Jubiläum

Solingen: Trödel, Typen, Traditionen – Zöppkesmarkt wird 50 Jahre

2017 Der Markt hat sein Gesicht gewandelt. Ein bisschen mehr hat er den Charakter eines Volksfestes angenommen. Die Trödler fehlen, klagen die einen. Trödler gebe es kaum mehr, sagen die Veranstalter. Trotzdem zieht der Zöppkesmarkt auch nach 50 Jahren die Massen aus allen Stadtteilen der Klingenstadt in die City. Archivfoto: Christian Beier
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Der Markt hat sein Gesicht gewandelt. Ein bisschen mehr hat er den Charakter eines Volksfestes angenommen. Die Trödler fehlen, klagen die einen. Trödler gebe es kaum mehr, sagen die Veranstalter. Trotzdem zieht der Zöppkesmarkt auch nach 50 Jahren die Massen aus allen Stadtteilen der Klingenstadt in die City.

Solinger feiern ihren beliebten Treffpunkt. Der lebt im Hier und Jetzt. Und doch von den vielen Erinnerungen.

Von Philipp Müller

Gab es eigentlich Zuckerwatte auf dem Zöppkesmarkt? Nicht nur diese Frage geht den Solingern jetzt durch den Kopf, wenn sie 50 Jahre Geschichte des Marktes in ihren Erinnerungen aufrufen. Auf der Goerdelerstraße fand er statt. Konnte man am Fronhof parken oder wurde dort auch getrödelt? Auf dem Grundstück von P & C standen auch mal Buden. Selbst auf dem heutigen Rathausgrundstück wurde für wenige Jahre getrödelt. Dort konnte man sogar Bungee-Springen.

Als 1969 die Erfolgsgeschichte des Zöppkesmarktes auch mit maßgeblicher Hilfe des Solinger Tageblatts begann, da konnte keiner ahnen, dass man das 50 Jahre später groß feiern wird. Denn im September steht der Geburtstag an. Und es wird ein besonderer Markt sein. Die Solinger bringen nicht nur gute Laune, sie bringen auch ihre Erinnerungen, Anekdoten und Geschichten mit in die City – die in 90 Jahren Großstadt Solingen die Klingenstädter eigentlich nur an diesem einen September-Wochenende wirklich verbindet. Übrigens, die Redaktion hätte auch gerne Ihre persönlichen Geschichten und Fotos – und wird diese im Vorfeld des Zöppkesmarktes im Tageblatt und online gerne veröffentlichen.

Traurige Gesichter füllten noch nie die Trödelkassen

Wer einen Blick über unsere kleine Fotogalerie (siehe unten) wirft, dem fällt auf: Der Zöppkesmarkt hat immer von seinen Typen gelebt. Er war stets Plattform für die lustige Selbstdarstellung. Traurige Gesichter an den Ständen haben immer leere Kassen bedeutet. Zudem war und ist der Markt auch ein gesellschaftliches Ereignis. Man trifft sich mit Freunden. Bei der Zöppkesmahlzeit wird für die Kinderstuben gesammelt, an den Ständen der Vereine für den guten Zweck gekocht, gezapft oder Trödel angepriesen.

Auch interessant: Die Großstadt Solingen wird 90 - Kein Grund zum Feiern?

Dieser gesellschaftliche Zusammenhalt ist wahrscheinlich das wichtigste Gen des Zöppkesmarkt, das ihm immer wieder seine Neuerfindung erlaubt. Heute ist eine Zeit, in der die Haushaltsauflösung über einen Stand auf dem Zöppkesmarkt nicht mehr gelingt. Porzellan, Bilder, gebrauchte Kleidung, alte Ölschinken und gebrauchte Plattenspieler findet man eher vereinzelt. Man kann das beklagen oder man macht das Beste draus. Denn längst haben die Solinger den Spaß noch stärker in den Mittelpunkt gestellt.

Vorbei sind dadurch sicher auch die Zeiten, in denen morgens um 5 Uhr die ersten Schnäppchenjäger auf der Suche nach der Trödel-Goldader auf der Hauptstraße unterwegs waren. Um diese Zeit hört man heute eher fröhliches Getuschel aus den Ständen, denn Nachtwache muss sein.

