Startschuss für zweijährige Arbeiten

Sickergruben verschwinden: Teile Widderts erhalten Kanalisation

Von der Widderter Straße geht zwischen den Häusern 61 und 63 ein Feldweg ab. Dieser wird als Umgehungsstraße ertüchtigt.
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Von der Widderter Straße geht zwischen den Häusern 61 und 63 ein Feldweg ab. Dieser wird als Umgehungsstraße ertüchtigt.

Im Frühjahr werden Straßen in der Hofschaft gesperrt. Eine Umleitung wird eingerichtet.

  • 130 Grundstücke sollen in Solingen an das Kanalnetz angeschlossen werden.
  • Sickergruben für Abwässer werden stillgelegt.
  • Vier alte Pflaumenbäume werden gefällt.

Von Philipp Müller

Solingen. Am Mittwoch gab der Beirat der Unteren Landschaftsbehörde einstimmig den Startschuss für die zweijährigen Arbeiten in Solingen-Widdert, an deren Ende 130 Grundstücke an das Kanalnetz angeschlossen sein werden. Im Gegenzug werden die bisher genutzten Sickergruben für Abwässer stillgelegt. Schon seit einigen Jahren schließt die Stadt auch Siedlungen am Stadtrand Zug um Zug an das kommunale Abwassernetz an.

Zu Beginn werde nun in Solingen-Widdert ein Platz eingerichtet, der für Material genutzt werden solle, berichtet Stadtsprecherin Sabine Rische. Zugleich erfolge die Ertüchtigung eines Feldwegs als Umleitung. Sie soll sicherstellen, dass die Bewohner Widderts im betroffenen Gebiet ihre Häuser erreichen können. Für diese Umleitung war aus Natur- und Landschaftsschutzgründen die Zustimmung des Beirats am Mittwoch notwendig. Auf 330 Metern Länge wird an der Widderter Straße startend ein Feld bis zur Straße Widdert umfahren. Der Weg wird befestigt, zwei Haltebuchten für den Begegnungsverkehr angelegt und vier alte Pflaumenbäume gefällt, die ersetzt werden sollen.

Dann startet der eigentliche Ausbau der neuen Kanäle in Solingen-Widdert. Dazu hatte die Stadt bereits Ende 2019 Informationen an die Anwohner verteilt. „Der Kanalbau startet im kommenden Frühjahr, sobald es das Wetter zulässt“, hieß es darin. Daran habe sich auch nichts geändert, erklärt die Stadtsprecherin.

Die Kanalbaumaßnahmen selbst liegen nicht im eigentlichen Landschaftsschutzgebiet, teilt die Verwaltung mit. Das Areal in Widdert ist zwar ein FFH-Gebiet, das bezeichnet besonders geschützte Bereiche nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Aber da die Arbeiten im Bereich der Straßen durchgeführt würden, sei der Landschaftsschutz nicht direkt betroffen.

Solingen: Die Sperrung der Straße ist zwischen 25 und 50 Meter lang

In den zwei Jahren werde die Straße jeweils in Abschnitten gesperrt, erklärt Stadtsprecherin Sabine Rische. Diese sollen zwischen 25 und 50 Meter lang sein. Dann können die Anlieger ihre Grundstücke mit dem Pkw nicht erreichen. „Aber bis an die Sperrung darf gefahren werden“, erklärt Rische. Durch die kurzen Abschnitte soll die Belastung für jeweiligen Anwohner möglichst kurz gehalten werden.

Zugleich setze die Stadt zwei Kolonnen ein, um alles noch schneller umzusetzen. Verantwortlich sind dafür zwei Solinger Baufirmen, die sich in der Ausschreibung gemeinsam durchgesetzt haben. Das seien die Unternehmen Robert Müllenschläder und G & Otto Müller, wurden die Anwohner informiert.

Zwei Bautrupps arbeiten parallel in Solingen, um Zeit zu gewinnen

Die Bautrupps starten ihre Arbeiten in der Hofschaft Widdert und auf dem Hintenmeiswinkeler Weg, danach folgt der Bereich der Widderter Straße. Der Ausbau der Kanalisation betrifft eine alte, gewachsene Hofschaft mit 130 Anliegern. Doch nicht nur Kanäle werden gelegt. Sei die Straße erst einmal geöffnet, erneuere man auch dort, wo es notwendig sei, Rohre für das Gas- und Wasser-Versorgungsnetz, ergänzt die Stadt in ihrer Anlieger-Information.

Anlieger tragen Teile der Erschließungskosten in Solingen

Ist in 2022 das Gebiet an das neue Kanalnetz angeschlossen, dann werden auch die Anlieger zur Kasse gebeten. Die Erschließungskosten werden in Teilen auf die Grundstückseigentümer umgelegt. Die Höhe ist vor dem Baustart aber völlig unklar. 

TEMPORÄRE UMLEITUNG

BESCHLUSS Der Beirat der Unteren Landschaftsbehörde wurde zur Entscheidung hinzugezogen, weil der betroffenen Feldweg, der als Umleitung genutzt werden soll, auf 270 Metern im Landschaftsschutzgebiet liegt. Daher wurde eine Befreiung vom Landschaftsplan der Stadt Solingen gemäß Bundesnaturschutzgesetz erforderlich.

FOLGEN Der Beirat erteilte die Genehmigung unter Auflagen: Die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes erfolgt, vier Obstbäume am Wegesrand werden gepflanzt.

Standpunkt: Kanäle schützen die Natur

Kommentar von Philipp Müller

Die Sickergrube oder auch Versitzgrube als genutzte Technik, um Abwasser zu entsorgen, hat ausgedient und ist schon länger verboten. Stattdessen kommen die flüssigen Rückstände aus dem häuslichen Abwassernetz in die städtische Kanalisation. Das passiert jetzt auch in Widdert. 

philipp.mueller @solinger-tageblatt.de

Tatsächlich ist das aktiver Naturschutz. Bleiben die Kanalrohre dicht, gelangen keine Giftstoffe mehr ins Grundwasser. Alle Hofschaften im Stadtgebiet am Rande der dicht besiedelten Gebiete sind aber noch nicht erreicht. 

Die Technischen Betriebe als Betreiber des Kanalnetzes wollen das Zug um Zug erreichen. Diese glänzend polierte Seite der Umweltschutz-Medaille hat aber auch die berühmte Kehrseite – das sind die Kosten. Da wünscht man der Stadt mehr Glück als in Obenrüden, wo gleich 60 Anwohner anschließend im Clinch mit den Technischen Betrieben der Stadt lagen. 

Vor dem Umbau der Widderter Kirche wurden in der Gemeinde mehrere „gedankliche Runden“ gedreht, berichtet Pfarrerin Kristina Ziegenbalg. Dabei ging es nicht nur um zeitliche Abläufe oder finanzielle Fragen. Um Nachhaltigkeit und Umweltschutz geht es bei dem Projekt der Grundschule Bünkenberg/Widdert.

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