Coronavirus

Testzentren fahren Kapazitäten hoch

Auf dem Neumarkt betreibt Apotheker Alexander Bauer ein Testzentrum. Nicht nur dort ist die Nachfrage deutlich gestiegen. Foto: Christian Beier
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Auf dem Neumarkt betreibt Apotheker Alexander Bauer ein Testzentrum. Nicht nur dort ist die Nachfrage deutlich gestiegen.

Kostenlose Bürgertests und 3G-Regel lassen Nachfrage steigen.

Solingen. Die meisten Corona-Testzentren in Solingen erleben derzeit ihren ersten Winter – jedoch bereits den zweiten Frühling. Denn seit die kostenlosen Bürgertests wieder eingeführt wurden und im öffentlichen Personennahverkehr sowie am Arbeitsplatz die 3G-Regel gilt, ist die Nachfrage nach Antigen-Schnelltests deutlich angestiegen. „Wir bewegen uns fast wieder auf dem Niveau des Sommers“, bestätigt Kevin Zimmer. Er ist für das Testzentrum der IP innovativ Personal GmbH verantwortlich.

Es lassen sich nicht nur Ungeimpfte testen.

Alexander Klein, Testzentrums-Betreiber

62 Teststellen gibt es laut Angaben der städtischen Pressestelle derzeit in Solingen. 17 davon seien eigenständige Zentren, vier in Apotheken angesiedelt, 41 bei Ärzten, Zahnärzten und sonstigen Heilberufen. Anfang Juli lag die Zahl noch bei 77. Nach der zwischenzeitlichen Abschaffung der kostenlosen Bürgertests sank sie im Oktober auf 58. Nun geht es wieder aufwärts.

Das sind die Teststellen in Solingen.

Die Entwicklung lässt sich auch an der Menge der wöchentlich durchgeführten Schnelltests ablesen. Der bisherige Höchststand in der Klingenstadt wurde zwischen dem 31. Mai und 6. Juni registriert – 30 229 Abstriche. In den fünf Wochen ohne kostenlose Tests schwankte der Wert zwischen 2911 und 8405.

Testzentren überlegten das Geschäft einzustellen - bis zur erneuten Einführung der kostenlosen Tests

Zwischen dem 15. und 21. November stieg er nach Wiedereinführung der kostenlosen Bürgertests auf 12 931. In dieser Woche dürfte er angesichts der 3G-Regel im öffentlichen Personennahverkehr und am Arbeitsplatz höher liegen.

Diese Vermutung hat zumindest Kevin Zimmer. Seit dem 15. März existiert das Testzentrum seines Arbeitgebers an der Merscheider Straße. 150 bis 200 Kunden zähle man pro Tag – Tendenz steigend. Überlegungen, das Angebot zum Jahresende einzustellen, wurden angesichts der aktuellen Nachfrage verworfen. „Wir setzen uns kein Enddatum“, sagt Zimmer.

An anderer Stelle wird das Angebot gar ausgeweitet. So haben die Betreiber der Zentren in der Alten Maschinenhalle und an der Wittenbergstraße in Ohligs mit dem Walder Stadtsaal Ende der vergangenen Woche einen dritten Standort eröffnet. „Der vorherige Betreiber wollte das Angebot nicht fortführen, da haben wir die Möglichkeit genutzt. Das wird gut angenommen“, sagt Alexander Klein.

Doppelt bis dreifach so hoch wie vor einigen Wochen sei die Nachfrage aktuell. „Es lassen sich nicht nur Ungeimpfte testen“, schildert Klein seine Beobachtung. Vielmehr sichern sich auch vollständig Geimpfte Termine, „um auf Nummer sicher zu gehen“ oder weil 2G-plus-Veranstaltungen den Nachweis auch von Geimpften und Genesenen verlangen.

Testzentren stocken personell auf

Angesichts des hohen Bedarfs planen Klein und seine Mitstreiter, die Kapazitäten auszuweiten. Außerdem soll in der kommenden Woche im Theater und Konzerthause ein weiteres Testzentrum an den Start gehen. Dafür reaktiviere man frühere Mitarbeiter und stelle neue ein.

„Wir haben personell aufgerüstet“, berichtet auch Alexander Bauer. Der Inhaber der Alexander- sowie der Turm-Apotheke bietet seit Mai Corona-Schnelltests auf dem Neumarkt an. Zwischenzeitlich reduzierte er das Angebot von zwei auf einen Container. Nun gibt es wieder jeweils eine Anlaufstelle für Menschen mit und ohne Termin.

In Sachen Personal setzt Bauer vor allem auf Personen, die in Pflegeberufen tätig sind. Einige haben ihre Stundenzahl aufgestockt. „Und wir haben Kräfte von geschlossenen Testzentren übernommen“, erklärt der Apotheker. Das Angebot angesichts der kurzzeitig kostenpflichtigen Tests einzustellen, habe er nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. „Alle, die sich testen lassen wollten, sollten die Chance dazu haben“, betont Bauer.

Aktuell stelle sich die Frage ohnehin nicht mehr. Wurden auf dem Neumarkt noch vor kurzem an manchen Tagen weniger als 20 Corona-Tests durchgeführt, habe sich der Wert verzehnfacht, liege bisweilen noch höher. „Mal sehen, wo die Reise hingeht.“

Impfungen

In Solingen wird nicht nur getestet, sondern auch geimpft. In der vergangenen Woche wurden 299 Corona-Erst-Impfungen verabreicht. Das geht aus dem Impfmonitoring der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein hervor. 63 der Dosen gingen an Minderjährige, 200 an 18- bis 59-Jährige, 36 erhielten Menschen über 60 Jahre. Im selben Zeitraum wurden 323 Zweit- und 2952 Auffrischungs-Impfungen verabreicht.

Alle Entwicklungen rund um das Coronavirus finden Sie in unserem Live-Blog.

Standpunkt: Fehlende Weitsicht

Kommentar von Manuel Böhnke

manuel.boehnke@ solinger-tageblatt.de

Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Das trifft auch auf die Abschaffung der kostenlosen Bürgertests zu. Für diesen Schritt gab es durchaus nachvollziehbare Argumente. Zum Impfen sollte er noch Unentschlossene animieren und gleichzeitig den Staatshaushalt entlasten. Doch das war offensichtlich zu kurz gedacht. Denn ein sprunghafter Anstieg der Corona-Impfungen war in der Folge nicht festzustellen. Gleichzeitig hat sich angesichts von Impfdurchbrüchen gezeigt, dass regelmäßiges Testen auch für Geimpfte eine sinnvolle Maßnahme ist, vor allem vor Treffen mit anderen Personen. Vor diesem Hintergrund war es wenig weitsichtig, die kostenlosen Bürgertests abzuschaffen – und eine richtige Entscheidung, sie wieder einzuführen. Dazwischen hat man unnötig Boden verloren. Infektionsketten wurden zu spät unterbrochen, Testmöglichkeiten eingestampft, weil sie nicht mehr tragfähig waren. Nichtsdestotrotz erweist sich die Solinger Testinfrastruktur als belastbar, wenn es darauf ankommt. Das ist wichtig – denn der regelmäßige Corona-Abstrich wird uns noch länger begleiten.

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