Eingespieltes Team

Tag des Blindenführhundes: Stella ermöglicht Manuela Knors Freiheit

Wenn es nach draußen geht, legt Manuela Knors Stella die Kenndecke, das Geschirr und die Leine an. Foto: Christian Beier
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Wenn es nach draußen geht, legt Manuela Knors Stella die Kenndecke, das Geschirr und die Leine an.

Die Hündin Stella und Manuela Knors sind ein eingespieltes Team.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Manuela Knors und Stella sind ein eingespieltes Team. Wenn Knors das Haus verlässt, ist der schwarze Labrador seit neun Jahren meist dabei: beim Einkaufen auf dem Markt in Ohligs ebenso wie zum Sportkurs oder zum Arzttermin. Stella ist ein Blindenführhund. „Für mich ist sie ein Stück Freiheit, das ich nicht missen möchte“, sagt die Solingerin. „Aber sie ist auch ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen.“

Manuela Knors ist infolge einer Augenerkrankung in der Jugend erblindet. Stella ist bereits ihr dritter Hund. Der erste, ein Labrador-Rüde, kam in die Familie, als ihre Kinder noch im Kindergartenalter waren. „Das war damals eine Riesenerleichterung.“ In Solingen sei sie Anfang der 90er Jahre die Einzige gewesen, die einen Blindenführhund hatte. „Inzwischen sind es im Blinden- und Sehbehindertenverein bereits fünf.“

Wenn es für Stella an die Arbeit geht, legt Manuela Knors der Hündin die orange-farbene Kenndecke mit dem Aufnäher Blindenführhund um. Zudem werden das Geschirr und die Leine angelegt. Kontakte zu Artgenossen sind für den Labrador dann tabu. Auch Passanten sollten den Hund nicht ablenken und auf keinen Fall ins Geschirr greifen. „Aber die meisten halten sich auch daran und achten Blindenführhunde sehr für das, was sie leisten“, erzählt die 61-Jährige.

Hündin Stella geht bald in Rente

Tatsächlich erfordert Stellas Job ein Höchstmaß an Konzentration und Aufmerksamkeit. „Es ist ein Zusammenspiel“, betont Manuela Knors. Und das erfordere vom Halter, dass er den Hund auch leiten kann. „Ich muss wissen, wohin ich möchte.“ Stella muss sie auf Bordsteine aufmerksam machen, indem sie stehen bleibt. Sie muss sie an Hindernissen wie Mülltonnen auf dem Gehweg vorbeiführen. Ebenso muss sie Höhenhindernisse erkennen, an denen ihr Frauchen sich stoßen kann, wie zum Beispiel Außenspiegel von Lkw. „Das ist für Hunde schwer abzuschätzen.“ An Baustellen mache sie die Arbeiter meist auf sich aufmerksam und bitte um Hilfe.

Doch trotz aller Umsicht hat Knors auch schon kritische Situationen erlebt: „Mit allen drei Hunden an derselben Stelle.“ So sei die Kreuzung an der Zweibrücker Straße nahe der Kirche St. Joseph nicht leicht zu meistern: „Straßen von allen Seiten und Ampeln, die piepsen.“ Weil sie sich nicht richtig im rechten Winkel ausgerichtet habe, habe sie die Straße falsch, nämlich schräg, überquert, berichtet sie. „Und dann stand ich plötzlich mitten auf der Fahrbahn.“ Solche Fehler gelte es sofort zu korrigieren. „Stella weiß in der Regel aber genau, was los ist.“

Da die Hündin fast elf Jahre alt ist, steht für sie bald die Rente an, die sie bei einer Freundin von Manuela Knors verbringen wird. Voraussichtlich bis Ende des Jahres bekommt die Solingerin einen neuen Blindenführhund. Eine Blindenführhundschule hat sie bereits ausgesucht, die Bewilligung der Krankenkasse liege auch vor.

Die Ausbildung dauert ein halbes bis dreiviertel Jahr

Der ausgebildete Blindenführhund koste rund 35.000 Euro. Der Trainer ist nun auf der Suche nach einem geeigneten Tier für sie. Es wird wieder ein Labrador werden.

Er muss wie Stella und ihre Vorgänger hohe Anforderungen erfüllen: So darf er keine gesundheitlichen Probleme haben, muss lernwillig sein, Lärm aushalten und gut eine Beziehung zu Menschen aufbauen. Ängstliche Hunde sind ebenso wenig geeignet wie Draufgänger. Ein halbes bis ein dreiviertel Jahr dauert die aufwendige Ausbildung.

Auch wenn sie für die Assistenz ausgebildet wurde: Das Leben ihres Hundes bestehe nicht nur aus Arbeit, betont Manuela Knors. Regelmäßig trifft sie sich mit befreundeten Hundebesitzern, um Stella Freilauf mit Artgenossen zu bieten: „Der Hund gibt mir ganz viel und soll es gut haben.“

Aktionstag

Blindenführhunde: Der 29. Januar ist der internationale Tag des Blindenführhundes. An diesem Datum wurde 1929 die erste Blindenhundführschule in den USA gegründet. Im Deutschen Reich kamen Blindenführhunde bereits seit dem Ersten Weltkrieg zum Einsatz, als Unterstützung für im Krieg erblindete Soldaten. Geeignet sind Hunde, die friedfertig und belastbar sind und einen wesensfesten Charakter mitbringen.

Verein: In Solingen unterstützt der Blinden- und Sehbehindertenverein Menschen mit einer Sehbehinderung. Kontakt: Tel. 23 35 52 77, bsv-solingen.de.

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