Theologen laden im ST zur Andacht ein

Andacht im ST: So gut wie wir es eben können

Bernd Reinzhagen ist seit 1997 in der Evangelischen Kirchengemeinde Wald tätig. Fotos: stp/cb
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Bernd Reinzhagen ist seit 1997 in der Evangelischen Kirchengemeinde Wald tätig.

Bernd Reinzhagen spricht über Erfolg und Versagen in der Andacht im ST.

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Martin Luther starb, fand man auf seinem Schreibtisch einen letzten Satz, kurz vor seinem Tod geschrieben: „Wir sind Bettler, das ist wahr“. Es ist wie ein Vermächtnis, dieser Satz: Wir haben nichts, womit wir vor Gott bestehen könnten. Wir können ihm nichts geben. Wir können nur dankend empfangen. Das war es, was Luther ein Leben lang den Menschen predigte: „Wir sind Bettler, das ist wahr.“

Das klingt ganz anders als unsere Vorstellung von einem guten, schönen Leben. Wir träumen davon, erfolgreich zu sein. Die Jugendlichen träumen davon, bei „Deutschland sucht den Superstar“ groß rauszukommen oder beim BHC in der ersten Mannschaft zu spielen. Und ganz wenige schaffen es auch und werden berühmt und erfolgreich. Aber für die meisten von uns bleibt das alles höchstens ein Traum. Wir sind halt ganz normale Menschen, mehr oder weniger zufrieden mit dem Leben, das wir haben. Wir versuchen, unsere Sache so gut zu machen, wie wir eben können. Manchmal gelingt uns, was wir uns vorgenommen haben. Manchmal geht es daneben.

Das Seltsame ist: Auch Gott, als er in Jesus zu uns Menschen auf die Welt kam, war alles andere als ein Superstar, so wie wir ihn uns vorstellen. Er war so arm, dass er als Kind in einer Krippe schlafen musste. Die ersten, die von seiner Geburt hörten, waren nicht hochangesehene Weisen und Schriftgelehrten. Nein, es waren Hirten, mit denen niemand etwas zu tun haben wollte, Außenseiter, raue Gesellen. Vielleicht konnten nur sie wirklich erfassen, was das heißt: Gott wird einer von uns. Er kommt eben nicht als einer der Großen und Mächtigen, sondern ganz klein. Nicht mit Staatskarosse und Air Force One.

Und auch am Ende seines Lebens steht Jesus da wie ein Versager: Verurteilt zum Tod am Kreuz als Schwerverbrecher. Das soll der Messias sein? Der Retter der Menschheit? Niemals! So sagen viele der Menschen damals und auch noch heute. Der Messias, das ist der Gesalbte Gottes, der das Großreich Israels wieder errichten wird, als ein Nachkomme von König David. Der die Besatzungsmacht der Römer aus dem Land vertreiben und Israel wieder in die politische Selbstständigkeit und eine neue Blüte führen wird.

Bernd Reinzhagen

Ein Ärgernis für die Juden ist er, dieser gekreuzigte Messias. Gott macht aus dem Kleinen, Unbedeutenden etwas Großes. Aus dem Menschen Jesus, der vor der ganzen Welt als ein Gescheiterter dasteht, macht er den Sohn Gottes, den Messias, den Auferstandenen, der den Tod für uns besiegt hat. Und so begegnet er auch uns: Aus kleinen, oft unbedeutenden Menschen wie dir und mir macht er Menschen, die etwas bewirken können in ihrem Lebensumfeld. Sei es in der Familie, auf der Arbeit oder in und für die Gesellschaft.

Aber selbst das zählt vor Gott überhaupt nichts. Beim lieben Gott bekommt man keine Bonuspunkte oder Fleißkärtchen für tolle Taten. Kein Mensch kann sich vor Gott rühmen, dass er Gottes Willen vollkommen gerecht wird. Kein Mensch kann von sich sagen, dass er Gottes Gebote vollkommen erfüllt. Für Gott zählt nicht, was wir leisten, ob wir Superstars sind oder arme Schlucker, ob wir reich und angesehen sind oder einsam und verbittert. Für ihn zählt nur eines: Dass wir zu ihm gehören. Dass wir in seinem Namen als Christenmenschen leben und versuchen Gutes zu tun, für den Frieden eintreten, Gerechtigkeit üben, die Schöpfung bewahren. Und das mit all unserer kleinen Kraft.

Wir sind Bettler vor ihm, die ganz und gar auf seine Gnade angewiesen sind. Und vielleicht macht es das eigene Leben leichter, nimmt Druck von uns, wenn wir das für unser Leben begreifen. Das wir geliebt sind bei Gott, so wie wir sind. Gott sei Dank, kann ich da nur sagen!

Ihnen eine gesegnete Woche!

Ihr Bernd Reinzhagen

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