Schund und Tragödie

Theaterprojekt zeigt gesellschaftliche Probleme

Rund 60 Schüler sahen in der gestrigen Aufführung das packende Spiel des Jugendtheaters.
+
Rund 60 Schüler sahen in der gestrigen Aufführung das packende Spiel des Jugendtheaters.

Das Theater und Konzerthaus präsentierte in einer Koproduktion das Stück „Trashedy“.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Es sei durchaus nicht schön, dass das Stück „Trashedy“ nach zehn Jahren Tournee über internationale Bühnen aktueller denn je sei, gab Akteur Daniel am Ende zu, als es nach dem Schlussapplaus in die Gesprächsrunde mit dem jungen Publikum ging. Rund 60 Schülerinnen und Schüler der Friedrich-Albert-Lange-Schule und des Humboldtgymnasiums waren mit ihren Lehrern zur Aufführung ins Theater und Konzerthaus gekommen, verfolgten aufmerksam das Geschehen im Rampenlicht und stellten danach eifrig Fragen an die Protagonisten. Es handelte sich um eine von zwei Veranstaltungen der Reihe „Theater 4.0“.

45 Minuten hatten Daniel und seine Kollegin Marie-Lena als Darsteller der „Performing:group“ in der WMTV-Halle das Erfolgsstück zelebriert, das er mit Kollegen 2012 entwickelt hatte – und das nach wie vor nichts an Relevanz verloren hat. „Trashedy“ ist ein Kunstwort aus den beiden Begriffen „Trash“ für „Schund“ und „Tragedy“ für Tragödie. „Es ist alles noch schlimmer geworden“, war einhelliger Tenor der Schülerschar auf die Frage, ob sie mit diesem Thema heute noch etwas anfangen könnten.

In einer Mischung aus Spiel, Pantomime und Tanz waren die beiden Akteure über die Matte vor der großen Hallenbühne gewirbelt, ergänzt durch mediale Mittel wie Audios, Videoclips von Comic- Zeichnungen, Klang-Collagen und Musik.

Trashedy: Darum geht es

Auf ihre spezielle Weise gingen sie damit im Zeitraffer der menschlichen Evolutionsgeschichte nach, vom ersten Wasserwesen bis zum Handy in der Jetztzeit. Spielerisch und humorvoll agierten, reflektierten und hinterfragten sie sich durch die die Komplexität des Themas „ökologische Intelligenz“ und das Konsumverhalten von Menschen, stießen aber oft statt auf klare Antworten auf immer neue Fragen – und stetig und unaufhaltsam wachsende Müllberge, Ratlosigkeit und das Phänomens des einfach weiter Machens.

Vieles wurde eindringlich und anschaulich erklärt, wie zum Beispiel die Tatsache, dass man mit jedem Kauf Personen unterstützt: nämlich diejenigen, die hinter dem entsprechenden Produkt stehen. „Man wählt quasi jedes Mal wieder, vergleichbar mit der Stimmabgabe in der Politik“, war das Fazit eines kurzen Exkurses in das Wesen der Demokratie, die im antiken Griechenland ihren Anfang nahm.

Mit der Aufführung sollen Impulse gegeben werden

„Unser Ziel war es von Anfang an nicht, den moralischen Zeigefinger zu heben und zu stigmatisieren“, erläuterte das Team in der abschließenden Fragerunde. „Sondern Impulse zu geben, zum Nachdenken anzuregen – und auch manchen Aktionismus als solchen zu entlarven und in ein kritisches Licht zu stellen.“

Tatsächlich stieß die Szene, in der Daniel und Marie-Lena stapelweise Schlagworte wie „Freiheit“, „Save the Planet“, Frieden“ oder „keine Autos mehr“ inflationär der Reihe nach hochhielten und sich in diesen Demos offensichtlich in erster Linie selbst feierten, auf breit grinsende Resonanz bei den Schülern. Dass auch die beiden Darsteller, die „Erklär-Bären“, mehrfach im Stück ihre Ratlosigkeit zeigten – angesichts der schier unlösbaren Umwelt- und Klimaaufgaben – war gewollt.

Keine Lösungen zu präsentieren, sondern dafür zu sensibilisieren, wie komplex alles ist und dass es Wissen und konsequente Motivation braucht, um die Knoten zu entwirren, ist das erklärte Ziel des Stückes. „Wir müssten nur allmählich mal ein paar Faktenzahlen aktualisieren“, sagte Marie-Lena selbstkritisch am Ende. „Da benutzen wir immer noch die von 2011.“

Projekt

„Trashedy“ war ein Gemeinschafts-Projekt des Kulturmanagement Solingen in Kooperation mit dem WMTV Solingen 1861, dem Solinger Sportbund und der Stabsstelle Nachhaltigkeit der Stadt Solingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
Praxen und Kinderklinik in Solingen sind voll
Praxen und Kinderklinik in Solingen sind voll
Praxen und Kinderklinik in Solingen sind voll

Kommentare