Kindertagesstätten

Stadt sucht händeringend Erzieher

Natascha Zachocki und Pascal Münx sind Erzieher in der städtischen Kita Klingenbande. Foto: Christian Beier
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Natascha Zachocki und Pascal Münx sind Erzieher in der städtischen Kita Klingenbande.

Auch andere Träger bemühen sich verstärkt, Fachkräfte für die Kindertagesstätten zu finden.

Solingen. Mit Hochdruck treibt die Stadt Solingen den Kindergarten-Ausbau voran. Für die neuen Einrichtungen wird – ebenso wie für bestehende – händeringend pädagogisches Personal gesucht. Erzieher, Kindheitspädagogen, Heilerziehungspfleger und andere Fachkräfte für die 18 städtischen Kitas werden benötigt. Dort seien derzeit acht Erzieherstellen unbesetzt sowie zwei weitere für Spezialisten für Eingliederungshilfe, heißt es aus dem Rathaus.

„Der Bedarf ist gestiegen“, sagte Stefan Stiel, Abteilungsleiter der städtischen Jugendhilfe, gestern bei einem Pressegespräch. Das bestätigen auch ST-Recherchen bei Vertretern anderer Kita-Träger: „Es ist sehr schwer, Fachkräfte zu finden“, erklärt Petra Butterweck vom Diakonischen Werk.

Vor rund einem Jahr waren in den damals noch 17 städtischen Kitas genau 4,5 Erzieherstellen frei. Dass der Bedarf jetzt noch höher ist, liegt unter anderem an der Eröffnung weiterer Kindergärten. Als jüngste Einrichtung baut die Stadt die Kita Schwanenstraße auf, die bereits mit zwei Vorläufergruppen gestartet ist, berichtete Stiel. „Dafür suchen wir Leute.“

Die Corona-Pandemie spiele ebenfalls eine Rolle, sagte Kai Wißmann vom städtischen Personalmanagement. „Wir mussten Kollegen freistellen, die Risikopatienten sind und in der Kita nicht mehr eingesetzt werden können.“ Auch bei einer Schwangerschaft würden Erzieherinnen in der Regel sofort freigestellt, ergänzte Stiel.

Schwierig sei es vor allem, während des laufenden Kindergartenjahres neue Fachkräfte zu finden, erklärte Susanne Rodloff, Sachgebietsleiterin städtische Kindertagesstätten. Rund 250 Erzieherinnen und Erzieher beschäftigt die Stadt Solingen. Man wünsche sich mehr männliche Bewerber. Das hat zumindest 2020 geklappt: Zehn Erzieherinnen und sechs Erzieher wurden laut Kai Wißmann eingestellt. Auch Mitarbeiter, die mehrere Sprachen beherrschen, seien gefragt.

Die Stadt hat deshalb eine Kampagne mit Plakatwänden und Buswerbung gestartet. Mit verschiedenen Zugaben versucht sie, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. So gebe es unter anderem Zuschüsse zum Jobticket für den Nahverkehr, ein zinsloses Darlehen für ein Dienstfahrrad und Fortbildungen, so Wißmann. Beim Gehalt gibt es keinen Spielraum. „Wir sind an den Tarifvertrag gebunden.“

Forciert wird auch die Ausbildung. So biete die Stadt unter anderem Stellen für angehende Erzieher im Rahmen der Praxisintegrierten Ausbildung (PIA) am Mildred-Scheel-Berufskolleg. Rodloff: „Die Auszubildenden beziehen ab dem ersten Tag Gehalt.“ Zwei oder drei Tage in der Woche arbeiten sie in ihrer Einrichtung, die übrigen Tage gehen sie zur Schule.

Solingen: Berufsaussichten für Erzieher sind gut

Seit diesem Schuljahr hat das Berufskolleg zwei PIA-Klassen, zusätzlich zur Erzieherausbildung in Vollzeit oder Teilzeit. Das PIA-Modell sei beliebt, sagt Bereichsleiterin Cornelia Cürten. Auch bei den anderen Bildungsgängen seien die Aussichten für Erzieher gut: „Die meisten bleiben da, wo sie ihr Berufspraktikum machen. Wenn das nicht geht, finden sie schnell eine andere Stelle.“

Angesichts des Fachkräftemangels bilden auch andere Träger verstärkt aus. So zum Beispiel der Verein Kinderstuben, der drei Kitas und die offene Ganztagsbetreuung an einer Schule betreibt. „Inzwischen haben wir in fast jeder unserer Gruppen einen Auszubildenden“, sagt Geschäftsführerin Eva Kuhn. Denn die Suche nach neuen Mitarbeitern gestaltet sich sonst mühsam: Derzeit seien zwei Stellen ausgeschrieben, eine dritte sei bereits besetzt. „Es gehen Bewerbungen ein, aber schleppend.“

Beim Diakonischen Werk, das Träger der evangelischen Kindertagesstätten ist, seien derzeit vier Erzieherstellen vakant, sagt Abteilungsleiterin Petra Butterweck: Es gebe Bewerbungen. „Aber es muss auch passen. Wir stellen nicht um jeden Preis ein.“

Hintergrund

In den vergangenen zehn Jahren hat die Stadt Solingen sechs zusätzliche Kindertagesstätten eröffnet. Inzwischen sind es 18 Einrichtungen. Die Kinder- und damit die Gruppenanzahl habe sich um fast die Hälfte verdoppelt. Die Zahl der benötigten Vollzeit-Stellen sei um 67 Prozent angestiegen. Neue Fachkräfte sollen mit der Kampagne „Mensch, Solingen braucht dich!“ gewonnen werden. Auf Plakaten sind Erzieherinnen und Erzieher aus städtischen Kitas abgebildet.

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