Telefonaktion

Strom und Heizung: Experten beraten zu Energiekosten

Heizen und Strom sind teuer geworden. Bei einer Telefonaktion wollen Experten Tipps geben, wie vor allem Bedürftige das Schlimmste vermeiden können. Archivfotos: up/Tim Oelbermann
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Heizen und Strom sind teuer geworden. Bei einer Telefonaktion wollen Experten Tipps geben, wie vor allem Bedürftige das Schlimmste vermeiden können.

Stadt und Wohlfahrtsverbände warnen vor steigenden Belastungen, die viele Solinger in die Verschuldung treiben können.

Von Andreas Tews

Solingen. Die nächste Energiekostenabrechnung wird vielen Solingern drastische Nachzahlungen bescheren. Tausende könnte dies an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten bringen, warnen Experten der Stadt, der Wohlfahrtsverbände und der Verbraucherzentrale. Unter anderem raten sie dazu, schon jetzt Geld für die anstehenden Zahlungen zurückzulegen. Da Aufklärung und Vorbeugung wichtig seien und sie noch viele weitere Tipps geben können, starten das Diakonische Werk, der Caritasverband, die Stadt Solingen und die Verbraucherberatung in der kommenden Woche eine Telefonaktion mit Experten.

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Die Preise für Gas, Strom und Treibstoffe sind in den vergangenen Monaten um 30 bis 50 Prozent gestiegen. Der Bund hat zwar Hilfen vor allem für Menschen mit geringem Einkommen beschlossen. Die Zahlungen werden nach Meinung der Experten aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen. Das Kommunale Jobcenter sieht wegen der steigenden Energiekosten nicht nur Gefahren für Empfänger von Transferleistungen.

Viele Solinger werden bei der Abrechnung im Sommer eine böse Überraschung erleben.

Ulrike Kilp, Diakonisches Werk

„Neun Zehntel des Eisbergs sind noch nicht sichtbar“, warnt die Geschäftsführerin des Diakonischen Werks in Solingen, Ulrike Kilp. „Viele Solinger werden in den Sommermonaten bei der Abrechnung eine böse Überraschung erleben.“ Hinzu komme, dass vor allem Pendler durch ebenfalls hohe Benzin- und Dieselpreise belastet würden. Dies treffe vor allem Schichtarbeiter hart, die aufgrund ihrer Arbeitszeiten kaum auf Bus und Bahn umsteigen könnten. „Diese Themen werden uns weiterhin stark beschäftigen“, erklärt der zuständige Fachbereichsleiter des Caritasverbandes, Lennart Krause. Es sei Aufgabe der Stadtgesellschaft, den Folgen vorzubeugen.

Diese Tipps gibt es bei der Telefonaktion

Themen bei der Telefonaktion werden nach Kilps Angaben unter anderem Tipps sein, wie man sein eigenes Budget im Auge behält. Aber auch von vornherein höhere Vorauszahlungen können helfen, weil dadurch die Nachzahlungen kleiner ausfallen. Auch werden die Experten laut Kilp Tipps zum Energiesparen und zum umsteigen auf den Öffentlichen Personennahverkehr geben und über Hilfen informieren, die den Einzelnen zustehen.

Bereits jetzt haben die Energie-, die Energie-Rechtsberatung und die Schuldnerberatung der Solinger Verbraucherberatungsstelle gut zu tun, berichtet Leiterin Dagmar Blum. Sie warnt davor, dass vielen Solingern durch die hohen Energiekosten die Verschuldung drohe. Weil während der Corona-Lockdowns die Zähler nicht abgelesen worden seien und der Verbrauch geschätzt worden sei, drohen laut Kathrin Menzel vom Stadtdienst Wohnen nach nun erfolgten Ablesungen in vielen Fällen besonders hohe Nachzahlungen.

Hinzu komme, dass mehrere Energieversorger ihren Kunden im Herbst widerrechtlich gekündigt hätten, berichtet Blum. Diese Verbraucher seien nun über die Grundversorgung in einem Neukundentarif der Stadtwerke gelandet, der ihnen Preissteigerungen von 50 Prozent – statt ansonsten 30 Prozent – bringe.

Blum fordert von den Energieversorgern, bei Zahlungsschwierigkeiten der Kunden von Stromsperren abzusehen. Zudem hofft sie, dass staatliche Hilfen so ausgezahlt werden, dass dieses Geld nicht gepfändet werden kann. Menzel rät vor allem Menschen mit geringen Einkommen, die staatlichen Zuschüsse zu nutzen, um Rücklagen zu schaffen.

Für die 15.000 Kunden des Jobcenters wird es nach Angaben von Leiter Mike Häusgen schwierig, die Stromrechnung zu zahlen. Die 38 Euro aus dem Hartz-IV-Regelsatz werden nach seiner Einschätzung nicht ausreichen. Dies gilt laut Stefan Grohé, Leiter des Stadtdienstes Soziales, auch für die 3500 Bezieher von Grundsicherung. Sie und die Hartz-IV-Empfänger sind immerhin nicht direkt von den hohen Heizkosten betroffen. Die übernimmt der Staat, und die Solinger Stellen gehen mit den Kostensteigerungen laut Häusgen und Grohé großzügig um.

Telefonaktion

Beteiligte: Bei der großangelegten Telefonaktion zum Thema Energiekosten werden Fachleute der Verbraucherberatungsstelle Solingen, des Solinger Jobcenters, des Stadtdienstes Soziales, des Diakonischen Werkes Solingen und des Caritasverbandes Wuppertal-Solingen beraten.

Themen: Sie sprechen unter anderem zu Energiesparfragen, Budgetplanung, laufenden Verträgen und Möglichkeiten, Kosten beim Energieverbrauch einzusparen.

Termin: Die Telefonaktion ist auf nächste Woche Donnerstag, 31. März, von 15 bis 17 Uhr terminiert. Die genauen Ansprechpartner und die Telefonnummern werden kurz vor der Aktion bekanntgegeben. Das Solinger Tageblatt wird Sie rechtzeitig darüber informieren.

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