Equal Pay Day

Ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern bleibt auch in Solingen ein Problem

Sprachen sich für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern aus (v. l.):Anke Jahncke, Peter Horn, Ulrike Zerhau, Sandra Ernst, Tim Kurzbach und Dorothea Grabe. Foto: Christian Beier
+
Sprachen sich für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern aus (v. l.): Anke Jahncke, Peter Horn, Ulrike Zerhau, Sandra Ernst, Tim Kurzbach und Dorothea Grabe.

Vor dem Rathaus ist die rot-weiße Flagge des „Equal Pay Day“ gehisst worden. Gewerkschaftler, Arbeitgeber und unter anderem Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) fordern die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Es war am Montagnachmittag gar nicht so einfach, die rot-weiße Fahne des „Equal Pay Day“ auf dem Walter-Scheel-Platz vor dem Rathaus zu hissen – der starke Wind ließ sie immer wieder umschlagen. Geduld und Energie waren gefragt. Ein Bild mit Symbolcharakter, denn auch mit der gerechten Bezahlung von Frauen, dem Anliegen, für das die Fahne steht, hapert es in Deutschland noch kräftig.

Das Statistische Bundesamt hat für das Jahr 2020 berechnet, dass Frauen im Schnitt 18 Prozent weniger verdienen als Männer in vergleichbaren Jobs. „Diese geschlechtsspezifische Lohnlücke muss endlich geschlossen werden“, forderte Peter Horn, Solinger Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) unterstrich diese Forderung. „Wir haben in der Solinger Stadtverwaltung durchaus einiges erreicht, aber müssen noch besser werden“, sagte er und appellierte an die Arbeitgeber in Solingen, sich des Themas deutlich spürbar anzunehmen.

Bergische Unternehmen wollen Frauen binden

Anke Jahncke, Betriebsratsvorsitzende des Klinikums – einer der größten Arbeitgeber Solingens –, schilderte Eindrücke aus der Praxis. Insbesondere in den unteren Lohngruppen sei die Ungerechtigkeit oft eklatant. Außerdem gebe es vornehmlich Frauen, die in außertariflichen Sektoren arbeiteten. Nach wie vor erkenne man gerade am Beispiel des Klinikums, wie wenig Frauen in Führungspositionen vertreten seien. „76 Prozent unserer 2000-köpfigen Belegschaft sind weiblich, aber sowohl die Geschäftsleitung als auch die Chefarztpositionen sind männlich besetzt.“ Es gehe nicht darum, im Hauruckverfahren etwas zu ändern, aber mit Blick auf die Zukunft, müsse man „prinzipiell anders an die Sache herangehen“.

Gesellschaft und Politik tragen Verantwortung für Veränderungen

Dorothea Grabe, Gleichstellungsbeauftragte im Klinikum, wies auf die schlechte Altersversorgung vieler Frauen hin. „Diejenigen, die nach traditionellem Muster Kinderpausen gemacht haben oder lange wegen der Familie in Teilzeit waren, haben am Ende ihrer beruflichen Laufbahn deutliche finanzielle Einbußen“, sagte sie. „Immer noch wird es als selbstverständlich angesehen, dass Frauen, nicht Männer, für die Familie zurückstecken.“

Diesbezüglich Änderungen herbeizuführen, sei sowohl Aufgabe der Gesellschaft als auch der Politik, sagte Sandra Ernst von der Gleichstellungsstelle der Stadt. Die müsse für die Rahmenbedingungen sorgen, die es Frauen ermöglichen, wirklich selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Es brauche zudem ein Entgelt-Einigkeits-Gesetz sowie eine Steuerreform, denn das aktuell geltende Steuerrecht benachteilige Frauen.

Ulrike Zerhau vom DGB mahnte an, das Kindern vermittelte Frauenbild zu reflektieren und nachzubessern. „Trotz aller Fortschritte sitzen diskriminierende Traditionen immer noch tief in uns drin.“

Lesen Sie auch: „One Billion Rising“: Sie tanzen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Messerstecherei in Ohligs: Polizei fahndet mit zwei Fotos nach Verdächtigen
Messerstecherei in Ohligs: Polizei fahndet mit zwei Fotos nach Verdächtigen
Messerstecherei in Ohligs: Polizei fahndet mit zwei Fotos nach Verdächtigen
Solinger soll Frau mit heißem Wasser verbrüht haben
Solinger soll Frau mit heißem Wasser verbrüht haben
Solinger soll Frau mit heißem Wasser verbrüht haben
Corona: Inzidenz in Solingen sinkt
Corona: Inzidenz in Solingen sinkt
Corona: Inzidenz in Solingen sinkt
Hier stellen ausschließlich Künstlerinnen aus
Hier stellen ausschließlich Künstlerinnen aus
Hier stellen ausschließlich Künstlerinnen aus

Kommentare