Integration

Syrische Flüchtlinge lernen die Solinger Stadtverwaltung kennen

Sawsan Mohammad (r.) mit ihrem Mentor Wolfgang Flemm sowie Isolde Aigner von der Jugendförderung. Foto: Bastian Glumm/Stadt Solingen
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Sawsan Mohammad (r.) mit ihrem Mentor Wolfgang Flemm sowie Isolde Aigner von der Jugendförderung.

Noch bis Ende März unterstützt Sawsan Mohammad das Team der Jugendförderung.

Von Manuel Böhnke

Solingen. In Syrien arbeitete sie als Mathematik- und Informatiklehrerin, war stellvertretende Schulleiterin. Doch als Sawsan Mohammad im Sommer 2016 nach Solingen kam, stand für sie zunächst der Sprach- und Integrationskurs an. Später absolvierte sie einen Bundesfreiwilligendienst und brachte sich als Übungsleiterin ein. Inzwischen ist sie als Jahrespraktikantin für die Stadt aktiv. Noch bis Ende März unterstützt sie Projekte der Jugendförderung. Als eine von fünf syrischen Geflüchteten, die die Abläufe im Rathaus und der Politik vor Ort kennenlernen.

Möglich macht das das Projekt „Qualifizierung von syrischen Geflüchteten in deutschen Kommunalverwaltungen“ des Bundes, erklärt die Stadt Solingen. Dafür wurden in einer zweiten Förderrunde fünf deutsche Kommunen ausgewählt, bundesweit gibt es zwölf Teilnehmer – davon fast die Hälfte in Solingen. „Wir haben diese Praktika sofort ausgeschrieben, als wir erfahren haben, dass wir den Zuschlag bekommen haben – und zwar in fünf verschiedenen Bereichen, damit sich Interessierte nach Neigung bewerben konnten“, erklärt Caren Tuchel. Sie leitet den Stadtdienst Integration und das Qualifizierungsprojekt.

So ist Sawsan Mohammad etwa für die Jugendförderung tätig. Bezahlt wird die vierfache Mutter nach Mindestlohn. Seit April 2021 kümmert sie sich laut Angaben des Rathauses mit je 15 Wochenstunden um die Geschäftsstelle des Jugendstadtrates und das Projekt „fYOUture“. Die Kollegen der Jugendförderung freuen sich über die mehrsprachige Unterstützung. „Wir brauchen ja immer ,Türöffner’, um an bestimmte Zielgruppen zu kommen“, sagt Isolde Aigner. Vor allem mit Blick auf junge Geflüchtete sei Mohammad „ein echtes Geschenk“.

Und auch die 43-Jährige profitiert von den Erfahrungen. „Für mich war es sehr spannend, mit dem Jugendstadtrat zusammenzuarbeiten. Und es war sehr interessant, die Jugendlichen auf die Bundestagswahl vorzubereiten“, wird sie zitiert. Besonders beeindruckt habe sie die Meinungsfreiheit der Kinder, als es während der Sommerferien in der Kinderoase um Empowerment und Selbstwirksamkeit ging: „Manche haben ganz offen etwas erzählt. Kinder und Jugendliche sind hier sehr mutig.“ Gleichzeitig stellt sie fest, dass der Nachwuchs hierzulande zu mehr Eigenständigkeit als in Syrien erzogen werde.

Unterstützung erhält Sawsan Mohammad von einem Mentor

Während des Projekts hat Mohammad einen Mentor an ihrer Seite. Wolfgang Flemm, der ehemalige Leiter der Kindertagesstätte Fuhr, unterstützt sie. Er möchte mit der 43-Jährigen unter anderem den Jugendhilfeausschuss sowie den Zuwanderer- und Integrationsrat besuchen. Dort soll sie die Gremienarbeit kennenlernen.

„Ziel der Maßnahme ist einerseits, dass die Teilnehmenden Kenntnisse erwerben, wie man in einer deutschen Verwaltung arbeitet und miteinander umgeht. Auf der anderen Seite soll vermittelt werden, wie eine Kommunalverwaltung eigentlich aufgebaut ist“, erklärt Caren Tuchel. Das verbessere einerseits die Chancen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt. Andererseits sollen die erworbenen Kenntnisse dabei helfen, Syrien nach Ende des Bürgerkriegs wiederaufzubauen. Denkbar sei zum Beispiel, dass Solingen einer syrischen Partnerstadt unter die Arme greift, kommunale Strukturen aufzubauen.

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