FOTOS GESUCHT

LESER-AKTION Die auf dieser Seite gezeigten Fotos sind natürlich nur eine minimale Auswahl aus dem ST-Archiv. Wenn Sie selbst noch Fotos aus 50 Jahren Zöppkesmarkt haben, denn schicken Sie uns diese doch am besten als digitale Datei. Toll wäre, wenn Sie eine kurze Geschichte dazu hätten. Lust aufs Mitmachen? Dann ran ans Privat-Archiv!

Fotos mit Betreff „Leser-Zöppkesmarkt“ nebst Namen und Urheber des Fotos bitte an redaktion@ solinger-tageblatt.de

Wie wird der Zöppkesmarkt in 50 Jahren aussehen? Gibt es dann das vom Solinger Tageblatt gewählte Miss Zöpfchen noch? Bringen bereits fliegende Drohnen die ergatterten Trödel-Schätzchen nach Hause? Trinkt man noch Bier oder was? Zu gerne möchte man heute schon dabei sein. Ab dem 13. September geht’s wieder los.

Zöppkesmarkt wird 50 Jahre alt

1969 Die Solinger hatten offensichtlich großen Spaß, den ersten Zöppkesmarkt zu eröffnen. Da ahnten sie noch nicht, welche Erfolgsgeschichte der Markt schreiben wird. Das Foto entstand auf dem Mühlenplatz, Jahrzehnte einer der Haupttreffpunkte der Trödler, Prominenten, Typen und Wichtigen der Stadt. © ST-Archiv
1969 Der Zöppkesmarkt setzt von Beginn an auf Hilfe, wenn Besucher in Not sind. Das DRK war damals bereits dabei. © ST-Archiv
1969 Miss Zöpfchen wurde früher auf dem Balkon des Kaufhof-Gebäudes proklamiert. Den Damen zu Füßen fanden sich die Massen auf dem Mühlenplatz ein. Wie der Markt, so hat sich auch die Proklamation geändert – geblieben sind die hübschen Gesichter und Zöpfe der Teilnehmerinnen. © ST-Archiv
1973 Schon bei der fünften Auflage des Zöppkesmarktes war klar: Wer gut handelt, der macht auch gute Geschäfte. © ST-Archiv
1974 Milchkanne oder dekorative Porzellanplatte? Wer Hübsches, Nützliches, Hässliches oder Kurioses suchte, der fand es stets auf dem Zöppkesmarkt. Und die passenden und spaßigen Typen natürlich auch © ST-Archiv
1989 Typen machen den Markt aus. Es geht natürlich auch um das Sehen und Gesehenwerden – am liebsten mit viel Humor. © ST-Archiv
1989 Was man nicht braucht, das muss weg. Trödel ganz unterschiedlicher Qualität hat den Markt immer geprägt. © ST-Archiv
1994 Bis heute ungebrochen ist das Interesse der Solinger am Zöppkesmarkt. Heute steht alles etwas luftiger, man kommt besser durch. Früher schob man sich durch die Trödelgassen. © ST-Archiv
1994 Der Zöppkesmarkt verbindet die Menschen – auf ganz unterschiedliche Weise. Freundschaften werden dort geschlossen. Manchmal macht man auch Geschäfte. Und schließlich verlieben sich die Solinger auch auf dem großen Trödelmarkt – Sachen für den Hausstand kann man ja sofort kaufen. © ST-Archiv
1998 Stellvertretend für die Spaßgruppen ein Bild der Taucher. Lustige Truppen sorgen bis heute mit dafür, dass die Solinger den Markt besuchen. © Christian Beier
2014 Reibeplätzchen für den guten Zweck. Bücher für den guten Zweck. Bier für den guten Zweck. Die karitative Idee hat den Einsatz der Menschen auf dem Zöppkesmarkt stets begleitet. © ST-Archiv
2018 Lara Armbrüster erhält bei der Proklamation von Miss Zöpfchen die neue Schärpe. ST-Verleger Bernhard Boll ist stets dabei. Das Solinger Tageblatt veranstaltet die Wahl der schönsten Zopfträgerin natürlich auch in diesem Jahr. © Christian Beier

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