4000 chemische Stoffe verboten

Tätowierer in Solingen sehen neue Verordnung kritisch

Das Stechen von farblichen Motiven wird deutlich schwieriger. 
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Das Stechen von farblichen Motiven wird deutlich schwieriger. 

Ab Dienstag sind nach EU-Recht einige Farbpigmente zur Hautbemalung verboten.

Von Moritz Jonas

Solingen. Ab Dienstag wird es trist in den Farbpaletten der Solinger Tätowierer. Grund dafür ist die europaweit geltende REACH-Verordnung – kurz für Registrierung, Evaluierung, Autorisierung und Restriktion von Chemikalien. Mit Inkrafttreten dieser sind ungefähr 4000 chemische Stoffe verboten. Viele davon sind auch in Tattoofarben enthalten. Somit wird das Stechen von farblichen Motiven deutlich schwieriger. Erst recht, wenn ab 2023 dann auch noch die Pigmente Grün 7 und Blau 15:3 verboten sind. Vor allem ohne den Blauton werden bunte Tattoos in Zukunft nahezu unmöglich, wenn kein adäquater Ersatz gefunden wird.

Bei den Solinger Körperkünstlern sorgt das für reichlich Unmut. „Für mich ist das reine europäische Willkür, die auf keinerlei Forschungsgrundlage beruht“, beklagt sich Michael Masmeier von Mo’s Tattoos. Und tatsächlich, aus der REACH-Verordnung geht nur hervor, dass die ab Januar verbotenen Stoffe möglicherweise gesundheitsschädigend sein könnten, konkrete Beispiele und Studien gibt es hierfür allerdings nicht.

„Für mich ist das reine europäische Willkür.“

Michael Masmeier, Mo’s Tattos

Auch Oliver Mühlen vom Tattoo Studio mit dem fast schon bezeichnenden Namen Bunte-Haut sieht die Grundlage, auf der die EU handelt für nicht gegeben: „Ich tätowiere seit 20 Jahren und habe es noch nie erlebt, dass einer meiner Kunden aufgrund seiner Tätowierungen an Krebs oder ähnlich Schlimmem erkrankt wäre“, so Mühlen. Wenn dem so wäre, würde er sich aber natürlich dafür aussprechen, die Stoffe umgehend aus dem Verkehr zu ziehen. Das heißt auch, dass die Tattoo-Nadeln vor dem heutigen Tag noch mal ordentlich heiß gelaufen sind: „Ich versuche jetzt natürlich, alle farblichen Großprojekte in die letzten Tage zu stecken“, sagte Mühlen dem ST vor einigen Tagen. Denn es sei eben nicht abzusehen wann und ob es neue Stoffe geben würde und wie diese sich auf der Haut verhalten, gibt er weiter zu bedenken.

Ein weiterer Punkt ist das Verlustgeschäft, das den Studios durch diese Veränderung entsteht. „Ich kann über 3000 Euro in die Tonne kloppen, plus die Anschaffung von möglichen neuen Farben“, beschwert sich Masmeier. Denn nicht nur das Tätowieren dieser Stoffe ist untersagt. Auch der reine Besitz dieser kann zu rechtlichen Konsequenzen führen.

Doch ganz darf und muss die Hoffnung auf farbliche Kunstwerke auf der Haut noch nicht aufgegeben werden. Für den Erhalt der Pigmente Grün 7 und Blau 15:3 wurde bereits jetzt eine Petition gestartet, diese läuft unter dem Namen „Save the Pigments“. Sowohl Masmeier als auch Mühlen haben diese Petition bereits unterzeichnet.

Auch bei den jetzt in Kraft getretenen Regelungen hegt Masmeier noch etwas Hoffnung: „Vielleicht wird das Ganze auch wieder gekippt, wenn man merkt das die Farben, mit denen wir schon unser Leben lang tätowieren, gar nicht so gefährlich sind.“

Auch interessant: Die Solingerin Angelina Mengel tätowierte in der Fernsehshow „Pain & Fame.“

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