Behörden sind alarmiert

Tödlicher Pilz bedroht bergische Feuersalamander

Wie gesunde Feuersalamander aussehen, zeigt dieses Bild.
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Wie gesunde Feuersalamander aussehen, zeigt dieses Bild.

Zum Jahreswechsel wurden zwischen Burg und Müngsten mehr als 100 tote Amphibien gefunden.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Die Feuersalamander-Population im Bergischen ist in Gefahr. Zum Jahreswechsel gingen bei den Unteren Naturschutzbehörden Solingen und Remscheid sowie der Biologische Station Mittlere Wupper mehrere Meldungen über tote Feuersalamander ein. Laboruntersuchungen brachten Gewissheit: Die Tiere starben an Batrachochytrium salamandrivorans (kurz BSal). Damit ist klar, dass sich der Amphibien-Hautpilz auch im Bergischen ausbreitet. Dr. Jan Boomers beobachtet diese Entwicklung mit großer Sorge: „Wir befürchten, dass es hier in einigen Jahren keine Feuersalamander mehr geben könnte“, sagt der Geschäftsführer der Biologischen Station.

Es wird angenommen, dass BSal durch asiatische Molche nach Europa eingeschleppt wurde. Die Wissenschaft beschrieb den Chytridpilz erstmals 2013, aufgefallen ist er zunächst in der niederländischen Provinz Limburg. Von dort aus breitete er sich nach Belgien und in die Eifel aus. 2017 trat BSal in Essen auf, im Frühjahr 2020 im Bereich Kohlfurth. Nun wurden an Wupperhängen zwischen Burg und Müngsten etliche tote Tiere gefunden. Boomers berichtet von rund 20 auf Remscheider Stadtgebiet und bis zu 100 auf Solinger Seite.

Bei erkrankten Exemplaren sind großflächige Hautnekrosen erkennbar, die der Amphibien-Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans auslöst.

Noch im Herbst waren die Unteren Naturschutzbehörden der bergischen Großstädte und die Biologische Station hoffnungsvoll. Bei einer flächendeckenden Kartierung und Beprobung der Lurche wurden keine Fälle bekannt, alle Tiere wirkten vital. Binnen weniger Wochen hat sich die Situation verändert.

„Das ist beunruhigend“, erklärt Boomers. Zwar sei der Ausbruch gerade erst nachgewiesen worden. Allerdings wisse man aus der Eifel und dem Ruhrgebiet, wie rasant sich BSal verbreitet. Befällt der Hautpilz einen Feuersalamander, kommt das einem Todesurteil gleich. Mehr als 96 Prozent der betroffenen Tiere sterben nach 10 bis 14 Tagen. Der Pilz kann auch andere Amphibien befallen, etwa Molche. Noch ist aber nicht klar, ob die Tiere ebenfalls schwer erkranken. Im Bergischen kommen Berg-, Kamm-, Teich- und Fadenmolche vor.

„Wir befürchten, dass es hier in einigen Jahren keine Feuersalamander mehr geben könnte.“
Dr. Jan Boomers, Leiter der Biologischen Station Mittlere Wupper

Der Pilz verbreitet sich über Sporen. Die werden entweder direkt von Feuersalamander zu Feuersalamander übertragen. Doch auch der Mensch kann sie weitertragen. „Wenn Wanderer Sporen an ihren Schuhen haben, können sie den Pilz in Gebiete schleppen, die bislang nicht betroffen waren“, nennt Boomers ein Beispiel.

Deswegen appellieren Naturschutzbehörden und Biologische Station, Schuhe vor dem Waldspaziergang gründlich zu reinigen und zu desinfizieren, etwa mit Ethanol. Außerdem sollen Fußgänger, Radfahrer und Reiter auf befestigten Wegen bleiben und nicht in Land- und Wasserlebensräume von Amphibien vordringen. Die Experten empfehlen, Hunde insbesondere im Wald anzuleinen und die Vierbeiner nicht an Bäche, Uferbereiche, Teiche, Tümpel und wassergefüllte Wagenspuren zu lassen. Die Verantwortlichen wollen mit Hinweisschildern auf die Gefahr aufmerksam machen.

„Zur Zeit ist der Feuersalamander hier noch sehr weit verbreitet“, betont Jan Boomers. Allein zwischen Burg und Müngsten geht er von rund 1000 Tieren aus. Der Biologe hofft, dass das Bergische Land auch in Zukunft ein Lebensraum für die Schwanzlurche bleibt.

Tote Tiere melden

Wer einen toten oder tagaktiven Feuersalamander findet, sollte das schnellstmöglich melden. Hilfreich wären Fotos des Tieres sowie die genauen Fundpunktkoordinaten. Laien sollten die Lurche keinesfalls anfassen oder vom Fundort entfernen. Es ist möglich, den Fund bei der Unteren Naturschutzbehörde unter Tel. 2 90 65 79 oder per Mail zu melden. Zudem bietet die Biologische Station Mittlere Wupper ein Online-Meldesystem an.

www.bsmw.de

m.klause@solingen.de

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