Partnerstadt

Solingen und Ness Ziona: Freundschaft als Sieg über die Dunkelheit

Eine von vielen freundschaftlichen Umarmungen an diesem Dienstagabend: Ness Zionas Bürgermeister Shmuel Boxer (l.) und Solingens OB Tim Kurzbach.
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Eine von vielen freundschaftlichen Umarmungen an diesem Dienstagabend: Ness Zionas Bürgermeister Shmuel Boxer (l.) und Solingens OB Tim Kurzbach.

Ness Ziona und die Klingenstadt feiern ihre Partnerschaft und richten den Blick auf die Jugend.

Von Björn Boch

Solingen. Die Freundschaft zwischen Ness Ziona und Solingen, inzwischen fast eine Selbstverständlichkeit geworden, darf genau das eigentlich nicht sein: selbstverständlich. Weil eine Partnerschaft zwischen Deutschen und Juden nie gedacht werden kann ohne die Grauen des Holocaust.

Für den Freundeskreis Solingen-Ness Ziona blickte Bernd Krebs auf die Anfänge der Freundschaft „bei einer Flasche Wein“ in Israel zurück.

Mit diesem Spannungsfeld beschäftigten sich die Rednerinnen und Redner am Dienstagabend im Meistermannsaal im Zentrum für verfolgte Künste bei der Feier zu 35 Jahre Städtepartnerschaft und 20 Jahre Freundeskreis Solingen-Ness Ziona. Auch ein Film, entstanden bei einem Schüleraustausch, zeigte das überdeutlich. Spaß am Strand. Schnitt. Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Schnitt. Stadtbesichtigung Jerusalem. Schnitt. Gespräch mit Holocaust-Überlebenden. Schon am Polizeiaufgebot vor dem Museum war erkennbar, dass es eben noch keine Selbstverständlichkeit ist, wenn Deutsche und Juden gemeinsam feiern.

„Wer Freundschaft findet, bei dem macht es Klick. Bei Solingen und uns hat es Klick gemacht.“

Shmuel Boxer, Bürgermeister Ness Ziona

Drinnen betonte Ness Zionas Bürgermeister Shmuel Boxer in seiner herzlichen, auf Englisch gehaltenen Rede, wie sehr Solingen von Anfang an aus den Städtepartnerschaften herausgestochen habe. „Wer Liebe oder Freundschaft findet, bei dem macht es Klick. Bei Solingen und uns hat es Klick gemacht.“ Die Beteiligten an der Partnerschaft der Städte sieht er als Botschafter der Menschlichkeit, die Freundschaft als „Sieg des Lichts über die Dunkelheit“ – gemeinsame Aufgabe sei es, die kommenden Generationen in ein besseres Morgen zu führen.

Dass sich der Bürgermeister und weitere Gäste aus Israel nach Solingen aufgemacht hatten, bewies für Bernd Krebs den besonderen Stellenwert. Für den Freundeskreis Solingen-Ness Ziona erinnerte er an die Anfänge der Partnerschaft, die damals auf politischen Antrag zustande gekommen sei. „Das war ungewöhnlich und mutig“, so Krebs. Solingen sei ohnehin eine der ersten Kommunen mit Partnerstadt in Israel gewesen – heute gebe es mehr als 260.

Auch Krebs nahm die Jugend in den Fokus, lobte die intensive Partnerschaft zwischen Alexander-Coppel-Gesamtschule und Ben Gurion Junior High School. Und forderte andere Schulen auf, den Kontakt nach Israel zu suchen oder zu intensivieren. Jugendarbeit sei existenziell. „Und sie wird bei Ron Prosor einen hohen Stellenwert haben“, sagte Krebs mit Blick auf den neuen israelischen Botschafter in Deutschland, der seine Teilnahme an der Feier kurzfristig hatte absagen müssen. Dr. Rafi Schnitzer, Kontaktmann für den Freundeskreis in Israel und persönlich bekannt mit Prosor, stellte einen zeitnahen Besuch in Aussicht.

Mit hebräischen Liedern und jüdischer Musik gestalteten Annette Maye (l.), Martin Schulte und Roswitha Dasch den Abend. Die Stadt hatte das Zentrum für verfolgte Künste bewusst als Ort für die Feier gewählt.

Zu Beginn hatte sich Oberbürgermeister Tim Kurzbach besorgt gezeigt angesichts der wieder aufflammenden Feindschaft gegenüber Israel – im Nahen Osten, aber auch weltweit. Freundschaft und Frieden seien kostbare Geschenke, „die wir uns verdient haben, die wir aber behüten und beschützen müssen“. Die grausame und schmerzhafte Erinnerung an deutsche Gräuel wachzuhalten, dazu sei auch Solingen verpflichtet. Es sei geboten, einzuschreiten, wann immer die Erinnerung kleingeredet und ein Schlussstrich gefordert werde.

Es werde weiter nach Schicksalen gesucht, die es aufzuklären gelte. „Ebenso ist es unsere Aufgabe, gegen Antisemitismus aufzurufen. Das ist nicht die Aufgabe der Jüdinnen und Juden.“ In Richtung des langjährigen CDU-Ratsherrn Bernd Krebs sagte der SPD-Oberbürgermeister: „Ich weiß, wie tief ins Herz dir das geht und wie sehr du dich persönlich um die deutsch-israelische Freundschaft verdient gemacht hast.“

Wie einfach Verständigung manchmal trotz der dunklen Geschichte sein kann, berichtete Haya Cohen, die seit vielen Jahren den Schüleraustausch mit der Alexander-Coppel-Gesamtschule begleitet. Anfangs gebe es zwischen den Jugendlichen durchaus Vorurteile. „Und dann merken sie, dass sie die gleichen Klamotten tragen und die gleiche Musik hören und haben keine Angst mehr voreinander.“

Auszeichnung

Zu den Gästen gehörte unter anderen Abraham Lehrer, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er bat spontan um das Wort und gratulierte der Solingerin Sylvia Löhrmann, ebenfalls anwesend und frisch mit dem NRW-Landesverdienstorden ausgezeichnet – unter anderem für ihre Verdienste um die Erinnerungskultur (wir berichteten). Lehrer dankte „einer wahren Freundin des Staates Israel“.

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