Soloprogramm begeistert

Torsten Sträter ist der Erzähler unter den Comedians

Drei Stunden lang stand Torsten Sträter in Solingen auf der Bühne. Nach 23 Uhr nahm er sich anschließend am Büchertisch noch Zeit für seine Fans. Archivfoto: Michael Schütz
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Drei Stunden lang stand Torsten Sträter in Solingen auf der Bühne. Nach 23 Uhr nahm er sich anschließend am Büchertisch noch Zeit für seine Fans.

Torsten Sträter begeisterte mit „Schnee, der auf Ceran fällt“ im ausverkauften Großen Konzertsaal.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Den Anblick gab es lange nicht mehr. Mit 1022 Zuschauern war der Große Konzertsaal im Theater und Konzerthaus am Donnerstagabend komplett ausverkauft. Der Comedian Torsten Sträter machte Corona dann auch sofort zum Thema. „Entschuldigung, ich bin zwei Jahre zu spät“, verwies er darauf, dass sein Programm „Schnee, der auf Ceran fällt“ schon 2019 gestartet und sein Auftritt in Solingen vom Cobra-Kulturzentrum für September 2020 geplant gewesen war.

Über drei Stunden lang machte Sträter dann das, was er immer macht und was er beherrscht wie kein anderer. Er fängt einfach mal an zu reden, über den verkorksten Corona-Sommer, über Olympia – „das habe ich geguckt, bis das Pferd verdroschen wurde“ – und über seine Biontech-Impfung – „Mensch, was war ich froh, ich hab mir extra was Schönes angezogen“.

Dass er, wie viele Kunstschaffende, unter der Pandemie gelitten hat, daraus macht er keinen Hehl. „Während des Lockdowns, als man um 22 Uhr zu Hause sein musste, habe ich manchmal beim Gesundheitsamt angerufen und gefragt, ob ich auch schon um 21 Uhr ins Bett gehen kann, so langweilig war mir.“

Torsten Sträter blieb auch in seinem dritten Soloprogramm seinem Stil treu.

Torsten Sträter blieb auch in seinem dritten Soloprogramm seinem Stil treu. Er ist der große Erzähler, er plaudert drauf los, als träfe er bei sich zu Hause in Waltrop den Nachbarn oder den Mathias aus dem Fitness-Studio. Dabei lässt er sich von sich selbst immer wieder gerne ablenken – von dem rutschigen Stuhl auf der Bühne („Den nagel ich in der Pause erstmal an“) oder von dem Zuschauer in der ersten Reihe mit dem reflektierenden T-Shirt.

„Ich fang nochmal von vorne an“, weist er sich selbst zurecht – oder ans Publikum gerichtet „Gibt’s Fragen bis hierhin?“ Sträter kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, scheint sich zu verfransen, ringt dem Publikum mit seinen Wortspielen aber immer wieder höchste Konzentration ab.

Die leisen Zwischentöne nimmt man ihm sofort ab

Etwa, wenn er  von   seinem 18-jährigen Sohn erzählt – „eigentlich hatte ich ihm versprochen, dass ich ihn in meinen Programmen nicht mehr erwähne“. Und ehe das Publikum oder er selbst sich versieht, wird es plötzlich ernst. Ohne Übergang kommt er vom launigen Geplauder auf seinen Vater, der ihn als Kind geschlagen hat, und über den er erst mit 52 Jahren erfahren hat, dass er nicht sein leiblicher Vater war. Leise Zwischentöne, die man ihm sofort abnimmt. Auch die Sorge um seinen Sohn, der jetzt den Führerschein hat und mit dem eigenen Auto unterwegs ist. „Deshalb bin ich auch für Tempo 120 oder 130. Ich mach mir echt Sorgen.“

„Aber die Geschichte zerfasert“, ermahnt er sich dann wieder. Und ist scheinbar ohne Übergang in wenigen Sekunden von der Erinnerung an das Festnetz-Telefon zu Hause mit der Brokat-Husse beim Instagram-Influencer-Dasein. „So was will mein Sohn nach dem Abi machen, aber das ist doch kein Beruf.“

Ein kleiner Tisch auf der Bühne, eine Tasse Kaffee und sein I-Pad, aus dem er gar nicht vorliest. Der Mann erzählt vom Zwischenmenschlichen, die große Politik lässt er außen vor – bis auf einen Einwurf: „Armin Laschet hätte schon vor Stunden gelacht.“ Nur scheinbar verzettelt er sich, nach Gag-Schleifen und Extra-Stories bekommt jede Geschichte doch noch ein Ende. Meistens.

Das war Torsten Sträters zweites Soloporgramm.

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