ST-Leserin berichtet von unschönen Szenen

Trinker tummeln sich auf Bahnhofstreppe in Ohligs

Wenn Patienten die Praxis von Ursula Mollenhauer in einem Nebengebäude der Bahn besuchen, müssen sie oft an einer Trinkergruppe auf der Treppe vorbei. Das sorgt für Frust. Foto:
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Wenn Patienten die Praxis von Ursula Mollenhauer in einem Nebengebäude der Bahn besuchen, müssen sie oft an einer Trinkergruppe auf der Treppe vorbei. Das sorgt für Frust.

Eine ST-Leserin beklagt eine unangenehme Situation an einem Nebengebäude der Bahn.

Von Kristin Dowe

Solingen. Als das Tageblatt mit Ursula Mollenhauer am Solinger Hauptbahnhof verabredet ist, zeigt sich mustergültig, was die Leserin vorab der Redaktion geschildert hatte: Auf dem Treppenvorsprung zu einem Nebengebäude der Bahn, das sich direkt neben dem dortigen McDonald’s befindet, tummeln sich ein paar Obdachlose mit Bierflaschen in der Hand. Die Gruppe hat dort ihren neuen Treffpunkt gefunden, seitdem die Stadt eine Sitzbank als Corona-Schutzmaßnahme am Eingang der Ohligser Fußgängerzone vor etwa einem Jahr abmontiert hatte.

„Ich habe grundsätzlich nichts gegen diese Menschen, schon weil ich selbst mit Suchtkranken arbeite und Drogenberatung anbiete“, hält Ursula Mollenhauer fest. Sie betreibt in dem Gebäude an der Bahnstraße, an dessen Eingang sich die Trinkerszene trifft, eine psychologische Praxis. „Aber es ist hier schon oft zu sehr unangenehmen Situationen für mich und meine Patienten gekommen.“

So komme es regelmäßig vor, dass Angehörige dieser Gruppe dort ihre Notdurft verrichteten und Abfälle wie Essensreste und leere Flaschen hinterließen. Auf ihre freundlichen Bitten hin, die Treppe zu verlassen, sei sie schon beschimpft und in einem Fall sogar bedrängt worden. Schon häufiger habe sie in solchen Situationen die Polizei eingeschaltet.

Deren Handlungsmöglichkeiten seien aber begrenzt, erläutert Stefan Weiand, Sprecher der Polizei Wuppertal: „So lange hier kein strafbares Verhalten vorliegt, können die Kollegen nicht eingreifen. Es handelt sich bei der Trinkerszene am Solinger Hauptbahnhof um eine kleine Gruppe von Leuten, die der Polizei auch bekannt ist. Der Bereich wird allerdings täglich mehrfach bestreift.“

Trinkerszene in Solingen: Bahn kündigt an, Hauptbahnhof stärker zu bestreifen

Wenn etwa eine Ordnungswidrigkeit im Raum stehe, würden die Beamten durchaus tätig und sprächen einen Platzverweis aus. „Ein erhöhtes Einsatzaufkommen haben wir dort nicht festgestellt“, so Weiand. „Gelegentlich hat man es auch mit einer hilflosen Person zu tun – dann wird natürlich auch kontrolliert, ob es demjenigen gut geht.“ Während im eigentlichen Gebäude des Hauptbahnhofs sowie an den Gleisen die Bundespolizei zuständig ist, fällt die weitere Umgebung des Hauptbahnhofs wie auch der Trinkertreff an dem Nebengebäude in die Zuständigkeit der Polizeiwache Ohligs. Trotz verschiedener Zuständigkeiten finde aber eine Zusammenarbeit statt.

Auch die Bahn versichert auf Nachfrage, den Bereich rund um den Hauptbahnhof künftig noch intensiver bestreifen zu wollen. „Das Thema ist uns seit kurzer Zeit bekannt. Grundsätzlich handelt es sich aber um ein gesellschaftliches Problem, das die Deutsche Bahn nicht lösen kann“, teilt ein Sprecher mit.

Ähnlich argumentiert Rathaussprecher Daniel Hadrys für die Stadt: „Bahnhöfe und die Nebengebäude sind leider in nahezu jeder Großstadt ein Brennpunkt.“ Der Kommunale Ordnungsdienst werde den Hinweis der Leserin aber zum Anlass nehmen und Kontakt zur Polizei aufnehmen, „um gemeinsam im Rahmen der ordnungspartnerschaftlichen Zusammenarbeit den Bereich regelmäßig zu bestreifen“.

Eine aufsuchende Sozialarbeit oder Streetwork für die Trinkerszene gebe es speziell für diesen Bereich derzeit nicht. „Das Konzept müsste aus fachlicher Sicht auch ein Runder Tisch mit allen Beteiligten sein“, so Hadrys. „Der Stadtdienst Gesundheit wird im weiteren Verlauf der Maßnahmen zum Suchthilfeplan auch diese Fragestellung mitnehmen.“

Sitzbank

Die Stadt hatte die Sitzbank in der Fußgängerzone pandemiebedingt abgebaut, zudem werde sie aktuell auch gewartet und repariert. Wann sie wieder aufgebaut wird, sei zurzeit noch unklar.

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