Recycling

TBS findet schlecht getrennte Verpackungen im Solinger Hausmüll

Im Sommer ließen die Technischen Betriebe eine Stichprobe mit Solinger Hausmüll untersuchen. Archivfoto: Christian Beier
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Im Sommer ließen die Technischen Betriebe Solingen eine Stichprobe mit Hausmüll untersuchen. (Archivfoto)

Eine Hausmüll-Untersuchung des Clubs für nachhaltige Verpackungslösungen und der Technischen Betriebe Solingen zeigt, dass viele Verpackungen das Mülltrennen erschweren. Die Bürger sollen nun besser aufgeklärt werden, damit die Recyclingquote in Solingen steigt.

Von Andreas Tews

Solingen. Viele Verpackungen bestehen aus so vielen verschiedenen Materialien, dass es den Bürgern schwerfällt, beim Mülltrennen den Überblick zu behalten. Weil der Abfall deswegen oft nicht korrekt getrennt wird, fällt den Entsorgern die Wiederaufbereitung schwerer als nötig. Dies wurde bei einer Hausmüllanalyse deutlich, bei der im vergangenen Sommer der Club für nachhaltige Verpackungslösungen in Zusammenarbeit mit den Technischen Betrieben Solingen (TBS) Solinger Hausmüll untersucht hat. Die Ergebnisse liegen den TBS jetzt vor. Dort will man Schlüsse aus den Erkenntnissen ziehen. Der Entsorgungsbetrieb will die Bürger besser aufklären. Das Ziel dabei sei, die Recyclingquote in Solingen zu erhöhen.

Generell wüssten viele Verbraucher nicht, dass die verschiedenen Komponenten der Verpackungen möglichst weitgehend getrennt werden sollten. Hier wollen die TBS verstärkt aufklären. Im aktuellen Abfallkalender und auf der Internetseite der TBS gebe man bereits entsprechende Hinweise, teilt der Betrieb mit. Die Entsorger kündigen zudem neue verbraucherfreundliche Tipps für die Bevölkerung an. Die Abfallberatung arbeite an entsprechendem Material.

Besonders in Joghurtbechern wurde Fremdmaterial gefunden.

Stephan Schäfer, Müllexperte

Für das Recycling gilt: Damit Verpackungsmüll wiederverwertet werden kann, muss er nach Inhaltsstoffen möglichst gut getrennt sein. Viele Verpackungen bestehen nach Auskunft der Experten des Clubs für nachhaltige Verpackungslösungen aber oft aus mehreren Komponenten, die zudem oft aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Als Beispiel nennt Stephan Schäfer, Autor der Analyse, Plastik-Joghurtbecher, mit Alu-Deckel und Papp-Ummantelung. Er betont: „Die Wertstoffe können nur dann vollständig werkstofflich verwertet werden, wenn Deckel und Pappbanderole abgetrennt werden.“

Solingen: Für richtiges Recycling müssen Deckel, Folien und Banderolen von Schalen und Bechern entfernt werden

Bei der Müllanalyse im vergangenen Sommer stellte er fest, dass bei der Hälfte der Becher zwar immerhin die Deckel entfernt gewesen seien. Bei den komplexeren Bechern sei aber nur in etwa einem Neuntel der Fälle die Pappbanderole entfernt worden. Auffällig sei gewesen, dass bei großen Bechern (ab 400 Milliliter) deutlich häufiger getrennt wurde (78 Prozent der Fälle) als bei kleineren (37 Prozent).

Auch für andere Verpackungsbehälter hat der Club das Verbraucherverhalten untersucht. So seien zum Beispiel bei Kunststoffschalen (unter anderem für Fisch, Fleisch oder Salate) ebenfalls nur in einem Drittel der Fälle die Deckel oder Folien entfernt worden.

TBS: Bei der Entsorgung Deckel von Plastikflaschen trennen und Verpackungen nicht ineinander stecken

Bei Plastikflaschen für Hygiene-, Putz-, Wasch- oder Reinigungsmittel habe man zwar festgestellt, dass 95 Prozent von ihnen über die gelbe Wertstofftonne entsorgt würden. Der Deckel sei aber nur bei jeder 50. Flasche entfernt worden. Hierfür machen die Experten Mängel beim Design der Verpackungen verantwortlich. Oft könne der Deckel nur mit großer Kraft entfernt werden.

Beobachtet haben die Experten auch, dass Verbraucher verschiedenartige Verpackungen oft ineinanderstecken, um Platz in den Tonnen zu sparen. Auch dies erschwere die Wiederverwertung. Nachteilig wirke sich auch aus, wenn sich in Verpackungen noch Inhaltsreste befinden.

Aufklärung der Bevölkerung soll bessere Quoten bringen. Sobald dies coronabedingt wieder möglich sei, wollen die TBS dabei auch auf Aktionen mit Schulen und Kindergärten setzen.

Aus Restmüll wird im Müllheizkraftwerk Strom erzeugt. Mit dieser Energie möchte die Stadt klimaschonend Wasserstoff produzieren, um städtische Fahrzeuge damit zu tanken.

Hintergrund

Dem Club für nachhaltige Verpackungslösungen gehören neben der Stadt Solingen und den TBS weitere Akteure unterschiedlicher Branchen, darunter Einzelhandelsketten, Systemgastronomieanbieter, Verpackungsunternehmen, Recycler sowie nicht-staatliche Organisationen und Forschungsinstitute an. Das Ziel ist die gemeinsame Entwicklung möglichst nachhaltiger Verpackungen.

Standpunkt: Kein Erfolgsmodell

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Von Andreas Tews

Die Deutschen sind so ordentlich, sie sortieren sogar ihren Müll“, spotten die Bewohner manch anderer europäischer Länder. Dies ist natürlich stark zugespitzt. Aber auch viele Verbraucher hierzulande fragen sich, ob sich der Aufwand lohnt. Ein Erfolgsmodell ist das Duale System freilich nicht. Denn die Regeln für den Verpackungsmüll sind so kompliziert, dass man darüber fast eine Doktorarbeit verfassen könnte. Genau das macht es den Bürgern so schwer, die Regeln zu akzeptieren und schließlich auch umzusetzen. Dabei ist ein effektives Abfallrecycling-System im Sinne der Schonung von Ressourcen wichtiger denn je. Also ist Aufklärung angesagt. Kurzfristig mag dies der richtige Weg sein. Langfristig muss aber die Frage erlaubt sein, ob es nicht bessere Lösungen gibt. Warum ist es nach 30 Jahren „Grüner Punkt“ noch nicht möglich, den Müll bundesweit bei den Entsorgungsunternehmen maschinell besser zu trennen? Dies würde die Recyclingquote auf einen Schlag deutlich nach oben schnellen lassen. Und wir Bürger hätten vielleicht die eine oder andere Tonne weniger im Haus.

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