Tierisches Abenteuer

Suchhund rettet Artgenossen nach 28 Stunden aus dem Wald

Zur Stärkung gab es für Yesse von René Klein (r.) Leberwurst aus der Dose. Die Erleichterung, den Mischling nach 28 Stunden gefunden zu haben, war bei seinen Herrchen Claudia und Dirk Herzog groß. Foto: Suchhundeführer
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Zur Stärkung gab es für Yesse von René Klein (r.) Leberwurst aus der Dose. Die Erleichterung, den Mischling nach 28 Stunden gefunden zu haben, war bei seinen Herrchen Claudia und Dirk Herzog groß.

Beim Spaziergang durchs Friedenstal hatte sich der Rüde Yesse von seinen Herrchen losgerissen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Es sollte ein normaler Winterspaziergang werden. Am Mittag des dritten Advents machten sich Claudia und Dirk Herzog mit ihren beiden Hunden zu einer Runde durch das Gräfrather Friedenstal auf. „Die Strecke ist uns gut bekannt“, sagt der 61-Jährige. Doch der Tag nahm eine unvorhergesehene Wendung. Um der Hundedame Leni in den Wald zu folgen, riss sich der 4-jährige Rüde Yesse los. Leni kam nach zehn Minuten zurück. Doch Yesse blieb verschwunden – für 28 Stunden. Nur mit Hilfe eines speziellen Suchhundes konnte der Vierbeiner gerettet werden.

Bis dahin war es ein langer Weg. Zwei Stunden harrten die Wuppertaler, die in der Kohlfurth leben, an der Stelle des Verschwindens aus, durchsuchten die nähere Umgebung. Weit konnte der Vierbeiner eigentlich nicht gekommen sein. Er trug noch eine fünf Meter lange Schleppleine um den Hals. „Als wir ihn trotzdem nicht finden konnten, wurden wir nervös“, gesteht Dirk Herzog.

Das Ehepaar informierte unter anderem die Polizei und das Tierheim. Außerdem nahm es Kontakt zum zuständigen Jagdpächter auf. Der rückte mit einer Wärmebildkamera an. Am Abend musste das Trio die Suche jedoch abbrechen.

„Viel geschlafen haben wir in dieser Nacht nicht“, blickt Herzog zurück. Um sechs Uhr war der Polizeibeamte schon wieder auf den Beinen, um Plakate aufzuhängen. Parallel dazu nahmen die Herzogs Kontakt zum Verein Suchhundeinsatz auf. Im Internet waren sie auf die Essener Organisation gestoßen, die sich auf das sogenannte Pettrailing spezialisiert hat – das Aufspüren von Tieren durch Suchhunde. Zu diesem Zweck bildet der Verein auch Nachwuchs-Teams aus.

Die Vorsitzende Mandy van den Borg nahm sich Yesses Schicksal an. „Wir rücken nur aus, wenn wir wirklich helfen können“, erklärt die Essenerin. Ist etwa ein sehr schreckhafter Hund ohne Leine weggelaufen, sind die Erfolgsaussichten gering: „Den treiben wir nur vor uns her.“ Anders stellte sich die Situation bei Yesse dar: Der Mischling ist zutraulich. Zudem war die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass er mit der langen Leine im Dickicht hängengeblieben ist.

Mit Suchhelfer René Klein und Hündin Milka machte sich van den Borg auf den Weg nach Solingen. Der vierjährige Mischling stammt aus dem kroatischen Tierschutz. Zweieinhalb Jahre wurde er für das Pettrailing ausgebildet.

„Auf einem Trampelpfad, dem letzten Sichtungspunkt, nahm Milka anhand des Geschirrs von Yesse dessen Geruch auf“, erklärt van den Borg. 50 Minuten lang verfolgte die Hündin die Spur, fast einen Kilometer zog sie die Gruppe – steil bergauf – durchs Unterholz. „Das war ganz großes Kino“, sagt Dirk Herzog.

An einer Senke wurde Milka langsamer, berichtet van den Borg. Und tatsächlich: Nur wenige Meter entfernt stand Yesse, der nur selten bellt, im Laub – seine Leine komplett an einem Baum verheddert.

„Wir sind für die Unterstützung sehr, sehr dankbar“, betont Herzog. Und auch Milkas Herrchen ist zufrieden: „In ihrer kurzen Karriere als Suchhund ist das bereits ihr dritter Lebend-Direktfund gewesen. Das ist nicht gewöhnlich.“ Zur Belohnung gab es Leberwurst aus der Tube. Die teilte die Hündin mit dem entkräfteten Yesse.

Der Rüde hat sich von den Strapazen seines 28-stündigen Abenteuers gut erholt. Wiederholen wird es sich wohl nicht: Yesse trägt fortan einen GPS-Sender am Halsband.

www.suchhundeinsatz.de

Ein entlaufener Hund hatte die Polizei und seine Halter in Atem gehalten.

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