Solinger Wälder

Totes Gehölz kann beim Waldspaziergang zur Gefahr werden

Tote Fichten brechen in Solinger Wäldern – wie hier südöstlich des Pfaffenbergs – nach und nach ab.
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Tote Fichten brechen in Solinger Wäldern – wie hier südöstlich des Pfaffenbergs – nach und nach ab.

Revierförster geht davon aus, dass es noch das kommende Jahr dauern wird, bis alle Schäden beseitigt sind.

Von Rainer Lange

Solingen. Zuerst ist ein heftiges Knacken zu hören, es folgt ein sausendes Geräusch und dann schlägt die Fichte mit einem lautem „Wusch“ auf. Die vielen toten Fichten in Solingens Wäldern, zum Beispiel süd-östlich des Pfaffenbergs brechen nach und nach einfach ab, ohne dass ein Sturm die Ursache wäre. Bei einigen Bäumen fällt nur die Krone heraus. Bei vielen geschieht das Abknicken in rund zwei Metern Höhe.

Welche Gefahr bedeutet dies für Besucher der Wälder?

Der Solinger Revierförster Benjamin Klask sagt hierzu: „Unser Ziel ist es natürlich, diese Gefahren zu minimieren.“ Wer im Wald unterwegs sei, sollte grundsätzlich aufmerksam sein. Er weist auf die „für Wald und Natur typischen Gefahren“ hin, die auszuschließen seien. Dazu zählt er umstürzende oder umgestürzte Bäume, Ast- und Kronenbrüche, aber auch Schlaglöcher im Waldweg. Auch wenn sich der Stadtdienst Natur und Umwelt mit der zuständigen Fachabteilung Wald- und Landschaftspflege darum intensiv kümmere: „Alle Gefahren können wir nicht beseitigen und die Stadt als Waldeigentümerin haftet in solchen Fällen auch nicht.“ Im Bundeswaldgesetz sei festgehalten: „Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung erfolgt grundsätzlich immer auf eigene Gefahr.“

Was wird gegen den Bruch toter Fichten unternommen?

„Flächen, auf denen es durch Massenerkrankungen zu großflächigen Ausfällen kommt – werden stetig nach Priorität bearbeitet“, erklärt der Revierförster. Dabei seien die Arbeiten sehr umfangreich, so dass noch etliche Flächen anstehen. „Abgestorbene Fichten in der Nähe von Wegen werden auf jeden Fall gefällt, aber das ist noch nicht überall erledigt“, betont Klask. Ein Grund ist das Ausmaß der Schäden in den vergangenen drei Jahren. Hitze und Trockenheit haben auch im Solinger Stadtwald immense Spuren hinterlassen. Die Fichten leiden durch Borkenkäferbefall besonders, das ist auch dem Laien ersichtlich. Aber auch Laubbaumarten seien betroffen. Außerdem waren die Forstarbeiter nach dem Juli-Hochwasser 2021 und nach den Orkanböen im Februar 2022 lange mit zusätzlichen Aufräumarbeiten beschäftigt.

Wann ist mit einer Beseitigung des Totholzes zu rechnen?

Der Revierförster schätzt, dass es noch das kommende Jahr dauern werde, bis alle Schäden beseitigt sind: „Die Herausforderungen waren und sind groß: Forstliche Dienstleister und forsttechnische Ausrüstung sind schwer verfügbar. Der Borkenkäferbefall und die Dürre zeigen ja überall Folgen, nicht nur in Solingen.“ Zudem gebe es auch in diesem Bereich einen Fachkräftemangel und Lieferschwierigkeiten bei Neu-Fahrzeugen und Ersatzteilen.

Gibt es Folgen für den heimischen Tourismus?

Solingens Wanderwege sind ein wesentlicher Bestandteil für den Tourismus. Der Revierförster verneint, dass Flächen toter Fichten zu einem negativen Erscheinungsbild der Klingenstadt führen: „Solingen verfügt über ein hervorragendes Wanderwegenetz, daran ändert auch die derzeitige Situation nichts. Negative Auswirkungen auf den Tourismus befürchten wir nicht.“ Der Wald biete sehr unterschiedliche Bilder und dies ist „optisch reizvoll und der Erholungswert ist groß.“ „Das Ökosystem Wald ist grundsätzlich immer von Veränderungen geprägt. Manche Prozesse laufen schnell ab, wie jetzt nach dem Borkenkäferbefall oder auch durch Sturm, andere langsam, etwa durch den ungestörten Lebenszyklus eines Baumes“, erklärt Benjamin Klask.

Wie hat der Wald eine Zukunft?

Der Fachmann sieht Chancen: „In den letzten zwei Jahren sind etliche Waldflächen wieder mit vielfältigen heimischen, klimastabilen Baumarten bepflanzt worden, und es haben sich ökologisch wert-volle Flächen entwickelt.“ Insgesamt sieht er auch positive Entwicklungen bei den Bürgerinnen und Bürgern. Die Menschen identifizierten sich mit „ihrem“ Wald und entwickeln ein stärkeres Naturbewusstsein. Dies zeige sich in bürgerschaftlichem Engagement wie zum Beispiel bei Pflanzaktionen im „Blauen Wald“ oder beim Dreck-Weg-Tag.

Geht Forstwirtschaft ökologisch?

Bereits seit mehreren Jahrzehnten habe sich die Stadt Solingen freiwillig entschieden, sich durch das „Programme for the Endorsement of Forst Certification Schemes“ (PEFC) forstlich zertifizieren zu lassen. „Dies ist ein Wald-Tüv. Diese Zertifizierung legt Wert auf Biotopholz, etwa Horst- und Höhlenbäume, liegendes und stehendes Totholz und besondere Altbäume“, erläutert der Revierförster. Zusätzliche unbewirtschaftete Bereiche seien ökologisch betrachtet sehr wertvoll, vor allem im Hinblick auf eine hohe Biodiversität. Trotzdem heißt es weiter: Augen und Ohren auf, damit ein brechender Baum nicht zur Gefahr beim Wandern wird.

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