Coronavirus

Unter den 1249 Corona-Infizierten in Solingen sind 250 Schüler

In den weiterführenden Schulen testen sich die Schüler dreimal pro Woche. Foto: Christian Beier
+
In den weiterführenden Schulen testen sich die Schüler dreimal pro Woche.

Regelmäßige Tests in den Schulen sollen das Corona-Geschehen eindämmen. Die neue Lollitest-Regelung bringt jedoch noch keine Zeitersparnis.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Am Montag, dem ersten Schultag nach den Weihnachtsferien, wurden alle Solinger Schüler getestet, seitdem gibt es Selbsttests dreimal pro Woche in den weiterführenden Schulen und PCR-Lollitests zweimal pro Woche in den Kitas, Grund- und Förderschulen. Ein bedeutender Teil der täglichen Neuinfektionen geht auf diese Schultestungen zurück: Am Donnerstagnachmittag hatten die Schulen insgesamt 250 aktuelle Infektionen und 494 Quarantänen unter den Schülerinnen und Schülern gemeldet, so Stadt-Sprecher Daniel Hadrys. Das ist ziemlich genau ein Fünftel der derzeit 1249 Infizierten.

Die Neuregelung in den Grundschulen, bei den Lolli-Tests von jedem Kind gleich zwei Röhrchen abzugeben, so dass neben dem Abstrich für den Pooltest im Positiv-Fall die Rückstellprobe gleich im Labor untersucht werden kann, habe allerdings „noch nicht die erhoffte Zeitersparnis gebracht“, so Sabine Riffi, Leiterin der Grundschule Uhlandstraße und eine von zwei Grundschul-Sprecherinnen. Die Ergebnisse der Einzeltests vom Montag seien auch erst am Dienstagabend eingetroffen. „So mussten alle Kinder der positiv getesteten Klasse wieder in Quarantäne, bis die Einzelergebnisse vorlagen“, kritisiert Riffi.

Labore teilen Ergebnisse erst den Eltern mit

Bei der Schulleiter-Dienstbesprechung am Dienstag sei schon deutlich geworden, dass es an vielen Grundschulen positive Pool-Tests gab, an einer Schule seien sogar fünf Klassen betroffen gewesen. „Es war zu erwarten, dass die Zahlen nach den Ferien hoch sein würden“, so Riffi. Sie hofft auf klare Regeln der Bezirksregierung, wie mit Kindern umzugehen ist, deren PCR-Ergebnis noch nicht vorliegt. Es koste Zeit, weil Labore die Ergebnisse den Eltern mitteilten und die Schule oft erst über das Gesundheitsamt informiert werde. Auch wann für welche Kinder als Kontaktpersonen Quarantänen auszusprechen seien, müsse immer mit dem Gesundheitsamt abgesprochen werden.

Es sei zu erwarten gewesen, dass es zum Start nach den Ferien zu Problemen kommen würde, so Jens Merten, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung in Solingen. „Allerdings erleben wir seit Verkündung der neuen Teststrategie Anfang Dezember bis zum heutigen Tag eine Serie von Pannen beim Land. Für die Lehrkräfte aber auch die Eltern bedeuteten die letzten Wochen immer wieder neue und unnötige Stressmomente.“

Auch an den weiterführenden Schulen blickt man besorgt auf das Infektionsgeschehen. Andreas Tempel, Leiter der Alexander-Coppel-Schule und Sprecher der Gesamtschulen, achtet genau darauf, dass alle im Schulgebäude, auch Besucher und Handwerker, vor dem Betreten getestet sind, Schüler dreimal pro Woche. „Die ersten positiven Schnelltests, die wir diese Woche hatten, sind alle durch einen PCR-Test bestätigt“, berichtet er.

Aktuell sind an seiner Schule 21 Schülerinnen und Schüler infiziert, am Montag seien drei Fälle, am Dienstag ein Fall hinzugekommen. Im Kollegenkreis habe es zum dritten Mal einen Impfdurchbruch gegeben. „Zum Glück sind in den höheren Jahrgängen die meisten Schüler geimpft, viele auch schon geboostert“, so Tempel, der sich tägliche Tests wünschen würde.

Standpunkt: Ständiges Abwägen

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@ solinger-tageblatt.de

Es ist und bleibt ein ständiges Abwägen: Gesundheitsschutz auf der einen Seite, Aufrechterhaltung der Systeme auf der anderen. Und da ist das System Schule ebenso systemrelevant wie Krankenhäuser, Polizei und Energieversorger. Die Schulen offen zu halten für das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen, ist völlig zurecht eine von allen Seiten hoch gehaltene Forderung. Zudem sichern Kinder, die in Kita oder Schule gut betreut sind, dass ihre Eltern in eventuell auch systemrelevanten Berufen ihrer Arbeit nachgehen können. Aber Schule muss in diesen schwierigen Zeiten mehr leisten, als nur Corona-Tests durchzuführen und Quarantänen zu organisieren. Damit das möglichst wenig Zusatzstress bringt, brauchen die Schulen alle Unterstützung. Und vielleicht wäre ein täglicher Test, wie von einigen Schulleitern gefordert, zwar ein zusätzlicher Programmpunkt auf dem täglichen Stundenplan, aber auch ein Stück mehr Sicherheit. Auch wenn jetzt klar wurde, dass Antigen-Schnelltests keine hundertprozentige Sicherheit bieten – bleiben sie negativ, ist auch die Gefahr eines großen Virenausstoßes recht gering.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Solinger Fabrik für Schneidwaren erweitert Produktionsfläche
Solinger Fabrik für Schneidwaren erweitert Produktionsfläche
Solinger Fabrik für Schneidwaren erweitert Produktionsfläche
Erneut Gewaltvorwürfe in Solinger Kitas
Erneut Gewaltvorwürfe in Solinger Kitas
Erneut Gewaltvorwürfe in Solinger Kitas
Bauarbeiten beeinträchtigen den Hauptbahnhof für drei Tage
Bauarbeiten beeinträchtigen den Hauptbahnhof für drei Tage
Bauarbeiten beeinträchtigen den Hauptbahnhof für drei Tage
Rattenbefall: Grundschule Stübchen muss Nebengebäude sperren
Rattenbefall: Grundschule Stübchen muss Nebengebäude sperren
Rattenbefall: Grundschule Stübchen muss Nebengebäude sperren

Kommentare