Schutz vor Geräuschbelastung

Tempo 40 soll Lärm an Solinger Straßen mindern

Für die Konrad-Adenauer-Straße soll im Zuge der Lärmschutzplanung Tempo 40 geprüft werden.
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Für die Konrad-Adenauer-Straße soll im Zuge der Lärmschutzplanung Tempo 40 geprüft werden.

Aktionsplan zum Schutz vor Geräuschbelastung sieht neue Fahrbahnen, Radwege und Tempolimits vor.

Von Andreas Tews

Solingen. An vielen Stellen sind die Fahrbahnen bereits saniert worden. Der Entwurf für einen neuen Lärmaktionsplan der Stadt sieht neben weiteren Arbeiten am Asphalt für viele Hauptverkehrsstraßen auch eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 40 vor. Dies gilt für Strecken, an denen besonders viele Anwohner unter Lärm leiden.

Die von externen Büros erarbeitete Planung wird in diesen Wochen in den fünf Bezirksvertretungen beraten. Die Bürger hatten bereits Gelegenheit, Stellung zu nehmen (siehe unten). Die Entscheidung fällt am 1. September im städtischen Verkehrs- und Umweltausschuss.

Gesetz: Die Stadt ist nach EU- und Bundesrecht dazu verpflichtet, einen Lärmaktionsplan aufzustellen. In einem ersten Schritt hatten Experten vor vier Jahren die Lärmbelastung für Anwohner analysiert. Nach diesen Berechnungen – Messungen waren nicht vorgesehen – liegt die tägliche Lärmbelastung für knapp 2000 Solinger über dem Grenzwert von 70 Dezibel. Weitere 23 000 Menschen sind zwar durch Lärm belastet. Der liegt aber unterhalb der gültigen Grenzwerte. Berechnungen schützen Anwohner besser als Messungen, weil sie den „pessimistischeren Ansatz“ hätten, erklärte Matthias Kistenich vom Stadtdienst Natur und Umwelt in der Bezirksvertretung Wald. Dies sei in Düsseldorf getestet und gerichtlich bestätigt worden.

10.100 Solinger leiden - Tempo 40 soll für Lärmschutz sorgen

Erfasst werden Straßen mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 8200 Fahrzeugen pro Tag, sagte Kistenich in der Bezirksvertretung Gräfrath. Anwohner solcher Hauptverkehrsachsen sollen durch Veränderungen geschützt werden. Ist die Planung beschlossen, darf die Stadt diese umsetzen. Einen Rechtsanspruch darauf haben die Betroffenen allerdings nicht.

Tempo 40: Für viele Hauptverkehrsstraßen schlagen die externen Verkehrsexperten bis 2025 eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 40 Stundenkilometer vor. Dies gilt für die Hildener Straße, Cronenberger Straße (teilweise) und die Schützenstraße. Geprüft werden soll Tempo 40 zudem für die Schagbaumer Straße, Konrad-Adenauer-Straße, Kuller Straße, weitere Teile der Cronenberger Straße, Neuenhofer Straße, Werwolf, Schwertstraße, Goerdelerstraße, Friedrichstraße, Weyersberger Straße, Kronprinzenstraße, Freiligrathstraße und die Wilhelmstraße.

Tempo 30: Darüber hinaus soll auf der Ellerstraße an der Seniorenwohnanlage Tempo 30 eingeführt werden. Die Tempo-30-Regelungen auf der Schützenstraße (vor dem Altenheim, der Schule und der IHK-Lehrwerkstatt) sind ebenso Teil der Lärmschutzstrategie.

Neue Radwege: Da ein Radweg für mehr Abstand zwischen Fahrbahn und Häusern sorgt, schlagen die Experten eine Prüfung neuer Wege für die Landesstraße 288 in Ohligs (mit Bonner Straße, Im Ohligs und Ellerstraße), Cronenberger Straße und die Schützenstraße vor. Längerfristig solle dies auch für die Schlagbaumer, Cronenberger, Konrad-Adenauer-, Kuller, Neuenhofer, Goerdeler-, Kronprinzen-, Freiligrath- und Wilhelmstraße erfolgen.

Fahrbahnsanierung: Abgeschlossen sind bereits Fahrbahnarbeiten auf 18 Straßen. Weitere Deckensanierungen schlagen die Experten innerhalb der nächsten fünf Jahre für die Cronenberger und die Schützenstraße vor.

Entlastung: Nach Berechnung der Verkehrsexperten könnte die Stadt durch die kurz- und mittelfristigen Neuerungen und Bauarbeiten Entlastung für 334 Menschen schaffen. Nachts wären es bei geringeren Grenzwerten gar 444 Betroffene. Durch die längerfristigen Vorschläge fielen die Zahlen höher aus.

Termin: Der Verkehrsausschuss tagt am Donnerstag, 1. September, ab 17 Uhr im Walder Stadtsaal, Friedrich-Ebert-Straße 87.

Einschränkungen

Die Lärmschutzplanung bezieht sich laut Matthias Kistenich (Umweltamt) auf den Verkehr, nicht aber auf Gewerbegebiete. Zudem habe die Stadt wenig Einfluss auf Bahnlinien und Straßen, die nicht in ihrer Hand seien. Weil Grenzwerte eingehalten werden, sind keine von Bürgern angeregten Vorkehrungen für Gräfrather Wohngebiete vorgesehen, die in Hörweite der A 46 und des Autobahnzubringers Roggenkamp liegen. Wegen der Grenzwerte spiele auch Fluglärm keine Rolle.

Standpunkt von Andreas Tews: Unbequeme Wahrheiten

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Die Solinger Nachhaltigkeitsstrategie fordert nicht nur, die Umwelt zu schonen, sondern auch den Schutz der Menschen. Darum ist in mehreren Kapiteln die Rede davon, die Lärmbelastung zu mindern. Das ist wichtig, weil sich eine dauerhafte Geräuschbelastung negativ auf die Gesundheit auswirkt. Darum ist es positiv, dass die Stadt die Lärmbelastung der Bürger im Blick haben muss. In den entsprechenden Gutachten stehen unbequeme Wahrheiten. Zum Beispiel, dass wir uns in manchen Bereichen einschränken müssen, um die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern.

Ein Mittel der Wahl ist Tempo 40. Das dürfte auf Kritik stoßen, wäre aber zumutbar, zumal auf Hauptverkehrsachsen der Verkehr oft nicht viel schneller fließt. Und die Erfahrungen anderer Städte zeigen, dass es nicht wehtut, dem Autoverkehr eine von vier Fahrbahnen wegzunehmen, um darauf Fahrräder fahren zu lassen. Vieles ist möglich und sinnvoll. Wir müssen es nur wollen, und die Entscheidungsträger müssen den Mut haben, es umzusetzen.

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