Montagsinterview

Tina Julia Thiermann: „Die Rückkehr in die Kitas ist wichtig“

Tina Julia Thiermann ist seit 2017 Geschäftsführerin des Paritätischen, der Träger von 32 Kitas in Solingen ist. Foto: Christian Beier
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Tina Julia Thiermann ist seit 2017 Geschäftsführerin des Paritätischen, der Träger von 32 Kitas in Solingen ist.

Tina Julia Thiermann, Geschäftsführerin des Paritätischen, hat die Kita-Situation im Blick.

Von Simone Theyßen-Speich 

Frau Thiermann, wie viele Kitas hat der Paritätische in Solingen oder betreut sie als Dachverband?

Tina Julia Thiermann: Von 92 Solinger Kindertagesstätten werden 75 Einrichtungen von Wohlfahrtsverbänden, Initiativen oder Kirchen betrieben. Davon sind 32 Einrichtungen in Trägerschaft von Paritätischen Mitgliedsorganisationen, viele davon sind Elterninitiativen. Fünf Einrichtungen betreiben wir mit unseren beiden gemeinnützigen Gesellschaften selbst.

Wie sind die vergangenen Wochen während der Corona-Einschränkungen in den Kitas gelaufen?

Thiermann: Mit der Schließung der Einrichtungen am 16. März und der Notbetreuung sind alle Beteiligten vor große Herausforderungen gestellt worden. Es war ein erheblicher Kraftaufwand notwendig, um die Verordnungslagen immer in sehr kurzem Zeitkorridor umsetzen zu können. Dass dies funktioniert hat, ist der guten Zusammenarbeit von Stadt und Trägern und dem hohen Engagement der Mitarbeiter zu verdanken. Sie haben zusätzlich zum Einsatz in den Kitas auch Kontakt zu den Familien gehalten, die keinen Anspruch auf Notbetreuung hatten, haben Spielideen und Videos digital geschickt. Die schrittweise Öffnung ab dem 14. Mai war wichtig für die Familien, die durch den Wegfall der Betreuung vor erhebliche Probleme gestellt wurden. Trotzdem gab es größtenteils viel Verständnis der Eltern.

Wie hat der Einstieg in die dritte Rückkehrstufe seit vergangenem Montag funktioniert?

Thiermann: Insgesamt ist der Wiedereinstieg sehr gut gelaufen. Die Erleichterung und Freude bei den Kindern, Eltern und Mitarbeitern war deutlich spürbar. Natürlich ist vieles anders. Viele Kinder sind seit drei Monaten das erste Mal wieder in der Einrichtung und müssen sich erst an die ungewohnte Situation gewöhnen. Seit einer Woche sind alle Kinder wieder im eingeschränkten Regelbetrieb, das heißt, dass die Betreuungszeiten um jeweils zehn Stunden reduziert sind. Das war nötig, um der eventuell reduzierten Personalsituation gerecht zu werden. Die Kitas können aber entsprechend der individuellen Situation einen Antrag stellen, diese Betreuungszeiten zu erhöhen oder zu reduzieren. Die Standards im Rahmen des Infektionsschutzes verändern natürlich die pädagogische Arbeit.

Wurden die Gruppengrößen geändert?

Thiermann: Die Notgruppen waren auf maximal zehn Kinder begrenzt. Jetzt, im eingeschränkten Regelbetrieb, sind die Gruppengrößen nicht mehr reduziert, aber es gibt nur feste Gruppen mit mindestens einer Fachkraft. Die Gruppen sind räumlich getrennt, dürfen sich nicht gegenseitig besuchen. Es gibt gestaffelte Anfangs- und Endzeiten sowie verschiedene Eingänge für die Gruppen, wo es möglich ist.

Wie kann man bei Drei- bis Sechsjährigen oder noch jüngeren Kindern Hygienekonzepte umsetzen?

Thiermann: Die Umsetzung der Hygienekonzepte ist mit viel Aufwand verbunden. Die pädagogische Arbeit muss sich anpassen. Grundsätzlich kann man diese Maßnahmen den Kindern aber vermitteln, wichtig sind dabei kindgerechte Regeln und Rituale. Die Kreativität der Pädagogen ist da gefragt, die Dinge in den pädagogischen Alltag einzubeziehen. Ein Beispiel: Beim Thema Handhygiene hilft eine kleine Zeichnung auf dem Handrücken der Kinder, die sie beim ersten Händewaschen vor Gruppenbeginn bekommen. Die „kleine Waschmaus“ verschwindet dann im Laufe der Gruppenzeit beim richtigen Händewaschen wieder. Auch Bewegungsangebote – mit Abstand – sind nach der langen Pausenzeit extrem wichtig.

Wird vermehrt draußen gespielt, um Ansteckungen zu reduzieren?

Thiermann: Ja, in jedem Fall. Die Empfehlung lautet, dass aufgrund der geringeren Aerosolbelastung verstärkt der Außenbereich genutzt werden soll. Die Gruppen haben dabei jeweils eigene Zeitfenster, so dass auch hier der Kontakt zwischen den Gruppen vermieden wird. Wir haben als Paritätischer auch Handreichungen und Beispiele zur Umsetzung an die Einrichtungen gegeben, die individuell angepasst werden.

Haben Sie als Träger auch finanzielle Einbußen?

Thiermann: Das Land und die Stadt haben die Durchfinanzierung der öffentlichen Kita-Förderung trotz Betretungsverbot zu einem frühen Zeitpunkt zugesagt. Grundsätzlich hatten wir an dieser Stelle damit keine Ausfälle. Anders ist das beim Essensgeld. Kitas, die von Caterern beliefert werden, haben versucht, diese Verträge zu reduzieren. Durch Personalkosten für Küchenkräfte, die sonst über das Essensgeld finanziert werden, entstand hingegen ein Defizit.

Sind jetzt für die Sommerferien andere Regelungen geplant?

Thiermann: In der Regel sind die Kitas in den Sommerferien zwei bis drei Wochen geschlossen. Diese Schließzeiten zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten, ließe sich aufgrund von Urlaubsansprüchen der Mitarbeiter, die teils auch Kinder haben, die versorgt werden müssen, nur schwer umsetzen. Wie in den vergangenen Jahren wird es aber eine Notbetreuung von kooperierenden Kitas geben. Hierzu sind wir untereinander gut im Austausch.

Sind in den Kitas Reihentests vorgesehen, wie sie etwa in Altenheimen geplant sind?

Thiermann: Das ist mir nicht bekannt, die Ergebnisse wären ja auch immer nur tagesaktuell. Wichtiger ist, dass die Erzieher sehr auf Erkältungssymptome der Kinder achten.

Zur Person

Privat: Tina Julia Thiermann ist 34 Jahre alt und verheiratet.

Beruflich: Die studierte Ethnologin war zuletzt als Fachberaterin beim Paritätischen in Wuppertal tätig. Sie ist seit 2017 Geschäftsführerin des Paritätischen in Solingen.

An den Grundschulen wird wieder unterrichtet. Auch die Kindertagesstätten haben neben der Notbetreuung mit der Wiederaufnahme des Betriebs begonnen.

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