Krieg in der Ukraine

Ukrainische Geflüchtete kochen für Helfer

Raia (Mitte), Tochter Victoria (l.) und Enkeltochter Valeria (stehend) mit Helferin Tanja Flügge (r.). Foto:Christian Beier
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Raia (Mitte), Tochter Victoria (l.) und Enkeltochter Valeria (stehend) mit Helferin Tanja Flügge (r.).

Im Walder Stadtsaal bedankten sich die Frauen und Kinder für die Unterstützung der vergangenen Tage.

Von Kristin Dowe

Solingen. Ein wenig sind die Frauen und Kinder zum Luftholen gekommen. Nachdem eine Gruppe von aus der Ukraine geflüchteten Menschen zunächst im Hotel „In der Straßen“ von Andreas Heibach in Oberburg untergebracht war und dann aus Brandschutzgründen umziehen musste, scheinen sich die meisten von ihnen mit der neuen Situation arrangiert zu haben. Am Mittwochabend hatten die Frauen für die Helferinnen und Helfer im Walder Stadtsaal als kleines Dankeschön gekocht, wo das Team um Andreas Heibach und die Geflüchteten zu einem lockeren Treffen zusammengekommen waren.

Raia, die mit Tochter Victoria und Enkeltochter Valeria über Polen aus der ukrainischen Großstadt Charkiw geflohen ist, kämpft mit den Tränen, als sie sich an die vergangenen Wochen erinnert. Nur mit Mühe habe sie es mit ihrer Familie überhaupt zum Bahnhof geschafft. Als die Frauen in Richtung Polen aufbrachen, stand ihre Heimatstadt schon unter russischem Beschuss. „Wir saßen mit zwölf Leuten in einem Abteil, das war furchtbar“, erzählt sie stockend dem Tageblatt. Die Solingerin Alexandra Dinger, die selbst ukrainische Wurzeln hat, übersetzte das Gespräch für die Redaktion. Die Not habe die Geflüchteten aber zusammengeschweißt, auf der Fahrt seien alle sehr solidarisch und rücksichtsvoll miteinander umgegangen, sagt Raia. „Alle wollten einander nur helfen.“

An Schlaf ist in der Nacht kaum zu denken

Alle drei Frauen könnten nachts kaum schlafen. „Wir haben von der einen auf die andere Minute unser ganzes Leben zurückgelassen“, fasst Raia die Situation zusammen. Ob das Hochhaus noch steht, in dem sich ihre Wohnung befindet, weiß sie nicht. Zwei weitere Familienmitglieder, eine Schwester und ein Bruder, seien noch in der Ukraine in der Nähe von Melitopol und Berdiansk, wo sie zurzeit nicht entkommen können. Das Gebiet ist vollständig von Russen besetzt – ohne Elektrizität, Gas oder irgendeine Verbindung zur Außenwelt.

Die Nachrichten verfolge sie nur gelegentlich, gibt Raia zu – manchmal sei der Schmerz über die Bilder aus der Heimat einfach zu groß. Sie ist überzeugt: „Die Russen wollen Charkiw in Schutt und Asche legen. Es ist schrecklich, die leuchtenden Raketen am Himmel zu sehen.“ Obwohl sich der Konflikt länger abgezeichnet hatte, habe sie bis zuletzt nicht an einen Krieg geglaubt.

Schwierig ist die Situation auch für die 23-jährige Valeria. Ihr Studium der Flugzeugtechnik musste sie wegen des Krieges erst mal auf Eis legen und ihren Freund in Lwiw (Lemberg) zurücklassen. Der arbeite dort in einer Fabrik für sogenannte Tschechenigel, eine spezielle Stahlkonstruktion, damit Panzer nicht die Straße passieren können. Valeria zeigt ein Foto eines Exemplars auf ihrem Smartphone. Sie beruhige sich damit, dass die Stadt relativ westlich orientiert sei. „Wir sind aber auf alles vorbereitet.“
So können Sie den Menschen aus der Ukraine helfen

Anders als andere Frauen am Tisch möchte die Studentin nicht in die Ukraine zurück. Zu viele Leichen und Panzer habe sie dort schon sehen müssen. Am liebsten wolle sie die deutsche Sprache lernen, ihr Studium zu Ende führen und einen Job finden. „Mein Freund würde überall hingehen, wo ich auch bin. Liebe kann man nicht durch eine Grenze trennen.“ Der Optimismus am Tisch, dass der Krieg bald enden könnte, ist gering. „Natürlich hoffen wir das von ganzem Herzen. Ich glaube aber persönlich nicht daran“, erzählt eine junge Frau namens Julia. Anders als Valeria möchte sie so schnell wie möglich zurück nach Hause zu ihrem Mann.

Eine gewisse Mitverantwortung für die Geschehnisse sieht Julia auch beim russischen Volk. „Sie haben den Präsidenten, den sie sich ausgesucht haben.“ Tischnachbarin Olga widerspricht entschieden: „An diesem Krieg ist allein Vladimir Putin schuld.“

Lesen Sie auch: Bergische fordern Härte gegenüber Putin

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