Umfrage

Theater fragt: Was will das Publikum?

Bei der Suche nach Räumen zum Aufwärmen kommt das Theater und Konzerthaus ins Spiel.
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Eine Publikumsbefragung zum Theater und Konzerthaus Solingen will ergründen, warum Zuschauer fortbleiben und was sie sich wünschen.

Die Theater bitten um Teilnahme an einer Umfrage. In ganz NRW wird das Besuchsverhalten von Kulturveranstaltungen untersucht.

Von Philipp Müller

Solingen. Wenn am Dienstagabend in der Ohligser Festhalle die Bergischen Symphoniker auftreten, dann bleiben rund ein Drittel der 350 Plätze leer. Mitte November beim On-Fire-Konzert sieht es viel besser aus. Woran liegt das? Dazu befragt das Kulturmanagement jetzt seine Besucherinnen und Besucher und auch alle diejenigen, die dem Haus den Rücken gekehrt haben beziehungsweise es überhaupt nicht nutzen. Ziel ist, das Programm stärker auf die Interessen des Publikums auszurichten. Die Umfrage, die von der Uni Paderborn geleitet wird, wird in ganz NRW stattfinden.

Dazu auch: Spannendes Theaterstück – enttäuschende Resonanz

Schon im Sommer kurz vor dem Start der neuen Spielzeit hatte das Kulturmanagement eingeräumt, vom Trend des Besucherschwunds in Kultureinrichtungen auch voll erwischt zu sein. Skeptisch gab sich dabei das Team um Stadtdienstleiterin Sonja Baumhauer, ob verlorene Besucher zurückzugewinnen sind. Optimistisch gab es sich eher, neue Besuchsgruppen für das Theater und Konzerthaus begeistern zu können. Die laufende Sanierung des Hauses bis Anfang September macht die Situation aber nicht einfacher.

So will das Theater neue Zuschauer gewinnen

Mit der Befragung wollen wir eine möglichst breite Bevölkerungsschicht ansprechen.

Jörg Pauli, Kulturmanagement

Die Umfrage belegt jetzt ein Umdenken im Haus. Jörg Pauli, Leiter der Verwaltung des Kulturmanagements Solingen, sieht in der Umfrage „einen wichtigen Baustein in dem großen Feld der Publikumsrückgewinnung“ und erklärt: „Mit unserer Befragung wollen wir eine möglichst breite Bevölkerungsschicht ansprechen.“ Dazu zählt er die Stammkundschaft auf, dazu die Solinger Menschen, die das Haus gar nicht nutzen und als „aktuell sehr relevante“ die der ehemaligen Zuschauergruppen. Deshalb sei die Umfrage so gestaltet, dass sich diese drei Gruppen bei den Fragen wiederfinden würden.

Das Theater und Konzerthaus wird von einem Millionenetat getragen, in dem Zuschauereinnahmen eine wichtige Position einnehmen. Dieser wirtschaftliche Aspekt ist eine der Triebfedern für die Umfrage. Für das Büro der Landestheater NRW als einer der Partner der Umfrage berichtet Victoria Waldhausen: „Wie das Theater und Konzerthaus Solingen stehen fast alle Veranstaltungsstätten vor der großen Aufgabe der Publikumsrückgewinnung.“ Alle Häuser in NRW hätten zuletzt ähnliche Erfahrungen beim Publikumsrückgang gemacht.“ „Mit der gemeinsam nutzbaren Umfrage wollen wir vorhandene Ressourcen bündeln. Nicht jeder muss das Rad neu erfinden.“

Passend dazu: Kammerspielchen droht endgültiges Aus

So läuft die Umfrage ab

In der Befragung geht es dann zunächst einmal darum, ob Kultureinrichtungen genutzt werden. Danach wird das Nutzungsverhalten abgefragt. Unter Kulturveranstaltungen versteht die Umfrage Theatervorstellungen vom Schauspiel, über Oper, Operette, Tanz bis zu Ballett. Musical, Kabarett, Comedy, Kleinkunst, Lesungen, kleinere Konzerte, Revue oder Liederabend sind ebenfalls gemeint.

Danach wird das Haus abgefragt, das besucht wird. Mit der Angabe Solingen lassen sich aus der Umfrage dann die Solinger Ergebnisse extrahieren. Daher sind Antworten auf die Fragen zum Programm, dessen Nutzung, zur zukünftigen Erwartung an den Solinger Spielplan und zum Zustand des Theaters und Konzerthauses auch für die Entscheidungen im Solinger Kulturmanagement so wichtig.

Mit dem Ergebnis verbindet Jörg Pauli eine Hoffnung: „Jeder ausgefüllte Fragebogen hilft uns, mit unserem Programm auf die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen vor Ort einzugehen. Wer weiß, vielleicht können wir demnächst ganz neue Zuschauerinnen und Zuschauer bei uns begrüßen.“

Umfrage

Partner: Die Umfrage wird von den Landestheatern NRW, dem NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft, dem Fachverband der Gastspielbranche Inthega und dem Kultursekretariat NRW durchgeführt.

Durchführung: Der Software Innovation Campus der Uni Paderborn sammelt die Antworten aus ganz NRW. Durch die Angabe, aus welcher Stadt die Befragten kommen, wird es ein Solingen-Ergebnis geben. Hier geht es zur Umfrage.

Standpunkt von Philipp Müller: Theaterbesuch bildet

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Die Corona-Pandemie legt viele Schwächen ganz offen zu Tage. Der verbummelte Umbau der Innenstädte ist ein sichtbares Zeichen. In den Citys soll es die Kultur als ein Anker richten, eine neue Aufenthaltsqualität für die urbanen Zentren zu schaffen. Doch ausgerechnet die Kultur erlebt nun ebenfalls stürmische Zeiten. Nach den Lockdowns in den Kultureinrichtungen bleiben die Besucher aus, egal ob privat oder kommunal.

Freiluft-Events laufen. Sie dürfen aber nicht zu teuer sein. Weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler erleben, dass für Innen-Veranstaltungen kaum Karten verkauft wurden. Zuletzt zählte das Gräfrather Kammerspielchen gerade einmal drei Hände voll Interessierte.

Da ist die Umfrage in NRW zu den städtischen Kulturangeboten möglicherweise Gold wert. Danach sollte weniger Spekulation um die Frage „Woran hat es gelegen?“ notwendig sein. Daher: Bitte die zehn Minuten für die Kultur aufwenden. Und nicht vergessen: Kultur ist auch eine Frage der Bildung nicht nur eine des Spaßes.

Lesen Sie auch: Kanal oder Teich: Streit um Regenwasser beschäftigt Justiz

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