Integration

Spielerisch lernen ukrainische Schüler die neue Sprache

Klassenlehrerin Anne Kambys (l.) und Kollegin Katharina Postinett arbeiten viel mit Bildkarten. Auch Martin, der Deutsch und Ukrainisch spricht, hilft der neuen Mitschülerin Tamila.
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Klassenlehrerin Anne Kambys (l.) und Kollegin Katharina Postinett arbeiten viel mit Bildkarten. Auch Martin, der Deutsch und Ukrainisch spricht, hilft der neuen Mitschülerin Tamila.

Im Montessori-Zweig der Grundschule Meigen helfen alle mit, ukrainische Schüler zu integrieren.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. An einem Montag Anfang März war Tamila mit ihrer Mutter nach siebentägiger Flucht aus ihrer ukrainischen Heimatstadt Ternopil in Solingen angekommen. Schon am Mittwoch saß die Siebenjährige in ihrer neuen Klasse im Montessori-Zweig der Grundschule Meigen. Alexandra Dinger, eine Mutter der Klasse und selbst gebürtige Ukrainerin, hatte den Kontakt hergestellt. Deren Sohn Martin (9), der Deutsch und Ukrainisch spricht, ist jetzt im Unterricht auch immer wieder als Dolmetscher im Einsatz.

Flüchtlinge: So läuft die Ankunft in Solingen

„Als Tamila Anfang März zu uns kam, gab es noch kaum Material“, erinnert sich Klassenlehrerin Anne Kambys. Mittlerweile hat sie ein Bildwörterbuch bestellt, auch ein Memory-Spiel und spezielle Bildkarten helfen dabei, die deutsche Sprache zu lernen. „Tamila, die in der Ukraine die erste Klasse besucht hat, kennt ja bislang auch nur die kyrillische Schrift“, so Kambys.

An der Schützenstraße wird sie in der altersgemischten Eulenklasse unterrichtet, in der, gemäß der Montessori-Idee, Kinder der Klassen eins bis vier größtenteils eigenständig und in Freiarbeit lernen. Das Konzept helfe jetzt auch, für Tamila und Oleksandra – die zweite ukrainische Schülerin in der Klasse – individuelle Aufgaben zu stellen. „So habe ich beispielsweise in einem ukrainischen Schulbuchverzeichnis Tamilas Mathebuch mit entsprechenden Aufgaben gefunden“, so Kambys. „Mathematik ist ja zum Glück international.“ Oleksandra, die aus Charkiw kommt, spricht Russisch. „Aber die beiden Sprachen sind ähnlich und untereinander gut zu verstehen“, erklärt Übersetzer Martin.

Neue Mitschüler sind schon gut integriert

Groß hilft Klein – das Helfersystem der Montessori-Idee funktioniere in der Klasse gut, freut sich die Lehrerin. Mit Emily, deren Mutter aus Russland stammt, gebe es noch eine weitere Schülerin der Klasse, die beim Übersetzen helfen könne. „Wichtig ist ja auch, dass die neuen Kinder beim Spielen auf dem Schulhof einbezogen werden, es hat sogar schon Geburtstagseinladungen gegeben“, freut sich Anne Kambys, dass Tamila sehr offen und interessiert und sozial schon sehr gut integriert ist.

Katharina Postinett unterstützt als Lehrkraft die Arbeit mit den geflüchteten Kindern, derzeit drei an der Schule. „In einem Nebenraum machen wir beispielsweise Spiele mit einem auditiven Angebot, weil Hören und Nachsprechen wichtig sind“, erklärt die Lehrerin.

Auf dem Schulhof wird dann Sprache mit Bewegungsspielen kombiniert. „Die Kinder sollen es mit etwas Schönem verbinden, Deutsch zu sprechen.“ Natürlich sei man immer noch in der Phase der Willkommenskultur. „Es geht schwerpunktmäßig darum, Sicherheit und Struktur zu geben“, erklärt Anne Kambys. Alphabetisierung und die Vermittlung des Grundwortschatzes seien die nächsten Schritte. „Und wir möchten auch an das anknüpfen, was die Kinder können.“ Gemeinsam hat man in der Eulenkasse beispielsweise auf der digitalen Tafel einen Film der „Sendung mit der Maus“ auf Ukrainisch angeschaut. Ein besonderer Moment für die ukrainischen Mädchen. Und wie gefällt es ihnen in der neuen Klasse? „Gut“, versichert Tamila mit einem Lächeln.

Passend dazu: Tornister-Patenschaft für ukrainische Kinder

Geflüchtete

Zahlen: Aktuell sind 1054 geflüchtete Menschen aus der Ukraine in Solingen gemeldet. Seit März wurde 1085 registriert, 31 Personen haben sich schon wieder abgemeldet.

Kinder: Die schulpflichtigen Kinder sind größtenteils untergebracht, in Regel- und Willkommensklassen.

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