Ökologische Auswirkungen

Tunnelstraße: Runder Tisch diskutiert über Kanalbau

An der Tunnelstraße (rechts) soll ein Stauraumkanal zur Verbesserung der Gewässerqualität des Lochbachs und des Suppenheider Bachs gebaut werden. Dafür müssten einige Bäume weichen, die sich auf dem Foto hinter dem Zaun befinden. Foto: Christian Beier
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An der Tunnelstraße (rechts) soll ein Stauraumkanal zur Verbesserung der Gewässerqualität des Lochbachs und des Suppenheider Bachs gebaut werden. Dafür müssten einige Bäume weichen, die sich auf dem Foto hinter dem Zaun befinden.

An der Tunnelstraße soll ein Stauraumkanal entstehen, dessen Bau gravierende ökologische Auswirkungen hätte. Unter anderem sollen 38 Bäume dafür gefällt werden.

Von Kristin Dowe

Solingen. Auf einen gemeinsamen Nenner gekommen sei man zwar nicht, doch hätten alle Beteiligten eine „konstruktive Diskussion“ geführt und sich zumindest ein Stück aufeinander zubewegt – so fasste Bürgermeister Thilo Schnor (Grüne) gegenüber dem Tageblatt die Ergebnisse eines Runden Tisches zum umstrittenen Bau eines Stauraumkanals an der Tunnelstraße am Donnerstag zusammen. Die Stadt hatte dazu als nichtöffentliche Veranstaltung per Videokonferenz eingeladen. Dort hatten sich 25 Vertreter der Bürgerinitiative „Rettet das Biotop Tunnelstraße!“, der beteiligten politischen Ausschüsse und der Stadt sowie weitere Teilnehmer zu einem offenen Meinungsaustausch über das Projekt zusammengefunden.

Für die Verwaltungsvorlage gibt es wahrscheinlich keine Mehrheit.

Enrique Pless, Naturschutzbeirat

„Allen Beteiligten war klar, dass am Ende keine Lösung stehen würde. Dafür ist das Thema zu komplex“, machte Schnor deutlich, der die Runde moderiert hatte. „Die Diskussion wird nun weiter in den kommenden Gremien erfolgen und politisch entschieden werden müssen.“ Dabei könnte ein Beschluss des Naturschutzbeirats, der am 2. März tagt, die Entscheidung wesentlich beeinflussen. Aus einem Beschlussvorschlag, den der Vorsitzende Enrique Pless dem Tageblatt im Vorfeld zukommen ließ, geht hervor, dass der Beirat die Entscheidung über die Genehmigung des Baus auf Herbst 2021 vertagen will. So wolle man erst mal kostbare Zeit gewinnen.

Solingen: Fachleute sollen nach Nestern und Brutstätten suchen

Weiterhin soll laut Beschlussvorlage die Verwaltung beauftragt werden, die Bautrasse in den Straßenraum zur Rettung von elf Bäumen im Böschungsbereich ab Kreuzung Mittelstraße partiell zu verlegen und das Vorkommen von „planungsrelevanten Arten“ über eine Vegetationsperiode – also etwa von Januar bis Oktober – zu prüfen. Dabei sollen externe Fachleute etwa Bäume auf Nist- und Brutstätten untersuchen. Auch gilt es zu klären, inwiefern bestimmte Vogel-, Fledermaus- und Amphibienarten durch die Arbeiten beeinträchtigt würden.

Wegen der schwindenden Wiesenfläche soll der Regenauslauf nach Möglichkeit mit Rasengittersteinen statt mit Beton gestaltet und die alten Regenüberlaufbecken in „naturnahe Tümpel“ umgewandelt werden. Zudem sind diverse Ausgleichsmaßnahmen geplant. „Ich habe versucht, in der Beschlussfassung allen Ansprüchen gerecht zu werden, die beim Runden Tisch deutlich geworden sind“, so Pless. So berücksichtigt diese auch das dringende Anliegen des Galileums, die Verkehrsanbindung zum Planetarium während der Bauzeit beispielsweise durch eine Rampe über die Hansastraße zu erhalten.

Nach den bisherigen Angaben der Verwaltung bleibt die Zufahrt zur Tunnelstraße nur bei der Planungsvariante erhalten, bei der 38 Bäume gefällt würden. Er sei zuversichtlich, dass der Naturschutzbeirat der Beschlussvorlage zustimmen werde, so Pless. „Für die Verwaltungsvorlage gibt es wahrscheinlich keine Mehrheit.“

Solingen: Qualität des Lochbachs soll verbessert werden

Langfristiges Ziel des Projekts ist, die Gewässerqualität des Lochbachs und des Suppenheider Bachs zu verbessern. Der geplante Stauraumkanal würde ein deutlich höheres Fassungsvermögen besitzen als die jetzigen vier Regenüberläufe an der Tunnelstraße und der Deusberger Straße, die technisch veraltet sind. Aktuell werden nach Angaben der Stadt vor allem bei starken Niederschlägen große Mengen mit Fäkalien belastetes Schmutzwasser in den Lochbach abgeschlagen.

Die Fällung der 38 Bäume im Eingriffsbereich der Baustelle (davon sind bereits drei als Gefahrenbäume gefallen) ist nur eine negative Begleiterscheinung des Projekts, das von Naturschützern kritisiert wird. Auch die kühlende Schutzfunktion der Bäume würde durch die Fällungen wegbrechen, was vor dem Hintergrund der zunehmenden baulichen Verdichtung in Ohligs problematisch wäre, so ein Argument der Bürgerinitiative.

Die einzige Möglichkeit, die Zahl der zu fällenden Bäume auf 27 zu reduzieren, ist nach Einschätzung der Planer durch eine Verkürzung der Rohrvortriebsstrecke im Austausch gegen eine offene Bauweise zu erreichen. Dies sei allerdings mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden: So würde sich die Bauzeit um ein Jahr verlängern und Mehrkosten von 1,65 Millionen Euro zusätzlich zu den veranschlagten 5,9 Millionen verursachen. Diese Variante wird von den Grünen und einem Großteil der Bürgerinitiative befürwortet, während sich Marc Westkämper (CDU) und Gundi Hübel (SPD) beim Runden Tisch für die ursprüngliche Planungsvariante aussprachen. Auch Dr. Frank Lungenstraß, Leiter des Galileums, legt besonderen Wert darauf, „dass die Betriebsfähigkeit des Galileums in jedem Fall gewährleistet bleibt“. Das Gespräch am Donnerstag habe er trotz aller Differenzen als zielführend erlebt: „Ich habe den Eindruck, dass keine Seite auf ihre Maximalforderung besteht.“

Auch der Zentrale Betriebsausschuss (ZBA, 24. Februar), die Bezirksvertretung Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid (1. März) und der Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Wohnungswesen (AKUMW, 11. März) beschäftigen sich mit dem Thema. Der Naturschutzbeirat tagt am 2. März.

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