Der organisatorische Leiter des Impfzentrums geht in den Ruhestand

Udo Stock war mittendrin, wenn’s viel zu tun gab

Udo Stock in dieser Woche bei der Abschluss-Pressekonferenz zum Solinger Impfzentrum: Er hilft jetzt noch, das Impfzentrum zurückzubauen – und schreibt einen letzten Antrag für die Stadt. Danach geht er nach 39 Jahren in der Solinger Verwaltung in den Ruhestand. Foto: Christian Beier
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Udo Stock in dieser Woche bei der Abschluss-Pressekonferenz zum Solinger Impfzentrum: Er hilft jetzt noch, das Impfzentrum zurückzubauen – und schreibt einen letzten Antrag für die Stadt. Danach geht er nach 39 Jahren in der Solinger Verwaltung in den Ruhestand.

39 Jahre lang arbeitete er für die Stadt.

Von Björn Boch

Ein wenig aufräumen noch, einen letzten Antrag schreiben: Dann endet die berufliche Laufbahn von Udo Stock. Nahezu 40 Jahre war der 64-Jährige in Diensten der Stadt Solingen, zuletzt als organisatorischer Leiter des Impfzentrums. Und dabei oft mittendrin, wenn es richtig viel zu tun gab.

Wie zuletzt eben im Impfzentrum. Mitte Dezember 2020 musste es laut Land einsatzbereit sein, es gab wenig Vorlauf und kaum Erfahrungswerte – die Stadt Solingen hat die Frist aber eingehalten. Die Impfungen vor Ort im ehemaligen Kaufhof-Gebäude begannen dann erst am 8. Februar, vorher wurde mobil vor allem in Heimen geimpft, mehr Impfstoff war nicht verfügbar.

Ärzte, Impfstoff und Impfwillige zusammenbringen, eine Hauptaufgabe von Udo Stock: Geschafft hätten er und sein Team das alles mit Organisationstalent. „Und mit der Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen“, ergänzt er. Dabei habe sehr geholfen, dass ihm OB Tim Kurzbach und Ordnungsdezernent Jan Welzel vertraut, den Rücken freigehalten und oft freie Hand gelassen hätten. Der Erfolg des Impfzentrums, das am Donnerstag seine Türen geschlossen hat, weil die Finanzierung endete, spricht für sich. Und für Stock und alle Beteiligten – von den Impfärzten bis zur Putzkolonne, von der Security bis hin zu DRK und Feuerwehr.

Das „Mini-Impfzentrum“ wird der letzte Antrag für Udo Stock

Nach einer kaufmännischen Ausbildung ging Stock im Alter von 25 Jahren zur Stadt und wurde Diplom-Verwaltungswirt. Diese Kenntnisse seien, gerade bei der Leitung des Impfzentrums, extrem hilfreich gewesen. „Viele verwaltungsfremde Leute und Aushilfskräfte mussten da koordiniert werden, gesteuert über Erlasse der Landesregierung“, berichtet Stock.

„Aufgabe zur Pflichterfüllung nach Weisung“ heißt das in jenem Fachjargon, der Udo Stock nach all den Jahren natürlich problemlos über die Lippen kommt. Er beherrscht die Theorie aus dem Effeff. Doch die, die ihn kennen, berichten: Anpacken, das liegt ihm noch mehr.

Deshalb packt er auch jetzt noch an, wenn das Impfzentrum zurückgebaut wird. Und schreibt nebenher seinen letzten Antrag: Das „Mini-Impfzentrum“, das in der Innenstadt weiterhin als niedrigschwelliges Impfangebot bestehen bleiben soll, soll vom Land NRW finanziert werden. Stock ist guter Dinge, dass der Antrag durchkommt.

Vor allem geprägt hat ihn das Jahr 2015. Wie viele verbindet Stock das Jahr mit der Flüchtlingskrise – doch nicht aus den Nachrichten. Udo Stock war damals Flüchtlingskoordinator der Stadt. „Das war sehr prägend, eine hochinteressante Aufgabe, aber auch sehr, sehr anstrengend.“ Ein Stück weit, gibt er zu, sei das an die Substanz gegangen.

Udo Stock wird am meisten seine Kollegen vermissen, untätig wird er aber nicht sein

Doch diese Erfahrungen in der Flüchtlingskoordination und rund um das Impfzentrum haben ihn auch stolz gemacht. „Ich bin stolz darauf, wie gut diese Stadt und die Stadtverwaltung funktionieren, wenn es drauf ankommt“, berichtet er. Das beginne mit einem OB, „der im Krisenmanagement zu Hochform aufläuft“ – und ziehe sich über alle Ebenen weiter. „Die Menschen trauen sich mehr zu. Und sie treffen auch mehr eigenständige Entscheidungen“, erzählt Stock.

Den Alltag in der Verwaltung wird er nicht so sehr vermissen, die Kollegen schon, berichtet er. „Wenn irgendwas ist, holen wir Dich zurück“, hätten die Kollegen schon gescherzt. Selbst wenn er wollte, es würde nicht funktionieren, ist sich Stock sicher. „Die Arbeit lebt auch von Kontakten, vom Netzwerk, das sich jeder aufgebaut hat. In einem halben Jahr oder einem Jahr kann das auch ganz schnell weg sein.“

Dem kommenden Ruhestand sieht er gelassen entgegen. Er treibt gerne Sport, liebt das Reisen und möchte die eine oder andere Sprachkenntnis vertiefen. Eventuell findet sich auch noch ein Ehrenamt, das ihn reizt: „Mal sehen, ob ich mich vielleicht noch irgendwo nützlich machen kann.“

Zur Person

Udo Stock wurde 1956 in Solingen geboren. Bei der Stadt begann er im Alter von 25 Jahren, war unter anderem Chef des Personalrats, Betriebsleiter, Flüchtlingskoordinator, Leiter des Stadtdienstes Ordnung sowie organisatorischer Leiter des Impfzentrums. Stock ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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