsel gefeiert werden.

Auf den ersten Blick sieht es in Unterburg knapp elf Monate nach dem Hochwasser wieder normal aus. Doch der zweite Blick offenbart ein anders Bild. Eine Zahl der Wohnungen, die noch nicht wieder bezogen werden können, kann Kalter nicht nennen. Aber ein Dutzend sei sicher nicht falsch. Carmen Hillen etwa, die das Burger Büdchen an der Eschbachstraße betreibt, erzählt, dass ihre Tochter immer noch mit bis zu fünf Personen auf 40 Quadratmetern in einem Notquartier an der Cronenberger Straße wohnt. Es fehlt schlicht an Handwerkern, um die 300 000 Euro Schäden zu beseitigen. Die Hillens hoffen, das bis September alles wieder in Ordnung gebracht worden ist. Mit ihrem Büdchen ist Hillen seit ein paar Wochen wieder am Start. Aber es laufe zähflüssig an. „Langsam aber sicher kommen jetzt die Stammkunden zurück.

„Manche fühlen sich eher wie im Möbelgeschäft.“

Stephanie Kalter über Gefühle in renovierten Wohnungen

Die psychologischen Folgen seien sehr vielfältig, sagt Caritas-Helferin Stephanie Kalter. So würden manche Unterburger in ihren renovierten Wohnungen nicht richtig heimisch werden: „Manche fühlen sich eher wie im Möbelgeschäft als in einer gerade renovierten Wohnung.“

Ein Jahr nach der Flut sieht Caritas-Fluthelferin Stephanie Kalter noch viel Beratungsbedarf. Am 16. Juli wird trotzdem gefeiert.

Auch die Ängste sind nicht weg, hat Kalter beobachtet. Manche Unterburger könnten nachts nicht schlafen, weil sie befürchten, das Hochwasser kommt zurück. „Wenn es stark regnet, werde ich sofort nervös“, berichtet Merle Hein. Sie wohnt an der Müngstener Straße, hat das Haus ihrer Oma renoviert. Diese sei zum Glück versichert gewesen.

Aber das hilft auch nicht immer. So hatten Cedo und Matija Markic ihr Gebäude mit dem Restaurant Wupperterrassen direkt an der Wupperbrücke zwar versichert, aber nicht das gastronomische Inventar. Über den Wiederaufbaufonds des Landes habe er nur den Zeitwert des Inventars ersetzt bekommen. Für Neuanschaffungen musste das Ehepaar kräftig investieren. Aber der Laden laufe wieder gut. „Wir haben jetzt sogar 100 Plätze auf der Terrasse“, berichtet der Gastronom.

Andere warteten noch auf Geld aus diesem Topf, weiß Kalter. „Diese Ungewissheit belastet.“ Ablenkung sei da wichtig. Zusammen mit Kirsten Sander, die eine Praxis für Psychotherapie betreibt, bietet sie daher Wohlfühlabende an. Beim ersten Treffen seien zehn Unterburger gekommen, um einfach einmal zu reden. Doch in Unterburg ist auch viel geschehen, was positiv ist. In allem Chaos nach der Flut seien die Menschen zusammengerückt. „Wir haben alle viele persönliche Kontakte geknüpft und es sind Freundschaften entstanden“, freut sich Merle Hein.

Hochwasser

Rund 400 Häuser waren am 14. und 15. Juli 2021 vom Hochwasser im gesamten Stadtgebiet betroffen. Die Schäden gehen in die Millionen. Direkthilfe kam durch Spenden an die Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung bei den Betroffenen an.

Rund 400 Häuser waren am 14. und 15. Juli 2021 vom Hochwasser im gesamten Stadtgebiet betroffen. Die Schäden gehen in die Millionen. Direkthilfe kam durch Spenden an die Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung bei den Betroffenen an.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Notfall: 15-jähriger Solinger tut das einzig Richtige
Notfall: 15-jähriger Solinger tut das einzig Richtige
Notfall: 15-jähriger Solinger tut das einzig Richtige
Solinger Polizei soll Taser erhalten
Solinger Polizei soll Taser erhalten
Solinger Polizei soll Taser erhalten
Corona: Weiterer Todesfall in Solingen
Corona: Weiterer Todesfall in Solingen
Corona: Weiterer Todesfall in Solingen
Ingo Schäfer dankt Ermittlern und hofft auf Aufklärung
Ingo Schäfer dankt Ermittlern und hofft auf Aufklärung
Ingo Schäfer dankt Ermittlern und hofft auf Aufklärung

Kommentare