Flucht vor dem Feuer

Solinger rettet sich mit Sprung aus dem Fenster

Ardil Simgar am Tag nach dem Feuer vor der verbrannten Fassade seines Hotels in Marbella. Foto: Ardil Simgar
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Ardil Simgar am Tag nach dem Feuer vor der verbrannten Fassade seines Hotels in Marbella.

Um sich zu retten, sprang Ardil Simgar aus dem zweiten Stock – und brach sich das Schienbein.

Von Alexandra Dulinski

Es ist erst wenige Tage her, dass Ardil Simgar aus dem Krankenhaus entlassen wurde, auf Krücken und mit einem Gips am Bein. Beides wird ihn die nächsten Wochen noch an seine Erlebnisse im Spanienurlaub erinnern. Denn in seinem Hotel in Marbella, in der Nähe von Malaga, war ein Feuer ausgebrochen.

Noch gut erinnert er sich an seinen Sprung aus dem zweiten Stock des Gebäudes. „Wir hatten den Tod vor Augen“, berichtet der 24-Jährige von dem Geschehen. Zu zweit seien sie im Hotelzimmer gewesen, als am Freitagmorgen, dem 21. August, das Feuer ausbrach. „Ich habe geschlafen, mein Kollege hat mich geweckt und mir gesagt, dass unser Hotel brennt. Ich habe direkt gemerkt, dass ich schwer Luft bekomme.“ Mit nassen Handtüchern vor dem Mund hätten sie zunächst versucht, über den Flur zu fliehen. „Es kam eine Hitzewolke auf uns zugeschossen“, berichtet Simgar. Die Flure seien so verraucht gewesen, dass man keinen halben Meter mehr nach vorne habe schauen können.

„Das waren Sekundenmomente.“ 

Ardil Simgar über seine Flucht vor dem Feuer

Simgar und sein Freund entschieden sich für eine Flucht über den Balkon im dritten Stock. Eine Etage weit seien sie an der Hausfassade heruntergeklettert, die zum Teil schon durch die große Hitze geschmolzen war. Von einem Balkon im zweiten Stock aus seien sie dann auf eine Poolliege gesprungen. „Das waren bestimmt vier bis fünf Meter“.

Bei dem Sturz brach er sich das Schienbein, wie später im Krankenhaus festgestellt wurde. „Ich wollte aufstehen, konnte aber nicht auftreten. Ich bin dann auf Knien weiter“, berichtet er. Auch seine Freunde aus einem anderen Zimmer hatten es ins Freie geschafft. „Das waren Sekundenmomente“, erinnert er sich im Nachhinein an die Minuten nach Ausbruch des Feuers. Die Schreie der Menschen im Hotel werde er „im Leben nicht vergessen“.

Mit einem Taxi ist Ardil Simgar dann ins spanische Krankenhaus gefahren – auf einen Krankenwagen verzichtete er, weil es schwerer Verletzte gab. Die Zustände im Krankenhaus beschreibt er als unzumutbar. „Was ich da erfahren habe, habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt.“

Auf der Intensivstation habe er zwar eine Sauerstoffmaske, aber über Stunden hinweg nichts zu trinken bekommen.

Der Solinger hat zahlreiche Videos und Fotos auf seinem Handy gespeichert, die ihm teilweise zugeschickt wurden.

Zehn Stunden habe er im Krankenhaus verbracht. Dann sei er ohne Krücken ins neue Hotel geschickt worden. „Eigentlich hätten die uns nicht gehen lassen dürfen, wir standen unter Schock“, sagt Simgar. Geschockt sei er auch davon, wie wenig Helfer der Feuerwehr im Einsatz gewesen seien.

Ein Freund aus Deutschland sei angereist, um bei der Buchung eines neuen Hotels und der Rückflüge zu helfen. „Alles ist dageblieben, Koffer, Geld, Wertsachen.“ Vom Hotel hätten sie keine Hilfe erhalten.

Auch seien von der Polizei und im Krankenhaus keinerlei Daten aufgenommen worden. „Ich hab Freunde, die in Marbella wohnen. Mit einer Vollmacht dürfen sie in das Hotelzimmer und schauen, was von den Wertsachen noch zu retten ist“, berichtet der Solinger.

Auch wolle sich der Bürgermeister Marbellas bei den Hotelgästen melden. Damit rechnet Simgar aber nicht. „Ich werde das Hotel verklagen“, sagt er.

Berichte

Britischen Medienberichten zufolge sollen sich etwa 100 Gäste in der Brandnacht in dem Hotel aufgehalten haben. Neben mehreren Verletzten soll es auch einen toten Touristen gegeben haben. Ardil Simgar besitzt ein Video einer Überwachungskamera, das zeigen soll, wie der Brand gelegt wurde.

Die Feuerwehr ist am Montagmittag zu einem Brand in Widdert ausgerückt. Bei Eintreffen der Wehrleute stand der Dachstuhl eines Hauses an der Straße Höfchen bereits in Flammen.

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