Fehlende Schutzscheiben

Ticketverkauf in allen Bussen ab März

Solange keine Schutzscheibe in einem Bus eingebaut ist, werden Fahrer wie Tim Balos durch eine provisorische Folie geschützt, wie er dem ST bereits im Oktober zeigte. Das macht aber einen Verkauf von Fahrkarten unmöglich. Foto: Christian Beier
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Solange keine Schutzscheibe in einem Bus eingebaut ist, werden Fahrer wie Tim Balos durch eine provisorische Folie geschützt, wie er dem ST bereits im Oktober zeigte. Das macht aber einen Verkauf von Fahrkarten unmöglich.

Wegen fehlender Schutzscheiben können in einigen Bussen der Solinger Stadtwerke noch immer keine Fahrkarten gekauft werden.

Solingen. Knapp ein Jahr nach Beginn der Pandemie ist es noch immer nicht möglich, in allen Bussen der Solinger Stadtwerke Fahrkarten zu kaufen. Auf so manchen Bussen prangt noch der Aufkleber: „Hier kein Ticketverkauf“. Grund ist der Corona-Schutz für die Busfahrer des Verkehrsbetriebs der Stadtwerke – beziehungsweise das Fehlen von Schutzscheiben. Deshalb sind noch einige Fahrer mit einer Plastikplane vom Rest des Busses abgetrennt und ein Einstieg vorne – und damit ein Ticketkauf – ist nicht möglich.

Eigentlich hätte bereits zum 1. November in allen Fahrzeugen der Ticketkauf beim Fahrer wieder möglich sein müssen. Das war eine Vorgabe des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR). „Tatsächlich hängt der Einbau der Schutzscheiben in den Autobussen zeitlich hinterher. In allen O-Bussen ist der Verkauf von Barfahrausweisen seit Mitte November möglich“, sagt Silke Rampe, Sprecherin des Verkehrsbetriebs. Die Verzögerung wog für viele Fahrgäste schwer, weil die Stadtwerke in den vergangenen Jahren die meisten Fahrkartenautomaten in der Stadt abgebaut haben. Fahrkarten gibt es noch in den Kundencentern, an Kiosks und in anderen Geschäften.

Solingen: Alle Verkehrsunternehmen benötigten zeitgleich Schutzscheiben

Gründe für die Verzögerungen beim Einbau der Scheiben seien Corona-Fälle bei der zuliefernden Firma gewesen, zudem machte auch die Materialbeschaffung Probleme. „Eine erste Verzögerung gab es schon im letzten Jahr, da alle Verkehrsunternehmen nahezu zeitgleich Scheiben, Zubehör und Fachleute zum Einbau der Scheiben benötigten“, so Rampe.

Selbstverständlich wolle der Verkehrsbetrieb in allen Fahrzeugen wieder den Fahrkartenverkauf anbieten. Man plane, mit der kompletten Autobusflotte zeitgleich zu starten – so wie bei den O-Bussen. „Dies wird im Laufe des März möglich sein. Der Mustereinbau in den verschiedenen Bustypen ist erfolgt“, erklärt Rampe. In der vorigen Woche sollte mit dem Einbau von Schutzscheiben in den ersten Autobussen begonnen werden.

Der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke – wie der Öffentliche Nahverkehr generell defizitär – hat in der Corona-Pandemie mit hohen Einbußen bei den Einnahmen zu kämpfen. Absolute Fahrgastzahlen für 2020 kann Sprecherin Rampe nicht nennen, aber: „Abgeleitet von den Verkäufen im Barsortiment liegt für das gesamte abgelaufene Jahr ein Rückgang der Fahrgäste von 42,1 Prozent vor.“ Besonders auffällig sei die Lage im April 2020 gewesen. Da waren nur noch 18 Prozent der sonst üblichen Anzahl an Fahrgästen mit Bussen in der Klingenstadt unterwegs. Über 24 Millionen Fahrgäste nutzen laut der Stadtwerke Jahr für Jahr die Busse des Verkehrsbetriebs.

Standpunkt: Es ist höchste Zeit

Von Björn Boch

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Schon seit Beginn der Pandemie zeigt ein Blick in die Busse des Verkehrsbetriebs, dass die Nachfrage stark gesunken ist. Klar: Wer kann, meidet die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, um ein weiteres Ansteckungsrisiko zu vermeiden. Wer dennoch mitfahren will, bekommt in manchem Bus noch heute kein Ticket. Es ist gut – und höchste Zeit –, dass sich das endlich ändert. Schon lange vor der Pandemie wurde leidenschaftlich um die Ausrichtung des ÖPNV gestritten. Während die einen den Ausbau des Angebots gefordert haben, wollten andere bei Linien und Fahrzeiten eher ausdünnen, um das Defizit möglichst klein zu halten. Ob es zu wenige Fahrgäste gibt, weil das Angebot nicht attraktiv genug ist, oder es sich nicht eher umgekehrt verhält: Auch bei den „Öffis“ wurde die Henne-Ei-Diskussion geführt. Die Debatten um Klimawandel und Nachhaltigkeit spielen den Befürwortern von Bus und Bahn nun in die Hände. Doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Alle Beteiligten werden sich nicht zuletzt Gedanken machen müssen, wie man die Fahrgäste, die wegen Corona abgewandert sind, wieder zurück in die Busse bekommt.

Der VRR schlägt sogenannte „Mobilstationen“ für Solingen vor und will 13 Haltestellen aufrüsten.

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