Bewerbung

Unesco-Welterbe: Land schlägt Müngstener Brücke vor

Hat eine weitere Hürde genommen: die Müngstener Brücke und ihre Bewerbung für die Unesco-Weltkulturerbe-Liste. Foto: Christian Beier
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Hat eine weitere Hürde genommen: die Müngstener Brücke und ihre Bewerbung für die Unesco-Weltkulturerbe-Liste.

Unesco-Welterbe: Das Solinger Projekt mit internationalen Partnern wird für deutsche Liste eingereicht.

Von Anja Kriskofski und Philipp Müller

Solingen. Solingen und seine Partner sind bei ihrer Weltkulturerbe-Bewerbung für die Müngstener Brücke einen großen Schritt weitergekommen. Die Landesregierung wird die Brücke für die deutsche Liste für zukünftige Unesco-Welterbestätten vorschlagen. Das teilte NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) am Dienstag mit. Es ist die einzige Bewerbung, die Nordrhein-Westfalen bei der Kultusministerkonferenz einreicht. Der unter Federführung der Stadt Solingen erarbeitete Antrag ist ein europäisches Projekt: Die Müngstener Brücke soll mit fünf weiteren Großbogenbrücken des 19. Jahrhunderts in Italien, Frankreich und Portugal in die Welterbe-Liste aufgenommen werden. „Wir haben gute Arbeit geleistet, unsere Bewerbung in internationaler Gemeinschaft hat überzeugt“, freute sich Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD).

Der länderübergreifende Aspekt dürfte mit den Ausschlag gegeben haben: „In der internationalen Zusammenarbeit mit Italien, Frankreich und Portugal liegt zugleich eine große Chance, eine Anerkennung als transnationales und serielles Unesco-Welterbe zu erlangen“, so Ministerin Scharrenbach. Für die Bewertung der vier Bewerbungen hatte die Landesregierung eine Jury eingesetzt, die für die Müngstener Brücke votiert hatte. Dieser Entscheidung folge sie nun. Neben dem Solinger Antrag waren die Düsseldorfer Gaslaternen, das jüdisch-mittelalterliches Viertel Köln und die industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet als Vorschläge eingereicht worden.

Müngstener Brücke auf dem Weg zum Unesco-Welterbe: Reaktionen aus Solingen, Remscheid und Wuppertal

Mit der Entscheidung aus Düsseldorf sei ein weiterer, wichtiger Meilenstein erreicht, teilte Kurzbach mit. „Noch mehr als bisher wird die Müngstener Brücke damit zum Aushängeschild für unsere Region. Und mit jedem weiteren Schritt werden wir mehr wahrgenommen – auch über die bundesdeutschen Grenzen hinaus.“

Man werde nun die ganze Kraft dem Ziel widmen, auf die bundesdeutsche Tentativliste zu kommen, betonte der Wuppertaler Oberbürgermeister Uwe Schneidewind (Grüne). Sein Remscheider Amtskollege, Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD), erinnerte daran, dass die drei Städte zum 120. Geburtstag der Müngstener Brücke 2017 mit ihren Partnern aus Frankreich, Italien und Portugal den ersten „Letter of Intent“, eine Absichtserklärung, unterschrieben hatten. „Beim Kongress zum 125. Geburtstag im nächsten Jahr können wir den Erfolg nun gemeinsam feiern.“ Die Müngstener Brücke sei auf dem Weg zum prominenten Aushängeschild für die Deutsche Bahn, erklärte Werner Lübberink, DB-Konzernbevollmächtigter in NRW.

Stiftung mit Sitz in Solingen soll gegründet werden

Auch für Timm Kronenberg, einen der Organisatoren der Six-Bridges-Rally entlang der sechs Brücken, die Welterbe werden wollen, ist die Nachricht aus Düsseldorf ein „super Signal“. Die Fahrt startet am 11. September im Müngstener Brückenpark. „Das wertet unser Projekt mit der Rallye auf. Es ist gut, dass das Signal aus Deutschland kommt, dass die Brücke Welterbe werden soll.“ Zugleich verwies er darauf, die Entscheidung werde auch einen Schub für die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der Brücke im August 2022 bringen. Nun laute die Devise: „Wir hoffen auf 2024.“ Dann könnte die Brücke tatsächlich in die Liste aufgenommen sein.

Wie geht es nun weiter? Zunächst müsse eine tragfähige Finanzstruktur geschaffen werden, heißt es aus dem Rathaus. „Ziel ist es, eine Stiftung mit Sitz in Solingen zu gründen, die gleichberechtigt von allen europäischen Brücken-Partnern getragen wird.“ Fördervereine in den vier Ländern sollen die Grundlage schaffen. Der Verein „Welterbe Müngstener Brücke“ wurde im März gegründet. Das weitere Vorgehen werde 2022 beim Welterbe-Kongress in Italien abgestimmt, so Projektleiter Carsten Zimmermann.

Die Bewerbung

Brücken: Zusammen mit der Müngstener Brücke werden die Ponte Maria Pia und Ponte Dom Luis I. in Portugal, das Garabit-Viadukt und das Viaduc du Viaur in Frankreich und der italienische Ponte San Michele für das Welterbe vorgeschlagen.

Fahrplan: Im Oktober 2023 trifft die Kultusministerkonferenz ihre Entscheidung über die deutsche Tentativliste mit den zwischen allen Bundesländern abgestimmten Objekten. Im Januar 2024 wird diese bei der Unesco eingereicht. 2025 soll das erste Projekt als Welterbe angemeldet werden.

Standpunkt

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Anja Kriskofski

Das Ziel ist noch nicht erreicht, aber es ist ein gutes Stück näher gekommen. Dass die Müngstener Brücke im Verbund mit ihren europäischen Schwesterbauwerken als einziges NRW-Projekt für die deutsche Unesco-Welterbe-Liste vorgeschlagen wird, ist ein toller Erfolg. Allein war die Bewerbung für die Welterbe-Liste vor Jahren bereits auf Landesebene gescheitert. Es hat sich gelohnt, das Vorhaben als länderübergreifendes Projekt erneut anzugehen. Die europäische Bewerbung hat einfach Charme: sechs Brücken im gleichen Stil und ein Projekt, das von Partnern in vier Ländern getragen wird. Das Verfahren hat der Müngstener Brücke schon jetzt einen Schub an Aufmerksamkeit beschert. Der neue Brückensteige und die Six-Bridges-Rally tragen dazu bei. 2022 feiert das Bauwerk zudem seinen 125. Geburtstag – eine weitere Gelegenheit, um die Werbetrommel zu rühren. Doch wenn die Bewerbung Fahrt aufnimmt, müssen auch andere Aspekte in den Fokus rücken. Sollte die Müngstener Brücke am Ende tatsächlich als Welterbe geadelt werden, dürfte das mehr Besucher ins enge Tal der Wupper ziehen. Darauf sollte die Stadt vorbereitet sein.

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