Prozess

Unfallflucht: Prozess wird zu einem Verwirrspiel

Ein Senior wehrt sich in der Berufung vor dem Landgericht Wuppertal gegen Geldstrafe und Führerscheinverlust
+
Ein Senior wehrt sich in der Berufung vor dem Landgericht Wuppertal gegen Geldstrafe und Führerscheinverlust

79-Jähriger legt fragwürdige Fotos von Blechschäden vor – Rechtsanwalt tritt von der Verteidigung zurück

Solingen. Mit Fotos von Blechschäden an mehreren Fahrzeugen entwickelte sich gestern ein Prozess um Verkehrsunfallflucht zum Verwirrspiel. Ein 79 Jahre alter Autofahrer vom Mangenberg bestreitet einen Parkunfall vom Sommer 2020 im Zentrum von Ohligs. Seine Version: Er sei zwar da gewesen und auch gefahren, aber geparkt habe er 30 Meter entfernt von einem Mercedes, der Kratzer und Beulen davontrug. Das Gericht zeigte Zweifel an seinen angeblichen Beweisen.

Der Senior wehrt sich in der Berufung vor dem Landgericht Wuppertal gegen Geldstrafe und Führerscheinverlust. Laut Ermittlungen beobachtete eine Zeugin den Unfall und sprach den nun Angeklagten vor Ort an. Er sei aber weiter gefahren, ohne seine Personalien nennen. Der Schaden am Mercedes: rund 1500 Euro.

Senior war selbst schon einmal Geschädigter eines Parkunfalls

Der 79-Jährige sagte, er sei zwei Jahre zuvor selbst Geschädigter eines Parkunfalls gewesen. Die Kratzer von damals habe die Polizei nun falsch dem neuen Geschehen in Ohligs zugeordnet. Fotos aus einem alten Unfallgutachten sollten das im Vergleich mit der Gerichtsakte belegen. Nur stammten die neuen Aufnahmen irgendwie von anderen Stellen am Auto, als der Mann beschreibt, bemerkte der Vorsitzende Richter: „Da ist eine rote Leuchte. Das ist nicht vorn.“ Der 79-Jährige deutete mit einem Finger darauf: „Da ist vorn und da ist hinten.“ - „Ja“, sagte der Richter, „aber das ist nicht Ihr Auto.“

Es ist womöglich sogar ein ganz anderes Auto, stellte sich wenig später heraus. Einer der beiden ehrenamtlichen Richter im dreiköpfigen Gericht ist von Beruf Karosseriebauer. Er habe in einer Verhandlungspause auf mögliche Abweichungen zwischen den Bildern hingewiesen, sagte der Vorsitzende.

Strafverteidiger legte sein Mandat nieder

Zeitgleich war allerdings eine weitere Kollision zutage getreten: Der Anwalt des Seniors erkannte, dass ein Kollege seiner Kanzlei ohne sein Wissen die Schadensersatzforderung der Geschädigten betreut. Ein Interessenkonflikt.

Der Strafverteidiger legte sofort sein Mandat nieder. Der Angeklagte hatte derweil schon seine Frau als zusätzliche Augenzeugin seiner Fahrt benannt – laut Gericht anscheinend erstmals in den zwölf Monaten seit Beginn der Ermittlungen.

Der Vorsitzende Richter schlug dem Angeklagten vor, er solle nochmals über seine Strategie nachdenken.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Ab heute gelten die neuen Corona-Regeln, weitere ab Sonntag und Montag
Ab heute gelten die neuen Corona-Regeln, weitere ab Sonntag und Montag
Ab heute gelten die neuen Corona-Regeln, weitere ab Sonntag und Montag
Corona: Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund
Corona: Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund
Corona: Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund
Heinz Schwandt feiert heute seinen 106. Geburtstag
Heinz Schwandt feiert heute seinen 106. Geburtstag
Heinz Schwandt feiert heute seinen 106. Geburtstag

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare