Gemeinsames Überwachungssystem

Tests sollen Corona- und Grippevirus früh erkennen

Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, ist mit Blick auf Corona weiter wachsam. Archivfoto: Christian Beier
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Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, ist mit Blick auf Corona weiter wachsam.

Gesundheitsamt plant mit Ärzten und Kliniken ein gemeinsames Überwachungssystem.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. „Unauffällig“, so beschreibt Dr. Annette Heibges die aktuelle Corona-Inzidenz, „gelassen ruhig“ die Corona-Stimmung in der Stadt. Aber die Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit hat, auch wenn der Sommer gerade erst beginnt, schon sehr genau den nächsten Herbst im Blick. „Wir müssen auf jeden Fall frühzeitig mitbekommen, wenn es wieder losgeht“, zeigt sie sich wachsam.

Es sei wichtig „vor der Welle“ zu sein, das hätten die vergangenen zwei Corona-Jahre gezeigt. Deshalb ist man im Gesundheitsamt gerade dabei, gemeinsam mit vielen Partnern ein Überwachungssystem für Solingen aufzubauen. „Wir wollen mitbekommen, wenn die Corona-Zahlen wieder steigen“, so Heibges.

Das geplante stichpunktartige Testverfahren soll aber nicht nur die Coronaviren ermitteln. „Wir planen, Tests einzusetzen, die auch Grippeviren erkennen“, so die Medizinerin. Diese Kombitests seien derzeit schon verfügbar. Denn momentan sei auch die Grippe wieder auf dem Vormarsch. „Das ist ganz untypisch für diese Jahreszeit, aber durch das Tragen der Masken war man in den vergangenen zwei Jahren ja auch gut gegen Grippe geschützt.“

Nach ersten Gesprächen sind Kassenärztliche Vereinigung, Ärztenetzwerk Solimed, Solinger Kinderärzte, Ärztekammer und die Kliniken bei dem „Überwachungssystem“ mit im Boot. „Man merkt, dass es allen im Gesundheitsbereich wichtig ist, nicht unvorbereitet in den nächsten Herbst zu gehen“, betont die Leiterin des Gesundheitsamtes.

Mit den speziellen Schnelltests sollen Patienten in den jeweiligen Einrichtungen stichpunktartig getestet werden. Dabei geht es nicht um die Ermittlung von Einzelfällen, sondern darum, ein breites Bild zu bekommen. Die Ergebnisse sollen anonym, nur nach Alter und Geschlecht aufgeschlüsselt, ans Gesundheitsamt übermittelt werden. „Wenn wir merken, dass in dem einen oder anderen Bereich die Zahlen wieder steigen, können wir warnen, zum Maske tragen anregen oder die Werbung für das Impfen wieder hochfahren – gegen Corona ebenso wie gegen Grippe“, skizziert Dr. Annette Heibges das Ziel. Die Kosten für das Screening im Herbst können wohl noch über das Corona-Programm mit abgerechnet werden.

Berufsbezogene Impfpflicht wird weiter verfolgt

Dass die Corona-Impfpflicht für Menschen in Pflegeberufen, Kliniken und Praxen weiter Bestand hat, hat das Bundesverfassungsgericht gestern noch einmal klargestellt und eine Beschwerde dagegen abgewiesen. Auch im Solinger Gesundheitsamt läuft deshalb das Verwaltungsverfahren zu dem Thema weiter. Es sei eine überschaubare Anzahl von derzeit 224 Beschäftigten, die bis zum 31. März von den Arbeitgebern gemeldet wurden, weil sie nicht geimpft sind, so die Amtsleiterin.

Diese Personen wurden jetzt von der Stadt angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten. „Derzeit warten wir noch auf die Rückläufer“, erklärt Dr. Annette Heibges. Dann werde geschaut, wer mittlerweile einen Impftermin gemacht hat oder ein ärztliches Attest hat. In einem letzten Schritt müsse dann über Bußgelder oder Betretungsverbot auf der Arbeit nachgedacht werden. „So lange können die Betroffenen aber weiterarbeiten“, so Heibges, die bei dem Thema genau abwägen möchte. „Wir müssen ja die Versorgung sicherstellen“.

Mir Blick auf die gesamte Bevölkerung hofft die Ärztin auf eigenverantwortliches Verhalten. „Es gibt keine Quarantänen für Kontaktpersonen mehr, keine 2G- oder 3G-Regeln, aber Maske aufzusetzen, wenn es voll oder eng ist, halte ich nach wie vor für richtig.“ In Solingen infizieren sich derzeit täglich 120 bis 150 Menschen neu mit dem Virus. Und diese Fälle werden auch weiterhin an das Land und das Robert-Koch-Institut gemeldet. Heute lag die Inzidenz in Solingen bei 422.

Alle aktuellen Nachrichten über die Corona-Lage in Solingen finden Sie in unserem laufend aktualisierten Coronavirus-Blog.

Standpunkt von Simone Theyssen-Speich: Klug und weitsichtig

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Der Sommer wird gut – das hatte schon Gesundheitsminister Karl Lauterbach, damals noch als Corona-Warner und -Mahner, im vergangenen Frühjahr prognostiziert. Und recht behalten. Genauso hatten Experten aber davor gewarnt, dass im Herbst die Zahlen wieder steigen würden. Und auch sie hatten recht behalten. Deshalb ist es klug und weitsichtig, im kommenden Herbst „vor der Welle“ sein zu wollen, wie es Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Heibges bezeichnet.

Auch wenn die immer noch hohe Inzidenz derzeit kaum schwere Krankheitsverläufe mit sich bringt, könnte etwa eine dann gefährlichere Corona-Mutation oder die Kombination mit einer Grippe-Welle, die derzeit auch auf dem Vormarsch ist, auch die Kliniken wieder mit Patienten füllen. Das soll auf jeden Fall vermieden werden. Denn einen dritten Corona-Winter oder gar wieder Einschränkungen und strenge Regeln, das möchte niemand.

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