Veranstaltungsreihe „Aufbruch jetzt“

Tim Kurzbach prognostiziert die Zukunft der Kirche als dramatisch

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (r.) war in seiner Funktion als Vorsitzender des Diözesanrates des Kölner Erzbistums Gesprächspartner des Journalisten Daniel Morsbach. Foto: Michael Schütz
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Oberbürgermeister Tim Kurzbach (r.) war in seiner Funktion als Vorsitzender des Diözesanrates des Kölner Erzbistums Gesprächspartner des Journalisten Daniel Morsbach.

Auftakt der Veranstaltungsreihe „Aufbruch jetzt“ in der Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis.

Von Wolfgang Günther

Solingen. Der Flyer zur Aktion „Aufbruch jetzt“ zeigt eine bröckelnde Mauer vor den Türmen des Kölner Doms. „Damit wollen wir den Zustand unserer Kirche symbolisieren, der uns große Sorgen macht“, sagte am Dienstagabend Sabina Vermeegen, Engagementförderin der Pfarrgemeinde St. Sebastian in der Merscheider Kirche St. Mariä Empfängnis.

Die Ortsausschüsse der Pfarrgemeinde hatten dem Erzbistum Köln bereits mit einer Postkartenaktion die Rote Karte gezeigt. Die neue Veranstaltungsreihe soll als weiterer Baustein zur Veränderung der katholischen Kirche beitragen, in der viele Probleme aufgearbeitet und aufgeklärt werden müssten.

Zum Gespräch mit dem Journalisten Daniel Morsbach kam Tim Kurzbach in die mit etwa 80 Interessenten sehr gut besuchte Kirche. Der Solinger Oberbürgermeister ist von Kindesbeinen mit der katholischen Kirche aufgewachsen, er war Messdiener und hat später Jugendeinrichtungen geleitet. „Unsere Kirche war immer ein warmer Ort der Gemeinschaft für mich, in der Menschen frei und offen miteinander umgingen“. Seit sieben Jahren ist Kurzbach Vorsitzender des Diözesanrates des Kölner Erzbistums. Es wird von Kardinal Rainer Maria Woelki geleitet, dessen Führungsstil im Zusammenhang mit dem Missbrauchsgutachten heftig kritisiert wird. „Die ersten Nachrichten über den Missbrauch durch Pfarrer haben mein Grundvertrauen in unsere Kirche zutiefst erschüttert“, erklärte Kurzbach, betonte aber, dass er an seinem Glauben festhalte, schließlich glaube er an Gott und nicht an die Einrichtung Kirche.

„Wir können aber den Kardinal nicht für alles verantwortlich machen.“

Tim Kurzbach, Diözesanratsvorsitzender und OB

„Seit elf Jahren arbeiten wir jetzt den Missbrauch, diese Pervertierung christlich Glaubens, auf. Von der Leitung des Bistums kommt dabei wenig Unterstützung“, berichtete Kurzbach, und brachte mit der Stellung der Frau in der Kirche sowie der Behandlung von geschiedenen und homosexuellen Menschen weitere Themen zur Sprache. „Unsere Kirche kann so nicht bleiben, die Austritte häufen sich, das wird dramatisch werden“. Kurzbach hat mit Kardinal Woelki in vielen Gesprächen diese Probleme diskutiert. „Wir können aber den Kardinal nicht für alles verantwortlich machen, und Personaldebatten führen zu nichts“, meinte der OB; auch mit den beiden Gesandten aus dem Vatikan, die im Juni diesbezüglich nach Köln kamen, hat er gesprochen.

Für Kurzbach liegt die Zukunft der Kirche in einer glaubwürdigen Arbeit der Gemeinden, bei der niemand ausgeschlossen wird, und kleine Erfolge schon viel bedeuten können. „Das gilt auch für unsere Pfarrgemeinde St. Sebastian, denn hier ist auch meine Heimat in der Kirche“, meinte der in Ohligs geborene OB, bevor noch Zeit für zahlreiche Besucherfragen blieb.

Termine: „Aufbruch jetzt“ wird fortgesetzt mit einer Aktionswoche der Katholischen Frauengemeinschaft vom 20. bis 26. September, am 25. September gibt es einen Kulturabend im Pfarrheim Liebfrauen, Wiefeldicker Straße. Am 22. November, 19.30 Uhr, gibt es ein Gespräch mit Simon Linder, Referent für Kirchenpolitik beim BDKJ in St. Mariä Empfängnis, wieder moderiert von Daniel Morsbach.

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