Sensationsfund

Unbekannte Werke von Erwin Bowen entdeckt

Diese 1945 entstandene Aufnahme zeigt Erwin Bowien beim Zeichnen in Kreuzthal. Dort entstanden auch die vier jüngst wiederentdeckten Gemälde. Foto: Dr. Haroun Ayech
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Diese 1945 entstandene Aufnahme zeigt Erwin Bowien beim Zeichnen in Kreuzthal. Dort entstanden auch die vier jüngst wiederentdeckten Gemälde.

Paar stößt im Allgäu auf vier Gemälde des lange in Solingen tätigen Künstlers Erwin Bowien.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Von ihrer Existenz war nichts bekannt. Nun wurden im Allgäuer Dorf Kreuzthal vier bislang unbekannte Gemälde des lange in Solingen tätigen Künstlers Erwin Bowien entdeckt. „Das ist eine kleine Sensation“, erklärt Dr. Haroun Ayech. Vor allem ein Motiv begeistert den Vorsitzenden des Freundeskreises Erwin Bowien.

Ein junges Paar machte die Entdeckung. Die Werke wurden in einem Haus gefunden, das die neuen Eigentümer einem mehr als 80 Jahre alten Kreuzthaler abgekauft hatten. Als sie beim Ausräumen der Immobilie auf die Kunst stießen, forschten sie nach. Dr. Rudi Holzberger, ein Experte für die Geschichte Kreuzthals, meldete den Fund an den Freundeskreis.

Dass Gemälde Bowiens im Allgäu auftauchen, ist kein Zufall. Der in Mülheim an der Ruhr geborene Meister war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Nach einem letzten Auftrag in Deutschland im Winter 1933 geht er ins holländische Exil. Infolge des Überfalls der Wehrmacht auf die Niederlande durchlebt Bowien eine abenteuerliche Flucht durch Deutschland – ohne Papiere. 1943 kommt er nach Kreuzthal. Geschützt durch den dortigen Dorfpolizisten überlebt er die NS-Zeit.

Bettina-Heinen-Ayech-Foundation befindet sich in Gründung

2014 fand in Kreuzthal eine Ausstellung über Erwin Bowien statt. Im Nachgang meldeten sich einige Bewohner, zu deren Privatbesitz Werke des Künstlers gehören. „Wir haben deshalb immer vermutet, dass da noch mehr sein könnte. Das hat sich nun bestätigt“, sagt Haroun Ayech.

Die vier jüngst entdeckten Gemälde haben einen klaren Bezug zu dem Dorf im Allgäu. Eines zeigt Georg Dannecker. Mit ihm versteckte Bowien im Jahr 1944 einen entflohenen französischen Kriegsgefangenen. „Dass nun dieses Porträt auftaucht, ist eine tolle Geschichte“, findet Ayech. Die übrigen Bilder zeigen Danneckers Familie und seinen Hof, auf dem Bowien lebte.

Das Gesamtwerk des 1972 gestorbenen Künstlers umfasst rund 5000 Arbeiten, schätzt der Freundeskreis. Die vier neu hinzugekommenen bleiben wohl zunächst im Allgäu – das Paar hat das Haus samt Inventar gekauft, also ist es auch Eigentümer der Bilder.

In Kreuzthal traf Erwin Bowien auf die junge Bettina Heinen-Ayech, Haroun Ayechs Mutter. Sie wurde die Schülerin des Meisters, der vor dem Zweiten Weltkrieg als Kunsterzieher am Gymnasium Schwertstraße unter anderem den späteren Bundespräsidenten Walter Scheel unterrichtet hatte. Nach Kriegsende kehrte Erwin Bowien in die Klingenstadt zurück, um eine Künstlerkolonie zu gründen.

Bettina Heinen-Ayech und Erwin Bowien – „derzeit bewegt sich viel um diese Künstler“, berichtet Haroun Ayech. So seien beide kürzlich vom Institut für Kunstgeschichte der Schweiz als „relevante Künstler“ eingestuft worden. Zudem befinde sich die Bettina-Heinen-Ayech-Foundation in Gründung. Die Stiftung mit Sitz in Solingen widmet sich dem Vermächtnis des Duos. Und seinem Einsatz für die Völkerverständigung.

Freundeskreis

Der Freundeskreis Erwin Bowien wurde 1976 im alten Klingenmuseum gegründet. Der Verein und seine Mitglieder verstehen sich als Hüter von Erwin Bowiens Erbe.

www.erwin-bowien.com

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